Leads & Leading Men
„Glengarry Glen Ross“ ist unverkennbar basierend auf einem Theaterstück - was ihm allerdings nichts von seiner filmischen und dialoglastigen Meisterschaft nimmt! Erzählt wird von ein paar Verkäufern einer Immobilienagentur, die an zwei Tagen um ihre Zukunft und den Fortbestehen ihrer Firma kämpfen - eklige Ellenbogen, toxische Maskulinität und bitchy Betrügereien inklusive…
Mit allen Abwassern gewaschen
Was passiert wirklich in „Glengarry Glen Ross?! Im Grunde nicht viel. Und trotzdem fast alles. Männer keifen, Verkäufer betteln, Chefs kritisieren, Verlierer verlieren. Ein göttliches Drehbuch - vorgetragen von ein paar der besten Schauspieler ihrer Generationen und aller Zeiten. Legenden unter sich. Und aus diesem genialen Kuddelmuddel sticht Pacino nochmal hervor. Einfach wow! Der Jazz im Hintergrund, der Regen draußen, die Büroraume drückend, der Druck spürbar. Trotz Theatralik ein cineastisches Fest. Neonröhren, Hektik, Abgründe, Verkaufstaktiken, männliche Egos. Ich klebe an jedem Wort, ich grinse bei jedem dritten Satz, mir bleibt einiges im Hals stecken. Ein Klassiker der 90er. Und sicher von Drehbuch und Ensemble in dieser Form nur ganz selten in der Filmgeschichte getoppt. Thematisch zudem reichhaltiger als man meint. Schießt scharf, bleibt noch lange bei einem. Da will man nicht arbeiten - aber ich habe höllisch gerne zugeguckt…
Fazit: die Stars, die Dialoge, das Tempo, der Jazz, die Aussagen weit über Wirtschaft, Männlichkeit, Erfolg und Kapitalismus hinaus… Das ist immer noch ein Firecracker!