Review

Eine neue Welt
 
"Pocahontas" kam genau in der Mitte des goldenen Disney-Jahrzents, den 90ern, heraus & musste ein unerfüllbares Erbe des "König der Löwen" tragen. Da konnte er nur verlieren, sowohl qualitativ als auch finanziell. Trotzdem sollte man diese klassische Abenteuer- & Liebesgeschichte nicht unter Wert verkaufen - hätte ein anderes Studio ihn released oder Disney ihn in einem ihrer schwächeren Jahrzehnte, wäre sein Ruf sicher wesentlich besser. Es geht um ein Schiff britischer Kolonisierer(?), die in der neuen Welt, Amerika bzw. "Indien", landen. Dort lernt der erst skeptische John Smith die junge Pocahontas, ein Indianer-Mädchen, kennen & lieben. Erst durch sie erkennt er, was wahres Leben & Lieben bedeutet, schätzt die Natur & versucht den Krieg zwischen den Ureinwohnern & den Eindringlingen zu verhindern...

Die Optik von Disneys 33. abendfüllendem Zeichentrickfilm, ist oft atemberaubend & sehr naturverbunden. Anders & nicht ganz so detailliert wie oft in vorangegangen Filmen, das jedoch mit Bedacht. Viele flächige Animationen, Naturfarben aus einem Guss & fließende Übergänge wohin man schaut. Da können einem schonmal die Augen übergehen. Das Herzstück der Songs, "Farbenspiel des Winds", hat nicht zu unrecht den Oscar gewonnen & verleiht mir immer noch höchste Gänsehaut. Spielt ganz oben mit in Disneys Charts & lässt die sonstigen Hits des Films etwas verblassen. Die gesamte Sequenz, samt Collagen & Szenen dieses Songs, ist ein Wunder in sich. Schon allein deswegen die sprachlos schöne Blu-ray wert. 

Zudem sind die Sidekicks zwar Disney typisch, aber sehr süß, die Aussage gegen Gewalt nie zu alt & das Ende bzw. der gesamte Ton reifer als sonst. Kein Happy End, sondern ein recht realistisches. Gefällt mir toll. Spätestens hier merkt man, dass die Geschichte auf einer "wahren" Erzählung beruht. Einer von Disneys erwachsensten Filmen, inklusive Tod, Krieg & grausamer Geschichtsstunden. Vielleicht ist es da ganz gut, dass der Bösewicht diesmal eher trottelig auf der Goldsuche ist, als abgrundtief böse. Einer der schwächeren Bad Guys, hier akzeptabel. Das die Grundrisse der Story samt Wendungen & Ende klar sind & mittlerweile niemanden überraschen, liegt an etlichen ähnlichen Filmen & Nachahmern (z.B. "Avatar"), kann also nicht wirklich zu streng zu dessen Last gelegt werden. Während Pocahontas eine von Disneys stärksten & eigenständigsten Prinzessinnen ist, lässt mich John Smith, trotz Sinneswandel, meist kalt. Der Film ist recht arm an Action & Höhepunkten, fliegt über einen Weg wie ein warmer Wind im Frühling. Was sehr gut passt, denn die Natur war bei Disney selten allgegenwärtiger & wichtiger!

Fazit: die klassische Geschichte vom Treffen zweier Welten, hübsch & lehrreich erzählt. Zwar eines der schwächeren Disney Meisterwerke, trotzdem noch weit über Durchschnitt & fester Teil meiner Kindheit! Leider hat die Menschheit seitdem (weder der tatsächlichen Handlung, noch 1995) kaum etwas gelernt :(

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