Review
von Alex Kiensch
Mit dem dritten Teil der "Scream"-Reihe sollte eigentlich der Abschluss einer als Trilogie konzipierten Serie erreicht werden. Den Anspruch eines abschließenden Kapitels merkt man dem Film deutlich an - hier wird ein neuer Höhepunkt der Reihe erreicht.
Elegant ist diesmal vor allem, wie mit der Metaebene des Film im Film gespielt wird - nie zuvor war die Selbstironie so deutlich und konsequent eingebaut. So geschehen hier bei den Dreharbeiten zu "Stab 3", dem dritten - und abschließenden - Teil der Verfilmungen, die Sidneys (Neve Campbell) Leben und Leiden zur Grundlage haben, brutale Morde in der Reihenfolge, in der die Schauspieler auch im Film sterben sollten. Dank einer genial inszenierten Szene, in der sich der tote Film-Freak Randy per Video meldet, erfährt man, dass im Schlussteil einer Trilogie alles möglich ist und jeder sterben kann.
Und diese Offenheit ist auch tatsächlich Programm! Durch immer wieder raffiniert eingefädelte, falsche Andeutungen und Hinweise, wer der Mörder sein könnte, bleibt die Lösung bis zum Schluss völlig im Dunkeln - selbst erfahrene Horrorfans dürften hier Schwierigkeiten haben, die Auflösung zu erahnen. In Verbindung mit einer ganzen Reihe von Schockszenen, die so elegant wie in keinem der Vorgängerfilme die typischen Regeln des Genres zitieren, um sie dann überraschend zu brechen und so eine extrem hohe Spannung zu erzeugen, entsteht eine Atmosphäre der Bedrohung, der sich der Zuschauer zu kaum einer Sekunde entziehen kann. Der Mörder kann nicht nur buchstäblich jeder sein, er kann praktisch auch überall lauern. Dass die Schocksequenzen zur Erreichung ihrer Effektivität hin und wieder etwas unrealistisch oder unwahrscheinlich werden, verzeiht man angesichts der grandiosen Inszenierung gerne.
Und obwohl in diesem Teil ein düsteres Kapitel aus Sidneys Vorgeschichte ans Licht gebracht wird, wird der Film wieder deutlich witziger als der Mittelteil. Nicht nur der sichtliche Spaß am ironischen Spiel mit der Metaebene sorgt für beste Unterhaltung, sondern auch einige gut eingebaute Gags, die die größten Spannungsszenen abbauen, und Gastauftritte von Jay und Silent Bob über Lance Henriksen bis hin zu Carrie Fisher (die vielleicht den besten Gag des ganzen Films bringt) lassen eine gewisse dunkle Heiterkeit entstehen.
Über Humor und Zitaten vergisst "Scream 3" aber auch nie die Ernsthaftigkeit der Situation: Die Figuren werden weiterhin glaubhaft und ernst charakterisiert, die Spannungsszenen sind mit starker Kameraführung und gelungenem Lichteinsatz in bester Hollywood-Manier inszeniert und bis zum packenden Schluss wird es immer blutiger. So stellt der dritte Teil den krönenden Abschluss einer der besten Horrorfilm-Reihen der Filmgeschichte dar. Zu schade, dass diese "Trilogie" durch einen zwar gelungenen, aber unnötigen vierten Teil ergänzt werden musste.