Review

Ghetto-Dramen gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Das eher unbekannte und ältere Fresh kommt dabei ohne verblendete Gangsterromantik aus und erzählt recht nüchtern, dafür aber leider auch ein wenig bieder, seine Geschichte.

Michael (Sean Nelson), von seinen Freunden „Fresh“ genannt, ist zwölf Jahre alt und lebt mitten in Harlem. Nach der Schule wird er zum Drogenkurier für die Gangster im Viertel. Dabei rutscht der Junge immer tiefer in den Sumpf des Verbrechens, er muss mit ansehen wie seine Freunde auf offener Straße erschossen werden und wie seine drogenabhängige Schwester Nicole (N’Bushe Wright) immer mehr zerfällt. Oft trifft er sich mit seinem arbeits- und obdachlosen Vater (Samuel L. Jackson), mit dem er im Park Schach spielt. Da ist er dann der kleine intelligente Junge, der eine Leidenschaft für das Schachspiel entwickelt, aber dann spielt er wieder den furchtlosen Drogenkurier, der sich wie ein Profi benimmt. Schließlich möchte Fresh aus dem Drogengeschäft aussteigen, aber so einfach ist das nicht. Nur durch seine Intelligenz und Furchtlosigkeit kann er schließlich den ersten Schritt schaffen.

In schonungslosen Bildern wird hier wieder einmal erzählt, wie das brutale Leben in den amerikanischen Ghettos abläuft. Man erfährt, dass nur die stärksten und klügsten überleben, wie Leute—selbst Kinder—erschossen werden, weil sie einem Gangster nicht passen und wie wenig Perspektiven die Bewohner eines Ghettos haben. Für viele gibt es da nur einen Ausweg in die Welt der Drogen, sei es, ob man sie einnimmt, um der Realität zu entfliehen, oder ob man damit dealt, um einfach gutes Geld zu machen. Und selbst die Kinder werden schon zu kleinen Dealern „herangezüchtet“. Paradebeispiel hierfür ist Fresh, der ständig zwischen Kindsein und skrupellosem "Geschäftsmann" schwankt und trotz allem immer stark bleibt. Der Schauspieler Sean Nelson, selbst ja noch ein halbes Kind, spielte seine Rolle dabei so überzeugend, dass er dafür sogar Preise einheimste. Aber auch die anderen Beteiligten machen ihre Sache recht gut und stellen vor allem auch Altmeister Samuel L. Jackson, der als Fresh' Vater nur eine kleine Nebenrolle inne hat, schnell in den Schatten.

Die Kamera als beobachtendes Element hält sich eher zurück, selbst in Bildern der Hektik bleibt sie ruhig im Hintergrund. Unaufdringlich erzählt sie so eine Geschichte, die wahrlich nicht neu ist, aber trotz trockener Inszenierung im Zuschauer Emotionen zu wecken vermag. Auch die Hintergrundmusik überrascht. Anders als erwartet, wurde hier nicht in einem fort auf cool gestylten HipHop gesetzt. Lediglich einige Dialoge wirken etwas hölzern und die Synchronisation ist nicht die Beste. Sätze wie „Gelegentlich träume ich“ würde in dieser Wortwahl wohl niemand sagen, aber darüber kann man hinwegsehen.

Regisseur Boaz Yakin legte mit dem Drogendrama Fresh seinen Debütfilm ab. Dass er Talent hat, hat er mit diesem Film bewiesen. Es ist kein großer Film, aber auf jeden Fall eine gelungene Produktion, weniger reißerisch als die großen, teuer produzierten Ghettodramen und lässt Fans des Genres doch auf seine Kosten kommen.

Details
Ähnliche Filme