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"Wer bin ich? Wo gehöre ich hin?"

Hercules ist Sohn von Göttervater Zeus und als Baby selbst ein Gott. Im Himmel erwartet ihn ein Leben unter seinesgleichen. Jedoch lässt der Gott der Unterwelt Hades Hercules als Baby entführen und sterblich machen, denn er sieht in dem zukünftigen Gott ein Risiko für seine Pläne den Olymp zu erklimmen und das Reich der Götter für sich zu beanspruchen. Somit wächst Hercules unter den Menschen auf und ist durch seine erhalten gebliebene Götterkraft stets ein Außenseiter.
Mit dem Erwachsen werden widmet sich Hercules seiner Herkunft. Im Tempel von Zeus spricht eben dieser zu ihm. Hercules erfährt, dass Zeus sein Vater ist und er nur zurückkehren kann, wenn er sich als wahrer Held erweist. Mit einem Pegasus macht er sich folgend auf dem Weg zu dem Satyr Philoctetes, der ihn sogleich ausbildet.

"Hercules" ist ein überaus hipper Disney-Film in kindgerechter Präsentation. Die titelgebende Figur wird zeitweise zu einem typischen Popstar mit großer Anhängerschaft, was aufgrund des traditionellen Settings sehr belustigt. Und dennoch findet der Zeichentrickfilm auch Zeit für ein paar anspruchsvolle Momente.

In seiner Erzählweise ist "Hercules" ganz klar ein geschliffener Selbstfindungstrip. Es geht um einen Helden, der mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten zunächst noch nicht klarkommt und somit zur Witzfigur wird. Das Heranwachsen macht ihn reifer und gibt ihm die Möglichkeit sich anderweitig umzuschauen, seine Talente zu vertiefen und schließlich zu meistern. Er entdeckt neue Personenkreise, darunter auch eine romantische Beziehung, erleidet ein temporäres Hoch gefolgt von einem kurzen Tief. Das abschließende Happy End ist eine obligatorische Sache.

Seine sehr sympatischen Figuren platziert "Hercules" vorteilhaft. In einem guten Verhältnis kommen alle zum Zuge. Selbst Bösewicht Hades und Konsorten haben, wie auch die meisten anderen Charaktere, eine comichafte Überzeichnung, und somit schon beinahe etwas liebenswertes. Ein einfallsreiches Gimmick sind die immer wieder auftretenden und die Geschichte erzählenden Musen, entweder als Malerei auf diversen Porzellanen oder Skulpturen.

Der Zeichentrickfilm ist recht humorvoll. Neben der üblichen, comichaften Situationskomik und Wortspielereien sind auch satirische Sticheleien keine Ausnahme. Die Popkultur der 90er wird hier zeitgemäß und niveauvoll auf die Schippe genommen.

Die eingängige Musik klingt angenehm flott. Mit seinen poppigen Gospel-Songs liegt "Hercules" genau richtig in der Mitte zwischen Antike und Moderne.
Die Zeichnungen sind überwiegend kunterbunt, hin und wieder aber auch mit verwaschenen grau-schwarzen Tönen vermischt. Dies erinniert genauso frappierend an "Aladdin", wie die kantig gezeichneten Züge der Figuren. Die digitalen Effekte harmonieren überwiegend mit den händischen Zeichnungen.

Nach den Schwergewichten "Der König der Löwen", "Pocahontas" und "Der Glöckner von Notre Dame" ist "Hercules" wieder überwiegend leichte Kost. Zwar hat der Zeichentrickfilm seine emotional dramatischen Momente, im Vordergrund steht aber der vielfältige Witz. Dieser ist für Groß und Klein gleichermaßen geeignet. Die Zeichnungen sind zeitgemäß, die Charaktere schnell erfassbar. Ein erzählerisch vielleicht etwas zu perfektes Meisterwerk. Knappe ...

10 / 10

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