Review

Das Jahr 2000, wer erinnert sich noch an die Hoffnungen, die Spannung und auch die Hysterie. Ein neues Jahrtausend, die Zukunft – sie hatte begonnen! Doch ebenso wie der Y2K-Bug und seine prophezeiten Folgen ausblieben, so entpuppte sich auch die drei großen Nuller als ganz gewöhnliches  Jahr, voller ebenso positiver wie negativer Aspekte. Ganz so, also wie all die Jahre zuvor.

Ein wenig lässt sich diese Enttäuschung über die Banalität der Jahrtausendwende auch auf "Scream 3" projizieren, der ja eben genau zu diesem Zeitpunkt in den Kinos anlief. Das große Finale sollte es sein, der krönende Abschluss. Nun, ich bin damals ins Kino gerannt und kann mich noch genau an das Gefühl danach erinnern. Nur an eines nicht: den Film. Damit dürfte eigentlich prinzipiell schon alles gesagt sein, dennoch möchte ich im Folgenden ein wenig detaillierter auf die Gründe meiner mittelmäßgen Bewertung eingehen.

Scream“ und „Scream 2“ hatte ich damals als recht gute, wenn auch nicht überragende Vertreter des Slashergenres kennengelernt. Lustig, spannend und sogar ein wenig blutig. Die wahren Qualitäten, zumindest des  ersten Teils wurden mir jedoch erst viele Jahre später bewusst (siehe Review). Mittlerweile habe ich im Begründer der Serie einen der besten Vertreter des gesamten Genres ausgemacht und leider auch festgestellt, sich an diesem „Klassiker“ zu messen, ist beinahe unmöglich.

Wes Craven wiederum muss das anders gesehen haben. Statt es bei EINEM wirklich guten Film zu belassen, musste er sich ja unbedingt dem Gesetz der Serie unterwerfen. Was mich jedoch wirklich, wirklich überrascht ist, wie unfassbar groß die Qualitätsunterschiede zwischen dem Erstling und seinen Nachfolgern sind.

Also, lassen wir mal beiseite, dass der Plot inklusive der finalen (oh so überraschenden) Auflösung absoluter Standard ist. Der Killer (oder die Killerin, wir wollen ja nicht spoilern) wird in seiner Methodik zu keiner Zeit hinterfragt. SPOILER Es gab ja schließlich einen Grund, warum bei den vorherigen Teilen zwei Killer unterwegs waren. Nämlich weil der logistische Aufwand, inklusive der „Alibis“ niemals von nur einer Person hätten realisiert werden können, zumindest nicht, wenn der Regisseur ein Mindestmaß an Realismus beibehalten wollte. SPOILER ENDE Bei Teil drei jedoch, wird sämtliche Logik auf den Kopf gestellt. Unser aller Maskenmann muss über schier übermenschliche Fähigkeiten verfügen, so oft wie er Ort und Stimmen wechselt. Wo wir auch schon beim nächsten Problem wären. Der Voicechanger, dieses kleine Gadget, dass uns schon bei „Scream“ so faszinierte,, wird hier dermaßen inflationär ge- bzw. besser missbraucht, wie das ewig gleiche Spiel, nämlich das wirklich jeder verdächtig ist auf die leider zu hohe Spitze getrieben wird.

Das Problem ist dabei weniger, dass so vorgegangen wird, wie schon bei den Teilen davor, sondern die Lustlosigkeit und vor allem die Beliebigkeit. Das lässt sich vor allem bei den Filmzitaten bemerken: War Nummero uno eine Art heiteres Horrorfilmraten, wurde bereits beim Nachfolger einfach jede Art von Art von Film zitiert. Der Zuschauer jedoch erwartet, genau, HORRORFILME. Da reicht ein freundlicher Wink Richtung „Gesichter des Todes“ allein nicht aus. Wer den Erstling sah, hätte locker eine Liste aller Klassiker abhaken können, die im Laufe des Films erwähnt oder szenisch zitiert werden. Das höchste der Gefühle bei "Scream 2" war da noch die Szene im Park, als Randy (der ja ohnehin einer der coolsten Charaktäre war und beim Dreier sehnlichst vermisst wurde, aber dazu später) eine lange Reihe von Horrorfilmen aufzählte, die alle auf dem Campus spielen. Teil 3 jedoch verzichtet beinahe vollkommen auf dieses Element, was bemerkenswert ist, hat doch gerade dieser Aspekt einen großen Teil des Spaßes ausgemacht. Was bleibt ist ein Kurzauftritt von Roger Corman und, immerhin, Lance Henriksen als zwielichtiger Regisseur.

