Review

Zu den Siebziger-Jahre-Sexstreifen, die man auf jeden Fall verpassen sollte, gehört auch Foltergarten der Sinnlichkeit, ein von Exploitation-Spezialist Joe D’Amato 1975 gedrehtes Soft-Sex-Drama. Die Namensgleichheit des Alternativtitels Emanuelle’s Revenge mit der seinerzeit populären Emmanuelle-Reihe (zwei "m", mit Sylvia Kristel) ist nicht zufällig gewählt, da wohl auch damals schon Trittbrettfahren zum Filmmetier gehörte.

Der Film startet mit dem Alltag eines Werbefotografen, der zu karibischen Klängen in einem Studio eine junge, bekleidete Frau ablichtet. Nach der Session quatscht sie ihn voll, was er kommentarlos-gelangweilt über sich ergehen läßt. Am Weg nach Hause kauft Francoise (Patrizia Gori) - so heißt die eher reizlose Dame - noch Zigarren für ihren Freund und man fragt sich schon, ob man vielleicht die falsche DVD erwischt hat... aber gut, dann fängt die Handlung an: Die Wohnungstür steht offen, und ihr Freund Carlo (George Eastman) knabbert gerade - familienfreundlich gefilmt - an einer anderen Dame herum. Warum dafür die Wohnungstüre offensteht, weiß wahrscheinlich nur der Regisseur, jedenfalls ist Francoise erstmal sprachlos, und auch Carlo macht nicht viel Worte, packt ein paar Kleider in einen Koffer und komplimentiert sie hinaus: "Irgendwann kommt eben der Moment, wo Schluß ist". Eingefleischte George-Eastman-Fans wissen wahrscheinlich wieso, mir bleibt es immer noch ein Rätsel: Nein, nicht dieser hölzerne Schlußmach-Dialog, sondern... Eastman hat schon wieder eine Hose an! Wie in In der Gewalt der Zombies, wo er das Liebesspiel ebenfalls in Jeans absolvierte...

Francoise jedenfalls geht zu einer Bahnlinie spazieren, ein Zug nähert sich, Schnitt roter Bildschirm und "Aaaaaaaah", Schnitt Leichenschauhaus. Ja, so sah das 1975 aus, wenn Joe D´Amato einen Selbstmord inszenierte. Zwei Kriminalbeamte sind in der Pathologie zugegen, während ihre Schwester Emanuelle (Rosemarie Lindt) noch einmal ein paar Szenen aus der unglücklichen Beziehung ihrer Schwester Revue passieren läßt. Dabei erleben wir Eastman menschlich als ziemliches Arschloch, der seine Freundin einfach nur ausnutzt, gleichzeitig aber auch eine ziemliche dämliche Francoise: Carlo läßt sie von einem glatzköpfigen Regisseur, von dem er sich eine Rolle erwartet, in einer einsamen Western-Stadt durchnudeln, was sie teilnahmslos geschehen läßt und trotzdem zu ihm zurückkehrt; ein anderes Mal läßt Carlo seine Pokerfreunde zuschauen, wenn er Sex mit ihr hat, usw. Für dieses konsequenzlose Ausnutzen-lassen kann man kein Verständnis oder gar Mitleid aufbringen, und spätestens an dieser Stelle, wenn der Film schon eine knappe halbe Stunde gelaufen ist, fragt man sich, wo hier ein "Foltergarten der Sinnlichkeit" zu entdecken wäre.

Dieser, für den Zuseher im steten Kampf mit dem Schlaf angesichts der trostlosen Geschichte langerwartete Foltergarten kommt dann aber doch noch, in Form eines schalldichten Verstecks, in das die auf Rache für den Selbstmord ihrer Schwester sinnende Emanuelle den Schürzenjäger Eastman lockt. Die Moralvorstellungen jener Zeit mögen es wohl als besonders raffiniert angesehen haben, daß der eingesperrte Eastman durch einen Einwegspiegel angedeuteten Gruppensex zwar sehen, aber nicht hören kann und dadurch so langsam durchdreht...

Foltergarten der Sinnlichkeit ist ein durch und durch langweiliger Schinken, der eine uninteressante Beziehung thematisiert und erst gegen Mitte des Films überhaupt zur Sache kommt. Es ist natürlich (persönliche) Geschmacksache, aber Rosemarie Lindt als rachsüchtig-raffinierte Schwester entspricht einfach keinem Schönheitsideal und ist - pardon! - streckenweise derart häßlich anzusehen, daß einem alles vergeht. Dabei gäbe (und gab!) es durchaus attraktive Damen in der damaligen Filmbranche, sodaß D’Amatos Wahl dieser Hauptdarstellerin umso fragwürdiger erscheint. Überhaupt ist der Sleazegehalt im Foltergarten der Sinnlichkeit sehr gering, und außer ein paar flachen Brüstchen gibt es eigentlich fast nichts zu sehen, was man nach heutigem Verständnis nicht ab 16 freigeben könnte. Dass sowohl Eastman als auch der oben erwähnte Regisseur beim Sex grundsätzlich die Hosen anbehalten, gehört wohl irgendwie auch dazu.
Wie üblich spricht die Covergestaltung natürlich eine ganz andere Sprache, "Erstmalig ungeschnittene Fassung" lockt es vom blutbesprenkelten Cover B der X-NK, die diesen Sexploiter groß abfeiert. Eine recht aufwendige Verpackung für diese Schlaftablette...

Der zeitgenössische Score ist zwar jederzeit stimmig, hat aber nichts Bedrohliches oder Herausforderndes, und über die Qualität einiger angedeuteter Kannibalen-Akte, die sich Eastman herbeihalluziniert, deckt man lieber den Mantel des Schweigens.
Da bleibt nichts hängen außer gähnender Langeweile, selbst von D’Amato gibt es besseres. 1 Punkt.

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