Im deutschsprachigen Raum war für viele Jahre lang (leider) alles andere als die Originalfassung dieses Films erhältlich. Zu verdanken hatte man dies Erwin C. Dietrich und seiner Elite-Film. Dank einigen "Änderungen" tauchten im neuen Vorspann dafür dann Namen wie Walter und Peter Baumgartner auf, die ja bekanntlich an zahlreichen Schundfilmen von Dietrich mitwirkten. Siehe zum Beispiel EINE ARMEE GRETCHEN...
O.k., dank Dietrich konnte man in der "neuen Fassung" wenigstens wieder einmal die Vorzüge von Brigitte Lahaie’s Körper genießen...
EMANUELLE E FRANÇOISE ist der erste Erotikfilm von Aristide Massaccesi. 1976 drehte er dafür dann gleich mehrere. Dank einigen wenigen Szenen, kann man ihn durchaus auch als Sexploiter bezeichnen.
Die Story von FOLTERGARTEN DER SINNLICHKEIT ist gar nicht so uninteressant. Bruno Mattei, der uns Genrefans ja noch heutzutage immer wieder einmal mit Schund wie LAND OF DEATH "beglückt", hatte die Grundidee: Ein Mann wird – aus Rache – in einer kleinen Kammer angekettet. Und schon bald einmal in den Wahnsinn getrieben...
Wer sich hauptsächlich für Sex und Gewalt interessiert, wird die erste Hälfte des Films bestimmt sehr enttäuschend finden. Man sieht Annie Edel herumlaufen, die miesen Tanzkünste von George Eastman, rasch die entblößten Brüste von Rosemarie Lindt und noch viel mehr, was kaum einen Zuschauer wirklich interessieren dürfte.
In der ungekürzten Originalversion folgen dann jedoch (zum Glück!) die berüchtigten Szenen. Der arme Carlo leidet in seiner kleinen Kammer längst unter Haluzinationen. Dank einem Einwegspiegel sieht er ins benachbarte Zimmer, er selbst wird jedoch nicht erkannt. Der Anblick eines gemütlichen Nachtessens wirkt für ihn dann schon einmal rasch wie eine wilde Orgie... Rohes Fleisch wird verzehrt, an abgetrennten Körperteilen von Menschen herumgekaut. Und die Hände der eingeladenen Gäste von der Rächerin, spielen nicht nur mit dem Essen...
In diesem Teil des Films war Joe D’Amato seiner Zeit (wieder einmal) ein wenig voraus. Innert kürzester Zeit sieht der Zuschauer eine kleine Gore-Szene, dann rasch einen (nicht gut durchbluteten...) Penis.
Klar, es gab schon vor 1976 "Spielfilme" mit weitaus expliziteren Sexszenen. DEEP THROAT (1972), A DIRTY WESTERN (1973), SCORE (1973) usw. Und ja, dies war natürlich nicht der erste Film, in welchem Kannibalismus vorkam. Siehe zum Beispiel Umberto Lenzis Genreklassiker MONDO CANNIBALE (1973) oder CANNIBAL GIRLS (ebenfalls 1973). Trotzdem: Nicht nur in Italien hatte man einen solchen "Mix" aus Sex und Gore noch kaum jemals gesehen.
Der eben erwähnte Teil von EMANUELLE E FRANÇOISE hat mich visuell überzeugt. Joe D’Amato hat einige sehr schnelle Schnitte/Szenenwechsel gemacht. Es ist wirklich enorm schade, dass die völlig unpassende Musik sowie die schwach realisierten Goreszenen sehr viel von der Atmosphäre zunichte machen...
Dass der Film kein Happy-End bietet, entschädigt noch ein wenig für den lahmen Beginn (und die diversen anderen Ärgernisse...).
Für Genrefans – in der zweiten Filmhälfte – ein interessanter Film!
Für Liebhaber von "guten" Filmen auf keinen Fall...