Nach dem Erfolg von Harry Potter und vor allem „Herr der Ringe“ begann man auch unbekanntere Fantasy-Romane zwecks Verfilmung ans Tageslicht zu zerren: Letztes Jahr Narnia, dieses Jahr „Eragon“.
Die Welt von „Eragon“ wurde einst von Drachenreitern beherrscht, doch einem von ihnen, Galbatorix (John Malkovich), stand der Sinn mehr nach Alleinherrschaft. Also sorgte er für eine Art Battle Royal zwischen den Streitern, aus der er als Sieger hervorging. Dann ging es mit einer Armee fix an die Landesunterjochung, nur Abtrünnige leisten noch Widerstand. Drachen gibt es seit dem großen Abräumen keine mehr. Soweit die Vorgeschichte, die in einigen Szenen mit Off-Kommentar erzählt wird und wie eine Miniaturausgabe des Prologs von „Herr der Ringe: Die Gefährten“ wirkt.
Eragon (Edward Speleers), die Titelfigur, fristet derweil ein Bauerndasein in den unterdrückten Gebieten. Doch es fällt ihm ein Drachenei in die Hände, aus dem ein junges Exemplar schlüpft. Galbatorix und seine Schergen kriegen das spitz, senden Häscher aus, die nicht von ungefähr an die schwarzen Reiter aus „Herr der Ringe“ erinnern. Diese töten jedoch nur Eragons Onkel, wobei sich hier bald auch noch offensichtliche Klaus bei „Star Wars“ bemerkbar machen. Statt Obi Wan gibt es hier Brom (Jeremy Irons), der jedoch auch als Sonderling in der Stadt gilt.
Dieser führt Eragon in die Aufgaben eines Drachenreiters ein, später erfährt man, dass er selber einer war, aber das kann sich jeder Zuschauer schon nach fünf Minuten denken. Man flieht in Richtung Widerstandskämpfer, denen ein neuer Drachenreiter Mut geben würde...
Das sollte er also sein der Weihnachts-Puderzucker-Film mit viel Action für Fantasyfans, die damals mit 12, 13 die Werke von Tolkien, Wolfgang Holbein und wie sie alle heißen verschlangen. Leider wurde beim Abgreifen des Fantasybooms nicht auf ein vernünftiges Drehbuch geachtet, stattdessen ein uninspirierter Film mit der heißen Nadel gestrickt, der vollkommen aus „Star Wars“, „Herr der Ringe“ und „Dragonheart“ zusammengeklaut wurde. Jedoch konnte sich wohl niemand entscheiden, ob man ein Epos im Vorbild der ersten beiden Vorbilder oder einen Funfilm im Stile des letztgenannten wollte.
Bei „Dragonheart“ waren Held und Drache jedoch bereits zu Filmbeginn voll ausgebildet und man konnte direkt in medias res gehen. Hier versucht man bei nur 100 Minuten Lauflänge jedoch ansatzweise ein Epos zu erzählen, weshalb „Eragon“ andauernd gehetzt und unstimmig wirkt. Der Drache wächst bei seinem ersten Flugversuch direkt vom Babystadium zu ausgewachsen und eine einzige Traumsequenz reicht aus, damit Eragon direkt sein Reiseziel ändert. Sinn macht das leider nie, denn „Eragon“ nimmt sich noch nicht mal ansatzweise Zeit diverse Zusammenhänge zu erklären. So erkennt der Rebellenführer auch mit zwei Blicken, wessen Sohne Eragons neuer Kumpan ist.
Daher wird man alle paar Minuten mit neuen Namen und Fertigkeiten konfrontiert, Eragon beherrscht auf einmal die magische Elfensprache ohne sie groß gelernt zu haben usw. Auch Logikpatzer gibt es noch und nöcher: Man flieht erst von den Schwarzer-Reiter-Verschnitten, die ja ach so mächtig sind, doch dann besiegt man sie in einem wenige Sekunden dauernden Schwertkampf. Der Drache ist auch das fixeste Fortbewegungsmittel, doch im dramaturgisch richtigen Moment kann man riesige Distanzen nur einen halben Tag langsamer via Pferd zurücklegen.
Bei dieser Form von Flickwerk kommt natürlich nie Spannung auf, zumal „Eragon“ nur als Auftakt einer Filmreihe gedacht ist. Also kommt der Oberbösewicht kaum vor, stattdessen muss sein Handlanger Durza (Robert Carlyle) als Schurke herhalten und selbstverständlich geplättet werden. Wenig überzeugend legt man noch den Grundstein für eine Lovestory in späteren Folgen, doch auch dies nur ansatzweise, da hier ja alles zackzack gehen muss. Dabei wäre mehr Zeit für Charakterentwicklung bitter nötig gewesen.
Obwohl man die Geschichte aus Nötigste reduziert, bietet „Eragon“ leider auch nicht übermäßig viel Action, doch es sind diese Momente, die am meisten überzeugen. Der viel zu kurze Fight zwischen Brom und den Schwarzer-Reiter-Verschnitten ist wunderbar choreographiert und auch die paar Schlachtszenen machen was her, wenngleich sie zu hektisch und zu unübersichtlich geschnitten sind. Das Finale macht was her, eine Art Drachenreiterkampf, nur leider schmälern auch hier wieder dramaturgische Mängel das Vergnügen: Vom Bodenkampf der Armeen sieht man nur anfangs etwas und kaum ist der Bösewicht übern Jordan, scheint auch diese Schlacht wie von Geisterhand beendet (oder man zeigt sie aus welchen Gründen auch immer nicht mehr).
Bei „Eragon“ wäre wirklich deutlich mehr drin gewesen, zumal der Film handwerklich durchaus etwas taugt. Die Landschaften und bauten sehen teilweise wirklich toll aus und auch das FX-Department leistet Ordentliches. Das Niveau von „Dragonheart“ können die Effekte halten, sie sind auch nur knapp schwächer als die von „Herr der Ringe“. Reiter und Drache unterhalten sich hier telepathisch, musste ja schnell gehen und da spart man sich eine Mimik für den Drachen wie in „Dragonheart“. Was die Figuren zu sagen haben, ist allerdings grauenhaft: Klischeehafte Standarddialoge, teilweise vollkommen emotionslos vorgetragen, aber das könnte auch ein Manko der deutschen Synchro sein.
Kein Manko der deutschen Synchro hingegen ist die Hauptdarstellerwahl: Edward Speleers ist eine Katastrophe, ohne jeden schauspielerischen Ausdruck und mit soviel Charisma wie ein Packung aufgeschnittenes Weißbrot. Jeremy Irons schlägt sich als Mentor gewohnt gut, John Malkovich muss in seinen drei, vier Szenen nur böse gucken und absolviert einen besseren Gastauftritt. Djimon Hounsou kommt kaum zum Zuge, Robert Carlyle als Schurke ist kaum wiederzuerkennen, aber ordentlich. Sienna Guillory als weiblicher Part schlägt sich ebenfalls gut.
Die Actionszenen, die FX und die Inszenierung überzeugen, der Rest nicht. Die holprige, zusammengeklaute Geschichte erzeugt keine Spannung und nervt mit Fehlern, die Dialoge sind teilweise grauenhaft und es mangelt an Schauwerten. Dank der vorhandenen Vorzüge immerhin noch mäßig, aber auf jeden Fall eine Enttäuschung.