Review

Als Filmkritiker (auch wenn man dies nur als Hobby betreibt) hat man natürlich seine schauspielerischen Lieblinge, während man andere gar nicht ausstehen kann - wie das bei mir z.B. mit Jean Claude van Damme der Fall ist. Aber trotzdem sollte man auch diesen Leuten eine erneute Chance geben. Das habe ich schon bei „Wake of Death" getan und jetzt auch bei „Until Death". Ersterer bekam von mir sage und schreibe 8 Punkte und auch sein neuestes Werk bringt es auf 7 Zähler. Anscheinend hat van Damme in den letzten Jahren mal angefangen Drehbücher durchzulesen, statt jeden Schrott anzunehmen.

Der Belgier spielt in seinem neusten Streifen den drogenabhängigen Cop Anthony Stowe, der erschreckenderweise auch noch für das Drogendezernat arbeitet. Als ein Einsatz schief läuft und zwei Polizisten sterben, gibt man ihm zumindest eine Teilschuld. Zudem ist ihm abermals der berüchtigte Drogenhändler Callaghan (heftiges Overacting von Stephen Rea) durch die Lappen gegangen. Als ihn ein Kollege um einen kleinen, aber illegalen Gefallen bittet, verpfeift er diesen beim Chef und macht sich damit noch unbeliebter, denn eigentlich kann ihn eh schon niemand ausstehen. Als er mit einer befreundeten Barkeeperin eine Kleinigkeit essen gehen möchte, hat ihn Madame in eine Falle gelockt und es kommt zum Treffen mit Callaghan, der Stowe eine Kugel durch den Kopf jagt. Dieser wird schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht und überlebt den Anschlag, fällt jedoch in ein Koma. Als er wieder aufwacht, muss er viele einfache Sachen wie Sprechen neu erlernen, doch in ihm brodelt tiefer Hass, der ihn antreibt wieder gesund zu werden und Callaghan zu stellen.

Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Film ein reinrassiger Cop-Thriller - nicht schlecht gemacht, aber alles schon oft gesehen, doch dann wechselt der Film für eine gute halbe Stunde plötzlich in ein stilles Drama, das erst gegen Ende wieder zum Actioner mutiert. Dass dieser Spagat funktioniert (welch nette Metapher im Zusammenhang mit dem Belgier), liegt vor allem an van Damme, der hier schauspielerisch wirklich eine sehr gute Leistung abliefert.

Regisseur Fellows, der zuvor mit „7 Sekunden" den endgültigen Abstieg Wesley Snipes in die C-Film Ecke einläutete, geht insbesondere mit diesem mittleren Abschnitt ein großes Risiko ein, denn die meisten, die einen Film mit dem Belgier in der Hauptrolle sehen wollen, haben sicherlich wenig Lust auf schauspielerische Qualität oder Dramaturgie. Der Abschnitt erinnert ein wenig an „In Sachen Henry", denn auch dort verwandelte sich Harrison Ford nach einem Unfall vom äußerst unsymphatischen Zeitgenossen zu einem liebenswerten Menschen. Fellows lässt sich dabei ganz bewusst viel Zeit und zeigt die Qualen des Helden wieder in ein neues Leben zu finden sehr ausführlich, was ich ihm sehr positiv anrechne.

Aber wie bereits erwähnt braucht man sich als Actionfan keine Sorgen zu machen - gegen Ende kracht es noch mal gewaltig und manche Szenen, wenn zum Beispiel Leute die Köpfe durchschossen bekommen, sind schon ziemlich brutal in Szene gesetzt. Aber wen stört das außer der FSK schon?

Fellows liefert außerdem ein paar wirklich originelle optische Einstellungen - insbesondere kurz vor Schluss, als zwei Projektile aufeinander treffen, ist das formidabel gefilmt. Zudem ist das Ende absolut konsequent

Fazit: Mit zunehmendem Alter scheint van Damme doch tatsächlich noch zu einem ordentlichen Schauspieler zu reifen, was etwas gegen den Trend geht, wenn man an den bereits erwähnten Wesley Snipes oder den Aikido-Rollmops Seagal denkt, die immer weiter abstürzen. Der Film ist teilweise sehr brutal, findet aber zwischendurch auch leise Töne, die sich meiner Meinung nach trotzdem gut ins Gesamtbild einfügen, und daher gebe ich auch wie bereits erwähnt 7 Punkte + 0,5 Überraschungspunkte für van Dammes Leistung - und da soll noch mal einer sagen, ich sei voreingenommen...

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