Der erste Erotik-Film vom guten Aristide; wesentlich sorgfältiger umgesetzt als die meisten der folgenden Schnellschüsse. Die Fotographie geht diesmal klar und der Score von Gianni Marchetti ist hübsch abwechslungsreich und reicht von den unumgänglichen Easy-Listening-Grooves über Sandalenkino-Pathos bis hin zu SF-mäßigem Elektro-Gewaber (obwohl so´n eingängig-repetiver Dudelscore a la ABSURD oder SADO natürlich auch was für sich hat.) Den Gipfel der Geschmacklosigkeit stellen allerdings die freundlichen Xylophon-Klänge dar, die genau in dem Moment ertönen, in dem ein glatzköpfiger Filmproduzent der Schwester der Protagonistin ohne deren Einvernehmen an den Nippeln knabbert, aber mit sowas muss ja in diesen Gefilden immer rechnen. Unsere "Heldin" (Rosemarie Lindt) heißt übrigens Emanuelle und ist ebenso wie Sylvia Krystel im gleichnamigen Jaeckin-Klassiker vom Beruf Reporterin, was aber hier gar nix zur Sache tut. So weit, so gut, aber die Geduld des Zuschauers wird in der ersten Hälfte doch arg strapaziert, denn da werden nur willkürlich Szenen mit Rumgehampel im Jetset-Milieu aneinandergereiht; zwecks Maximierung des Sleaze-Faktors unterbrochen von Rückblenden, die allesamt zeigen, wie George Eastman (hier übrigens ohne Fusselbart, was den guten Luigi ein wenig smarter erscheinen lässt) Manus Schwesterlein, um Schulden zu tilgen oder seine Karriere als Schauspieler zu forcieren, von allerlei Schmierlappen besteigen lässt ("Liebling, tu das nicht!" Brrrr...). Wenn Manu Eastman dann ankettet, um vor seinen Augen Ausschweifungen zu begehen, geht´s zur Sache, aber involving ist das ganze nicht - erstmal ist das Rumgeficke gar nicht nötig, da der Kerl eingesperrt früher oder später eh dem Wahnsinn anheimfallen würde (damals gab´s ja noch kein Internet, hähä!) und Manu selber ist auch kein Unschuldslamm; den leicht debilen Automechaniker zu verführen und nachher einfach schnöde rauszuschmeißen ist z.B. nicht gerade nett. Identifikation ist somit nicht gegeben (oder sollen wir gar Mitleid mit Eastman haben? Bei Mattei als Drehbuchautor kann man sich da nicht so sicher sein...). Dann gibt´s halt einigen Sex, alles schön plump in Nahaufnahme, ohne wirklich explizit zu werden, und Lindt ist auch beileibe keine Jessica Moore, desweiteren noch ein wenig Gore, wenn Eastman von Rache visioniert, nur halt fx-technisch nach dem Vorher-Nachher-Prinzip gestrickt. Herzstück des Streifens und der Grund, weshalb er damals ordentlich Kasse machte und jahrelang d´Amato-Fans nach brauchbaren Fassungen fahndeten (mitterweile ja dank X-Rated-DVD kein Problem mehr), ist eine Orgie mit Kannibalismus und Weinflaschen-Penetration. Derlei bizarre Momente, diesbezüglich sei unbedingt auch noch auf eine Parallelmontage von schwarzweißen Porno-Aufnahmen, Alltagsimpressionen und einer Fahrt durch einen Tunnel, musikalisch unterlegt mit grimmiger Italo-Western-Paranoia, verwiesen, vermisst man irgendwie heutzutage - zum Highlight wird der Film dadurch allein aber nicht.