Stewart Copeland muss einen ganz anderen Film gesehen haben, als er die Musik zu FRESH schrieb. Liebliche Orchesterbögen im Wechsel mit besinnlichem Country Folk sind eigentlich das Markenzeichen der Tragikomödien des US-amerikanischen Mittelwestens. Dabei besteht zu einer Drollifizierung dieses knallharten Gettodramas im Stile von "City of God" gar kein Anlass. Die Musik von Stewart Copeland sieht Idyllen, wo gar keine sind.
Der schulmüde Botenjunge Fresh stammt aus einer sonderbaren Großfamilie, in der die Hautfarbe der Kinder oft dunkler ist als die der Eltern. Als er auf dem Schulhof den Liebreizen eines Mädchens verfällt, stellt er ihr die teuersten Sportwagen in Aussicht, was ihn zunächst mal wegen seiner noch nicht überwundenen Kindheit als unrealistischen Spinner dastehen lässt. Doch schon wenig später ist man Zeuge, wie der kleine Fresh unter Lebensgefahr Drogen an die Seite schafft und auf eigene Rechnung verkauft. Die Schachlektionen seines Vaters haben in ihm die fatale Fähigkeit zu strategischem Denken freigesetzt, was alle großen Gettodealer auf unangenehme Weise zu spüren bekommen. Sean Nelson spielt den frühreifen Fresh und gestaltet ihn auch gleich als überzeugenden Charakter. Wünschenswert wäre eine gründliche Überarbeitung der Musikdramaturgie, was zwangsläufig eine drastische Reduzierung der Musikanteile des berühmt-berüchtigten Stewart Copeland bedeuten würde.