Parallel zum "Borat"-Hype und im allgemeinen Trend des Anti-"Political Correctness" muß auch der deutsche Film etwas dazu beisteuern und was liegt da näher als sich schön dem Tabu-Thema "Behinderte" anzunehmen und mal so richtig die Sau raus zu lassen...
Hier wird schön dem Behinderten aufs sabbernde offenstehende Maul geschaut, keine bekannte Bezeichnung für ihn ausgelassen ("der Mongo" usw.) und dessen liebstes Gefährt, der Rollstuhl, für allerlei ungewöhnliche Fahrten mißbraucht - gut, daß dann meistens kein wirklich behinderter Mensch darin sitzt, sondern Fred (Til Schweiger). Doch wie kommt es dazu ?
Fred ist Polier auf einer Baustelle und sehr ehrgeizig. Da kommt es seinen Karrierewünschen sehr entgegen, daß er mit Mara (Anja Kling) angebandelt hat, der Tochter des Chefs. Doch Fred hat auch den innigen Wunsch nach einem glücklichen Familienleben, nur steht ihm dabei ausgerechnet Maras dicker, völlig verzogener Sohn Linus im Wege, der ihn partout nicht als Vaterersatz anerkennen will. Doch da bekommt Fred seine Chance, denn Linus ist großer Fan des Basketball-Clubs Alba Berlin und möchte einen original unterschriebenen Ball haben, der normalerweise nur an die behinderten Zuschauer, die auf einer eigenen Tribüne am Spielfeldrand sitzen, verteilt wird.
Gut das Kumpel und Maurer Alex (Jürgen Vogel) schnell einfällt, daß Fred sich als Behinderter ausgeben soll und so den Ball einfach am Spielfeldrand einsacken kann. Der Plan gelingt, allerdings nicht ohne dabei den querschnittgelähmten Ronnie (Christoph Maria Herbst) auszubooten, der sich den Ball selber sichern wollte.
So weit so gut, doch zufälligerweise hat Alba Berlin gerade einen Image-Film in Auftrag gegeben, der sich besonders auf die Integration behinderter Menschen konzentrieren soll und mit dem Denise (Alexandra Maria Lara) als Regisseurin betraut wurde. Der körperbehinderte und stumme Fred kommt da gerade recht als Identifikationsfigur und soll im Mittelpunkt des Filmes stehen. Da es auch noch eine Woche dauern wird bis Fred den Ball vollständig mit Autogrammen versehen bei einer feierlichen Übergabe erhalten wird, bleibt ihm nichts anderes übrig als weiter den Behinderten zu spielen...
Wer hier auf Grund der "Behindertenthematik" einen originellen Verlauf erwartet, wird enttäuscht. "Wo ist Fred" geht den klassischen Weg einer typischen Verwechslungskomödie a la "Charlies Tante" , nur das Till Schweiger hier nicht in Frauenklamotten heraum läuft, sondern immer abwechselnd den toughen durchtrainierten Bauarbeiter und den sprachunfähigen, gelähmten Fred geben muß. Und wie es in solchen Komödien üblich ist, werden die Situationen in ihrer Glaubwürdigkeit immer absurder, die Ausreden immer hanebüchener und die Gelegenheit die Wahrheit zu gestehen immer unmöglicher...
Und das funktioniert ! - Es gibt eine Vielzahl völlig überdrehter Situationen, die einfach lustig sind. Der Film hält sein Tempo fast bis zum Schluß gleichbleibend hoch und ist dann immer am witzigsten, wenn er Situationskomik betreibt - sei es als Fred Probleme mit dem Sprachcomputer an seinem Rollstuhl bekommt, der fast die Wahrheit an Denise verrät - sei es als er in einem Cafe völlig absurd ständig beide Rollen wechseln muß und zum Schluß sabbernd als Rollstuhlfahrer bei den Falschen landet oder wenn er krampfhaft so tut als hätte er gefühllose Beine, während ein Medizinstudent an seinen Füßen mit Nadeln herumbohrt.
Allerdings setzt "Wo ist Fred ?" auch häufig auf typischen "Bananen-Ausrutsch" - Humor, bei dem sich Fred dermaßen oft den Kopf oder andere Körperteile stößt, daß man sich wundert, daß er nach der Geschichte nicht wirklich behindert ist. Trotzdem erwischt man sich immer wieder dabei, lauthals zu Lachen, gerade bei diesen absurden Situationen, die immer mit "Behinderung" in Zusammenhang stehen.
