Review

"Wettest du, dann nur mit dem höchsten Einsatz."

Es wurde mal wieder Zeit für einen cleveren koreanischen Film. "Puzzle" sah von der Vorschau her eben genauso aus und sollte sich, laut Aufschrift, an Tarantinos "Reservoir Dogs" orientieren. Klang schonmal nicht schlecht.

5 Männer werden von einem unbekannten Auftraggeber beauftragt, eine Bank zu überfallen. Nachdem dies soweit gelungen ist ziehen sich die vier Ausführenden zurück zum abgesprochenen Treffpunkt, einer verlassenen Lagerhalle. Dort stellen sie mit erschrecken fest, dass ihr fünfter Mann vor kurzer Zeit erschossen und verbrannt wurde. Es ist ersichtlich, dass man sie übers Ohr gehauen hat. Misstrauisch beschuldigen sie sich gegenseitig. Der Streit beginnt zu eskalieren...

Die parallelen zu Quentin Tarantinos Werk sind nicht zu übersehen. Genau genommen handelt es sich hier um eine freche Kopie. Handlung, Ablauf, Aufmachung, Einsatz von Rückblenden... alles ist genau so auch in "Reservoir Dogs" zu sehen.
Eine Kopie muss ja nichts schlechtes bedeuten. Aber von allem was die Vorlage zu bieten hatte, der Charme, die vielschichtigen Charaktere, passende Schauspieler, clevere Dialoge, punktgenau eingestreute Rückblenden bis zu den kurzen, temporeichen Actioneinlagen und diversen haarsträubenden Szenen, nichts davon hat es in die koreanische Interpretation geschafft.

So ein Kammerspiel lebt von seinen Charakteren und deren Verkörperung. Einzig und allein Moon Seong-Keun als Kopf der Bande kann hier noch einigermaßen überzeugen. Dummerweise hat er durch seine Rolle nicht sonderlich viele Momente auf der Mattscheibe. Alle anderen versagen hier aufs kläglichste. Es wirkt fast so als wäre die ganze Dreharbeit ein Kindergeburtstag und jeder hampelt mal einfach so wie es ihm gefällt herum. Der Ausdruck der Schauspieler vermittelt beinahe den Eindruck "Ich weiss auch nicht was ich hier tue". Dies schlägt sich natürlich auf die Figuren nieder, die zwar sehr verschieden sind aber keinerlei Sympathie oder Antipathie verstreuen.
Die Dialoge unter den Charakteren sind... einfach... kurz... keine Spur von cleveren Dialogen, Wortgefechten oder Steigerung durch den Umgangston. Alles verbleibt auf einer Ebene.

Ebenso verhält es sich mit der Spannung. Der Banküberfall selbst ist zwar interessant inszeniert, für den gesamten Rest der Laufzeit bleibt die Spannungskurve aber auf einer Ebene. Es streckt sich, wird zäh, langatmig, gähnende leere macht sich breit. Selbst ein paar eingestreute, typisch östliche Witzeleien, welche nicht wirklich zünden, bringen hier keine Abwechslung rein. Die Hoffnung auf ein erklärendes oder überaschendes Ende wird leider auch zerschlagen, denn das Finale wirkt viel zu sehr an den Haaren herbei gezogen und gleicht einem Alibi, da so gesehen am Ende nicht allzu viele Charaktere übrig bleiben.
Die Rückblicke und Veranschaulichungen der Figuren, sind äußerst unpassend platziert, wirken regelrecht aufdringlich und sind in etwa so aussagekräftig wie manch ein Einstiegsplatz eines DSDS Auswurfes in die CD-Charts (man beachte bitte die Möglichkeiten der Industrie diese Charts durch schwindelerregende Tricks und Kniffe zu manipulieren).

Tja, eigentlich schade, hätte man Tarantinos Werk durch ein paar Kniffe, clevere Überaschungen und etwas mehr Tempo sicher überbieten können. Aber dazu wären schon die entsprechenden Schauspieler, Ideen und ein ordentliches Drehbuch nötig gewesen. Ich hoffe der neu eingestiegene Regisseur Kim Tae-Kyeong hat hier nicht seinen höchsten Einsatz verwettet.

2 / 10

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