Review

Fluch der Träume? – Wohl eher Fluch der Hobbyfilmerproduktionen.
Denn so etwas hat die Filmwelt seit den ersten Gehversuchen von Andreas Bethmann nicht mehr gesehen: Amateurtrash unterster Kajüte, ein Beitrag, den nahezu jeder halbwegs ambitionierte Hobbyfilmer mit Camcorder und ein paar Freunden besser hinbekommen könnte.
Wären da nicht ein paar (un)freiwillige Lacher zu verbuchen, würde man die knapp 70 Minuten wohl kaum schadensfrei überstehen.

Inhaltlich geht es um Sarah (Heiderose Hoja), die in ihren Alpträumen von Kreaturen geplagt wird, die sie sich per Telepathie in die Realität holt. Sie wendet sich an Freund und Psychologiestudent Benni (Hannes Graubohm), um dem Schrecken gemeinsam ein Ende zu setzen.

Die meiste Zeit mag man kaum glauben, was Lars Kelich und seine Freunde einem zumuten, denn hier stimmt nahezu gar nichts.
Das beginnt bei der furchtbaren Camcorder-Qualität, geht über den Dauerscore, hauptsächlich bestehend aus billigsten Synthiestreichern und etwas besser klingendem Piano und endet bei der überaus schlecht getimten Erzählung, die mehr Ärger als Freunde über den kompletten Dilettantismus entstehen lässt.

Das Geschehen spielt hauptsächlich in einer durchschnittlichen Wohnung und im Wald um die Ecke. Dass man es da noch nicht einmal schafft, mit ordentlicher Belichtung zu arbeiten, spricht bereits Bände.
Denn, wenn Sarah im Bett liegt und vom Alptraum wachgerüttelt wird, fehlt grundsätzlich eine Zusatzbeleuchtung im Dunkeln, während man im Wald auch gerne mal gegen das Licht filmt.
Solche derben Patzer wären ja noch zu verkraften, wenn einem inhaltlich wenigstens etwas geboten würde, - doch komplette Fehlanzeige.

Der Storyverlauf wird dominiert von überaus gestelzten und aufgesetzten Dialogen über Träume, Telepathie und persönliche Ängste, sowie Weglaufen vor billig angemalten Typen im Wald, wahlweise in Blau oder Rot. Dazu kommen gedehnte Szenen ohne Inhalt, wie Spiegelei braten oder sich etwas Wasser zu beschaffen.
Zwar kommt zum Finale noch ein wenig Tempo auf und man versucht sogar, körperliche Auseinandersetzungen zwischen Gut und Böse mit comichafter Sounduntermalung unterzubringen, doch die wenigen Bluteffekte hätte wahrscheinlich jeder Gorehound besser inszenieren können.

Lediglich einige Kameraeinstellungen aus halbwegs brauchbaren Blickwinkeln, sowie einige Schnitte lassen Ansätze von überlegtem Vorgehen erkennen, - etwas, was sämtlichen Darstellern nahezu komplett fehlt.
Hier wird improvisiert und herum gesülzt, was das Zeug hält, wobei man einige Dialogpassagen kaum verstehen kann.
Heiderose Hoja performt als Sarah zwar mimisch noch okay, doch das Drehbuch legt ihr zu viele gekünstelt wirkende Worte in den Mund, die ihre Figur komplett unglaubwürdig dastehen lassen.
Ähnliches gilt für ihren Partner Hannes Graubohm als Benni, der dem Ganzen zwar eine leicht zynische Note verleiht, indem er Sarah gegenüber zwischen Ablehnung und Zuneigung hin und herpendelt, doch mimisch ist das reichlich einseitig.
Den Vogel schießt aber Manuela Ottens ab, die in einer Nebenrolle als Bennis Ex und Telepathiemeisterin agiert und so dermaßen neben der Spur betont, dass es einem fast schon wieder Freudentränen in die Augen treibt.

Und genau das ist der Punkt. Man weiß letztlich nicht, ob man über diesen Film lachen oder weinen soll, denn inszenatorisch ist das eine einzige Katastrophe, während einem diverse Mängel durchaus das ein oder andere Schmunzeln bereiten können.
Insgesamt neige ich zu Letzterem, bin aber sicher, dass geneigte Trash - und Amateurfilmfreunde hieran ihren Spaß haben könnten.
Ein Zwei-Personen-Stück mit Wohnzimmer-Ambiente und unspektakulärem durch den Wald laufen, - für mich, auch mit viel Wohlwollen: Nein!
1,5 von 10

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