Review

"Oh nein, nicht schon wieder ein 70er-Jahre-Katastrophenfilm!" Doch diese Furcht ist völlig unbegründet: "Airport" handelt vom schnell wachsenden Luftverkehr am Lincoln Airport, von Beziehungsproblemen, Charakterstudien und beinahe schon als Nebenhandlung einer drohenden Flugzeugkatastrophe.

Es ist tiefster Winter am Lincoln Airport, Flughafendirektor Mel Bakersfield hat also alle Hände voll zu tun. Zu allem Unglück bleibt auch noch eine Maschine im tiefen Schnee stecken und blockiert die längste Landebahn - anfliegender Verkehr wird auf eine kürzere Bahn umgeleitet, der umgeleitete abfliegende Verkehr belästigt jetzt in zunehmendem Maße die Anwohner. Ein blinder Passagier und die Auseinandersetzung mit seinem Schwager Demerest fordern Mel derart, daß auch seine Ehe auf dem Spiel steht. Auf diese Aspekte verwendet das Regieduo Seaton/Hathaway getreu der Romavorlage von Arthur Hailey viel Zeit und Aufwand. Erst ab Mitte des Filmes zeichnet sich ab daß noch weiteres Ungemach droht: Ein verzweifelter Passagier versucht durch Versicherungsbetrug und Selbstmord eine ganze Maschine in den Tod zu reissen.

Wer jetzt denkt es folgt ein typisches 08/15-Katastrophenszenario hat sich gründlich geirrt. Leise und professionell wird der Ablauf beschrieben, ruhig und mit nahezu rein psychischer Spannung versehen auch dieser Handlungsstrang erfolgreich inszeniert. Hier zeigt sich der große Vorteil von "Airport": Hailey war langjähriger Pilot und weiß wovon er redet - zum Glück bleibt der Film nah am Original ohne reisserische Aufmerksamkeitsheischerei. Sehr realistisch wird auch das Bombenszenario dargestellt - ein Pluspunkt für Freunde des nachvollziehbaren Kinos, den Freunden des tumben Actionthrillers wird hier einiges abgehen!

Burt Lancaster als Mel Bakersfield überzeugt in der Rolle des gradlinigen, ehrgeizigen und trotzdem menschlich gebliebenen Direktors. Gegenpart Dean Martin zeigt sich als mißliebiger Kapitän Vernon Demerest von einer ganz ungewohnten Seite und versieht die im Buch doch sehr unsympathische Rolle mit ausreichend Sympathiepunkten. Aber auch die junge Jean Seberg als Tanja Livingston kann ebenso wie Helen Hayes als blinde Passagierin Ada Quonsett und Van Heflin als dicklicher gescheiterter Geschäftsmann Guerrero überzeugen. Ein besonders gelungener bunter Tupfer Stimmung bleibt wie schon zuvor im Buch die Figur des Joe Patroni, ein quirlig aktiver George Kennedy.

"Airport" ist einer der wenigen Flugzeugfilme die ich mir ansehen kann ohne daß sich mir wegen völliger Realitätsferne der Magen rumdreht. Ein Beweis daß es auch anders geht ohne daß die Spannung drunter leiden muß!

(9/10)

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