„Fresh“ ist ein frühreifer Jugendlicher, der sich um seine Schwester sorgt und reich werden will. Deshalb arbeitet er für einen Gangsterboss als Drogenkurier und gelegentlich als Dealer für die Konkurrenz. Vom Ghetto hat er die Schnauze voll, aber ohne das Geld aus den Drogengeschäften kann er nicht weg und seine Schwester retten, auf die sein Boss scharf ist. Nebenbei bekommt er bei Schachturnieren mit seinem Vater im Park wertvolle Tipps zur Lebensgestaltung, und dann beginnt er sein eigenes Spiel. Dies ist so genial durchdacht, dass es eine wahre Freude ist, „Fresh“ dabei zuzusehen. Nicht selten begibt er sich dabei in Lebensgefahr, doch sein Plan geht auf. Wie ein hochintelligenter Stratege spielt er alle Parteien (die beiden Gangsterbanden sowie den Ex-Freund seiner Schwester, der sie mit Dope füttert) gegeneinander aus, indem er auch Außenstehende (Polizei, Drogenlieferanten) einbezieht. Jede Aktion, jedes Wort, jede Emotion ist Teil seiner Taktik und – ich verrate es, weil man es sich ohnehin denken kann – am Ende gewinnt er und kann mit seiner Schwester ein neues Leben anfangen.
Der Ghetto-Alltag wird actionarm aber schonungslos präsentiert. Im Mittelpunkt steht der Plan, und der entfaltet sich von Minute zu Minute, nachdem die Haupt-Charaktere vorgestellt wurden. Am Anfang fragt man sich „Warum macht der das jetzt?“ oder „Wieso bringt er sich und Andere in Gefahr?“, aber nach und nach schnallt man, worauf er hinauswill, und man kann sich ein anerkennendes Grinsen nicht verkneifen. Nun könnte man meinen, dass der Film nur 1 mal spannend ist weil der Überraschungseffekt bei wiederholtem Ansehen fehlt. Dies sehe ich nicht so, da der Film auch so unterhalten kann wenn man sich für fremde Lebenswelten (speziell die von sozial Benachteiligten und Gangstern) interessiert. Ich hab den Film jetzt 2 Mal gesehen, und ich werde ihn irgendwann wieder einschieben weil er mich wirklich fesselt und amüsiert. Ob die Darsteller realistisch agieren, kann ich nicht sagen, weil ich nicht in diesem Milieu verkehre. Aber sie gehen mir nicht auf den Geist, und man muss sich auch kein „Yo, check mein Bling-Bling, Nigga“ oder ähnlichen Schwachsinn anhören. Der Film hat keinen tragischen Unterton wie „Boyz’n the hood“ oder „Menace 2 society“, kann aber locker mit diesen beiden bekannten Genre-Vertretern mithalten. Von mir gibt’s für dieses kleine dramaturgische Meisterwerk 9 von 10 Punkten.