Ein großes Problem ist natürlich dass diesmal der Handlungsort Hollywood selbst ist. Denn fiktiven Regisseuren und Produzenten kann man natürlich keine echten Filmtitel andichten. Aber das so rein überhaupt gar nichts in diese Richtung kommt, ist dann doch maßlos enttäuschend. Stattdessen gibt es eine wiederholte Erwähnung „Der Pate“- und „Star Wars“-Trilogie, inklusive überflüssigstem Carrie Fisher-Cameo aller Zeiten (von den völlig unangebrachten „Jay und Silent Bob“ ganz zu schweigen – wenn da nicht „Miramax“ ihre Finger im Spiel hatten).  Ich wäre wirklich mal interessiert was diese Flicks mit den etablierten Horrofilmtrilogien zu tun haben sollen?

Da wären wir auch schon beim Regeletablierenden Kurzauftritt von Randy, dem Geek, der uns in Teil II leider verlassen musste. Craven konnte ihn hier durch ein praehum (sagt man das so) aufgenommenes Video wieder für wenige Minuten einbringen und leider, leider, selbst hier schwächelt das Drehbuch. Randy erklärt uns, dass bei einem dritten Teil alle Regeln ausser Kraft gesetzt werden. Meist kommt ein übernatürlicher Faktor hinzu, mindestens eine der Hauptpersonen stirbt und die Geschichte bekommt eine unerwartete, alles bisher Gesehene relativierende, neue Ebene. Ist dem tatsächlich so?

Gehen wir einmal davon aus, dass viele der mittlerweile bei 10 Teilen angelangten Serien im Horrorbereich einmal als Trilogie hätten enden können, denn echte Dreiteiler gibt es so gut wie keine (mir fällt auf Anhieb nur "Evil Dead", "Scanners" und "Poltergeist" ein). Was die tiefere Ebene angeht, meinetwegen, dem mag so sein, aber der Rest?! „Hellraiser 3“, etwa. Welche Regeln waren da ausser Kraft? Etwa dass Pinhead plötzlich frei auf der Erde wandeln konnte? Konnte vorher bereits. Wo war bei „Saw III“ der übernatürliche Aspekt? Bei „Nightmare on Elm Street“ war es sogar so, dass eigentlich der 2. Teil auf alle Regeln „schiss“. Doch selbst wenn wir gnädig sind, und jedem dieser Filme einen Teilaspekt dieser Regeln zugestehen („Hellraiser III“ hatte die tiefere Storyebene durch Pinheads Vergangenheit, bei „Saw III“ starb die Hauptperson und bei „Nightmare on Elm Street“ kam sie wenigstens nochmal vor), warum werden dann nur der „Pate“ und „Star Wars“ erwähnt. Was haben diese Filme mit Horror zu tun (nunja, die Ewoks ...)!???!

Liegt es am Fehlen von „Dawson´s Creek“-Erfinder Kevin Williamson, dass alles plötzlich so unglaublich gewollt statt gekonnt wirkt. So als müsse man eine lästige Aufgabe erledigen, frei nach dem Motte: „Wir brauchen noch ein Filmzitat, egal welches.“ ?

So sehr die Schauspieler mit Lust an ihren Rollen dabei sind, und den Spaß merkt man ihnen wirklich an, so wenig kann sich eben dieser auf den Zuschauer übertragen. Und Schuld ist einfach die lustlose Inszenierung. Da hilft selbst die spürbare Chemie zwischen Courtney Cox und Dpt. Doofy nicht weiter.

Schade, Herr Craven, sie haben zwar einen eigentlich passenden Filmgedreht, aber im Kontext zu dem großartigen Erstling, bei dem Sie wie ein Kind im Spielzeugladen wirkten, nämlich begeistert, haben Sie hier nur – im besten Falle – eine lästige Pflichtübung absolviert. Vielleicht ist es aber auch genau umgekehrt, und „Scream“ war einfach nur ein glücklicher Zufall.

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