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Mittlerweile scheint Jean-Claude Van Damme recht festgelegt auf Figuren, die stets am Rande des Abgrunds balancieren. Das ändert sich auch nicht mit diesem Cop-Drama unter der Regie von Simon Fellows, mit dem er 2006 bereits „Second in Command“ drehte.
Für Fans, die dem Belgier immer noch am liebsten beim vollen Körpereinsatz zusehen, dürfte dieser Streifen schwer verdaulichen Stoff darstellen, denn mit Thriller oder Action ist hier leider nicht viel.

Van Damme gibt den Detektive Stowe, der bei einem Undercover Einsatz den Schwerverbrecher Callaghan (Stephen Rea) dingfest machen soll. Doch der Einsatz gerät aus den Fugen, zwei Cops sterben und Stowe wird zum Sündenbock gemacht.
Aber auch sonst läuft es nicht rund für ihn: Er spritzt sich Heroin, nimmt täglich seinen Scotch zu sich und bekommt letztlich auch noch den Ehering seiner Frau entgegen geworfen, die just von ihrem neuen Liebhaber schwanger ist.
Als Stowe von Callaghan in eine Falle gelockt wird, schießt man ihm in den Kopf, doch er überlebt schwer verletzt. Nach monatelangem Koma erwacht er jedoch und kommt langsam wieder zu Kräften, was Callaghan natürlich nicht entgeht: Prompt lässt er Stowes mittlerweile hochschwangere Ex-Frau entführen…

So austauschbar wie der Titel, so unspektakulär entfaltet sich die Handlung in sämtlichen Belangen.
Der Ablauf gestaltet sich durch und durch vorhersehbar und bietet überdies einen streckenweise richtig ausgedehnt lahmarschigen Dramenanteil, der im Vergleich zu den Actionszenen deutlich überwiegt.

Zugegeben, van Damme performt recht solide, weil ihm die Rolle des heruntergekommenen Cops sichtlich liegt. Aber Szenen geraten einfach zu ausschweifend, wenn er in der Bar hockt und sich mit der Bardame unterhält, einen durchgeknallten Kollegen beruhigen muss oder später noch die Konstellation zwischen ihm, der Ex und dem Neuen vertieft wird.

Und, sicher braucht eine nahezu vollständige Genesung nach so einer schweren Schussverletzung seine Zeit und besonders in diesen Szenen kann van Damme auch punkten. Jedoch muss man da nicht breittreten, wie er lernt, das Alphabet wieder aufzusagen oder sich mit dem Jungen trifft, der ihm damals den entscheidenden Hinweis zu Callaghans Mittelsmann geliefert hat und sich jetzt schuldig fühlt. Zudem äußert sich seine moralische Neugeburt äußerst kitschig, indem er sich bei allen im Übermaß entschuldigt, die ihm damals den Tod der beiden Kollegen vorgeworfen haben.
Den kompletten Dramenanteil hätte man bei der Laufzeit von gut 100 Minuten locker um eine Viertelstunde kürzen können, ohne dass etwas von van Dammes Figur außen vor geblieben wäre.

Unterdes leidet der Actionanteil gewaltig, bei dem hauptsächlich Ballereien im Mittelpunkt stehen. So kann man im Verlauf nur einen einzigen Kick des Belgiers ausmachen, nämlich, als er aus einer Bar kommt, sein Auto abgeschleppt werden soll und der das nicht so recht einsehen will. Ansonsten drückt man ihm, seinen Kollegen, sowie den Bösewichtern allerlei Schusswaffen in die Hand, was sich zwar mitunter temporeich und halbwegs spannend gestaltet, doch da fehlt der Inszenierung einfach das gewisse Etwas, um sich vom üblichen Gangster-Einerlei abzuheben.
Nur während des Showdowns, wenn gleich mehrere Parteien ihre Waffe auf den jeweiligen Feind richten, entsteht für einen Moment eine brenzliche Situation. Leider mündet auch diese Ausgangsposition in beliebiger Ballerei, obgleich diverse Shoot Outs recht blutig ausfallen. Zudem sind ein, zwei Kopfschüsse zu verzeichnen, sowie eine abgetrennte Hand und in Andeutungen auch die OP-Szene, in der Van Damme die Kugel aus dem Schädel entfernt wird.

Ansonsten bleibt das Ganze inszenatorisch eher unauffällig, schließlich arbeitet man Massenproduktionsfirmen wie „Nu Image“ zusammen. So wird lediglich ein Drogenrausch mit Farbfiltern untermauert, man spielt mit Ventilatorensounds und lässt auch häufiger mal die Kamera von dort aus filmen. Was allerdings die schrillen Inserts zu den Szenenwechseln sollen, bleibt fraglich, sie wirken aber innerhalb der vorherrschend ruhigen Erzählweise sehr unpassend.

Letztlich stellt sich die Frage, welches Zielpublikum der Streifen ansprechen soll. Dem Actionfreund wird hier eindeutig zu wenig Futter vorgesetzt und Liebhaber von Cop-Dramen werden sich gewiss an Hauptfigur van Damme stoßen, obgleich der seine Rolle brauchbar meistert und man ihn durchaus als Sympathieträger ansieht. Aber auch hier fehlt es an der notwendigen Tiefe, stattdessen hält man sich mit einigen unnötigen Passagen auf, ohne die Handlung voranzutreiben.

Bleibt unterm Strich also von allem ein bisschen zu wenig, um über die volle Distanz zu unterhalten. Von meiner Seite aus gibt es noch einen van Damme Bonus, den er sich während meiner Jugendzeit eingehandelt hat, alle übrigen Konsumenten mag er von daher gar ins Betrachterkoma labern, denn es wird fast mehr geredet als geschossen…
4 von 10

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