Der gierige John Ratcliffe segelt mit seiner Mannschaft Anfang des 17. Jahrhunderts in die Neue Welt, es dürstet ihn nach dem dort vermuteten Gold. Unter seinen Mannen findet sich auch John Smith, der nach der Landung im heutigen Virginia die Bekanntschaft mit einer Einheimischen macht, die sich ihm als Pocahontas vorstellt. Dass das Eindringen der bleichen Fremden nicht lange konfliktfrei bleibt, spüren beide Seiten bald.
Stilistisch bekommt man ein paar Eigenheiten präsentiert. So ist die Linienführung kantig, das Drumherum bemerkenswert farbarm. Wobei sich immer wieder mal buntere Passagen zeigen, gerade als unterstützende Visualisierung des inneren Geschehens. Insgesamt wirkt das im ersten Moment aber fast schon trist, besieht man sich andere Werke des Studios. Doch passt dies letztlich gut auf das Szenario, das sich schließlich erstmalig die reelle Historie zum Vorbild nahm. Wobei man da in Kenntnis dieser mehr als einmal schlucken muss. Man hat sich diverse Freiheiten genommen, insbesondere in der Erzählung der Geschichte zwischen der Titelfigur und John Smith. Deren (fiktive) Romanze geht hier auch recht fix, was die Sache selbst unter Märchenbedingungen nicht so richtig glaubwürdig macht und die Auflösung des Konflikts am Ende gerät doch auffallend wenig dramatisch, wobei dem Schluss des Films eine angenehm-melancholische Note innewohnt. Insgesamt verläuft das alles aber in vorhersehbaren Bahnen. Die eigentlich ernsthafte Herangehensweise an sich wiederum ist begrüßenswert, dennoch verzichtet auch dieser Film aus dem Hause Disney mit Waschbär Meeko und Kolibri Flit nicht auf die üblichen hibbelig-nervigen Nebenfiguren. Da wäre weniger mal wieder mehr gewesen.
Klassisch erwartbar sind hier auch die Songs, von denen gibt es einige und wo es bei „Pocahontas“ erzählerisch knirscht, da rettet die Musik was. Nicht nur der Score von Alan Menken bietet was für‘s Ohr, auch die einzelnen Lieder sind insgesamt auf der Habenseite zu verbuchen. Sind es vielleicht auch nicht Instant-Ohrwürmer, so merkt man ihnen dennoch umgehend das gelungene Arrangement und die Einarbeitung in den filmischen Fluss an. Das schafft nicht nicht jeder Film dieses Herstellers und sei darum extra erwähnt.
Am Ende ist Disneys romantisierende Geschichtsverdrehung mit Vorsicht zu genießen, da ein historisches Ereignis zugrunde liegt, welches aber eben absichtlich idealisiert falsch verarbeitet wird. Auf der anderen Seite bekommt man einen visuell ansprechenden und mit einer ebensolchen Musik unterlegten Zeichentrickfilm, der trotz seiner mangelnden dramaturgischen Tiefe eine an sich sinnvolle Botschaft transportiert. Muss man am Ende mit sich selber ausmachen, wie man dazu steht. Natürlich ist das keine Doku, aber ich sehe den Grund einfach nicht, die Geschichte derart zu verbiegen. Vermutlich weil man’s kann. Was wiederum die Entscheidung für den Stoff selbst fragwürdig erscheinen lässt. So hänge ich irgendwo dazwischen, kann die künstlerische Finesse, die hier präsentiert wird, aber nicht ignorieren. Ein Beigeschmack bleibt trotzdem.