Erfüllt der Film mit dieser Respektlosigkeit gerade die Lockerheit , die immer wieder gegenüber diesem "Tabu-Thema" gefordert wird ? - Meiner Meinung nach nicht. Natürlich hat es etwas Erfrischendes, sich mal nicht verkrampft zu benehmen, aber tatsächliche Behinderung kommt nur als schmückendes Beiwerk vor und eine echte Konfrontation existiert überhaupt nicht.
Das liegt vor allem an der Unausgewogenheit des Films, der verschiedene Stile vermischt und keine Linie einhält. So agieren Til Schweiger und besonders Jürgen Vogel rein komödiantisch und sind die Hälfte des Films wirklich witzig. Vogel hält das bis zum Schluß ohne verlogene Betroffenheitsfloskeln durch, aber Til Schweiger muß ja auch noch die symphatische Identifikationsfigur mimen und den Love-Interest für die engagierte Denise und verliert somit durch häufige "Schlechte Gewissen Attacken" immer mehr an Drive.
Genauso verhält sich das mit dem Charakter der Nebendarsteller. Während die Welt von Freds reicher Freundin Mara mit Eltern und Sohn und das Werbeteam von Alba gnadenlos negativ überzeichnet wird und die Berliner "Küßchen" Prominenz karikieren soll, ist das Team um Denise von geradezu naiver "Gutmensch"-Charakteristik. So gesteht Denise weinend dem "behinderten" Fred, er hätte sie so verändert, daß sie jetzt endlich ihren behinderten Cousin akzeptieren kann.
Und genau darin liegt die Verlogenheit des Films. Til Schweiger ist ein äußerst fotogener Behinderter, der auch nicht an irgendwelchen (nachvollziehbaren) psychischen Problemen leidet, sondern alle mit seiner "ruhigen, positiven Art" überzeugt. Gerade die Rolle von Christoph Maria Herbst zeigt die verschenkten Chancen. Er spielt den Ronnie absolut überzeugend als ständig nervenden ungepflegten Querschnittsgelähmten, der dazu noch Fred sofort durchschaut und erpresst. Hätte er dazu beigetragen ,daß Denise umdenkt, wäre das wirklich überzeugend gewesen, aber so verpufft ihre neue Haltung völlig...
Als dritte Ebene leistet sich der Film noch einen satirischen Blick auf den Umgang mit Behinderten. So werden die Behandlungsmethoden im Heim, bei der eine besonders "engagierte" Heimleiterin, die ein wenig den zuckersüßen Charme einer Gefängniswärterin versprüht, auch mal bei der Ganzkörperwäsche persönlich "zugreift" , satirisch angeprangert oder der schnelle Zugriff zur Beruhigungsspritze gezeigt, wenn sich ein Behinderter nicht konform verhält. Eine aufklärende Wirkung wird damit nicht erreicht, dazu wird alles viel zu überzogen dargestellt und verschwindet in dieser wilden Mischung aus klassischer Komödie, Satire und romantischer Liebesgeschichte.
Fazit : Insgesamt mißlungener Versuch einer respektlosen Komödie, die zwar gut unterhält und in der richtigen Stimmung wirklich witzig sein kann, aber bei etwas genauerem Hinsehen auch die Verlogenheit zeigt, die dahinter steckt.
Der Verstoß gegen die "Political Correctness" findet nicht wirklich statt, denn tatsächlich Behinderte und ihr Schicksal stehen nicht wirklich im komödiantischen Mittelpunkt, sondern gesunde schöne Menschen, die auf Grund romantischer Verstrickungen zeitweise mit Behinderungen und den damit verbundenen Nachteilen konfrontiert werden. Zum Schluß löst sich alles in Wohlgefallen auf und die behinderten Menschen dürfen wieder abtreten.
Ich gebe zu, ich habe schon lange nicht mehr so im Kino gelacht, aber um so länger der Film zurückliegt, um so mehr bekomme ich ein schummriges Gefühl deswegen. Vielleicht liegt ja genau darin die Qualität des Films ,in dem er uns zeigt, wie wir selbst darauf reagieren.
Eine genaue Bewertung ist hier schwierig, da der Film zwischen Extremen driftet - für das Amüsement kann man eine hohe Punktzahl geben, für die Machart eine durchschnittliche und ihn für seine Verlogenheit vernichtend kritisieren. Ich gebe deshalb hier zusammen (5/10).