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"Was ist ein Monstrum und was ist ein Mann?"

Quasimodo ist von Geburt an missgestaltet. Durch seinen krummen Rücken und sein verunstaltetes Gesicht lässt ihn sein Ziehvater Richter Claude Frollo nicht aus der Kirche Notre Dame heraus. Unwissend, dass Frollo einst seine Mutter ermordet hat und ihn nur durch das Urteil der Kirche aufzieht, lebt er im Glockenturm und unterhält sich mit den Wasserspeiern Victor, Hugo und Laverne. Quasimodo wünscht sich aber nichts sehnlicher, als seiner Behausung zu entkommen und am kommenden Fest der Narren teilzunehmen. Ohne das Einverständnis von Frollo steigt er am Tag des Festes von seiner Behausung herab und wird prompt von der Menschenmenge gedemütigt. Nur die anmutige Zigeunerin Esmeralda verbietet die Demütigung und lenkt sofort den Zorn des zigeunerhassenden Frollo auf sich. Er beauftragt seinen neuen Hauptmann Phoebus Esmeralda festzunehmen. Esmeralda kann in die Kirche flüchten, wo Phoebus, der sich bereits in sie verliebt hat, das dortige Asylrecht geltend macht. Frollo ist außer sich und lässt Notre Dame bewachen.

Es ist eine mutige und gewagte Entscheidung, die überaus bekannte Buchvorlage "Der Glöckner von Notre Dame" in einen Zeichentrickfilm umzuwandeln. Die literarische Vorlage ist garnicht so einfach in eine kindgerechte Variante umzuwandeln. Somit ist es auch wenig verwunderlich, dass die Zeichentrickvariante viele düstere Elemente enthält. Jedoch wandelt Disney die Geschichte in vielerlei Hinsicht auf ihre Verhältnisse ab. Sicherlich ein großer Kritikpunkt für Fans des Romanes, da dadurch eine Menge verfälscht wird.

"Der Glöckner von Notre Dame" profitiert viel von seinen Figuren und der bombastischen Inszenierung, weniger jedoch von seiner absehbaren Handlung. Die Wandlungen der sympathischen Protagonisten sind überaus nachvollziehbar. Mit der verniedlichten Variante des Glöckners muss man sicherlich erstmal warm werden. Daher kommt der ebenso gut ausgearbeitete und sehr präsente Widersacher gerade recht.

Wie so häufig legt der Disney-Film einen großen Wert auf seine musikalische Komponente. Häufig wird "Der Glöckner von Notre Dame" durch seine Songs vorangetrieben. Diese zeichnen sich durch orchestrale Wucht, Melodramatik und Chöre aus, was zum kirchlichen Setting passt.
Ebenso passend sind die zahlreichen Themen, wie Fremdenfeindlichkeit, Religion, Nächstenliebe, Mut, Ordnung und Sittenwidrigkeit platziert. Wegen recht wenigen Gags, heben diese den Anspruch beinahe zu einem Erwachsenenformat an.

Zeichnerisch ist der Zeichentrickfilm hervorragend. Die eher realistisch proportionierten Figuren sind flüssig animiert, die detailreichen Hintergründe realistisch angehaucht. Dank digitaler Unterstützung heben sich die Massenszenen nicht nur außergewöhnlich hervor, sie bekommen auch noch dynamische Kameraführungen.

"Der Glöckner von Notre Dame" ist sicherlich weniger lustig als andere Disney-Filme und vollkommen durchkalkuliert, dafür aber auch enorm atmosphärisch. Inhaltlich wendet sich der Film durch seine vielseitigen Themen schon fast eher an ein erwachsenes Publikum, obwohl die Romanvorlage schon sehr verniedlicht wurde. Die wuchtigen Songs und die beeindruckenden Bilder sind harmonisch miteinander verbunden.

9 / 10

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