Review

Immer wenn man glaubt, schlechter ginge es eigentlich schon gar nicht mehr, erwischen sie einen mit der groben Kelle.

Der neueste filmische Bombentrichter aus dem Hause „dumm und dämlich“ kam zur seligen Adventszeit in die deutschen Kinos gewandert.
Im langsam dahinsiechenden Gefolge der Tolkien-Epigonen, die sich bemüht sehen, eine neue Multi-Millionen-Dollar-Fantasy-Franchise aus der Hose zu zaubern, hat man nach dem eh schon schwachen „Narnia“-Versuch jetzt mit „Eragon“ einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Wobei ich die Schuld nicht vollständig dem Teenager-Vorlagen-Autor Christopher Paolini zuschieben will, denn wie man allenthalben hört, hat die Hollywoodmaschinerie die von Kindern und Jugendlichen gefeierte Buchvorlage dermaßen umstrukturiert - um auch ja das daraus zu destillieren, was sie eigentlich haben wollten: einen extrem teuer getricksten, familienfreundlichen Weihnachtsstinker deluxe – dass man das Werk kaum wieder erkennt.
Sollten aber die gängien Handlungsteile tatsächlich so zu Buche stehen, möchte ich dem jungen Mann doch lieber die Produktion von Reiseführern ans Herz legen.

In der schön übersichtlichen und schon deswegen unbrauchbaren Lauflänge von 100 Minuten (ein Epos braucht Zeit), rollt nun genau das ab, was die Fantasydemographen wohl perfekt ausgewogen nennen würden, phantasiebegabte Leute jedoch kreativen Selbstmord.
Zusammengeschustert zu gleichen Teilen aus „Heroic“- und „Sword and Sorcery“ dürften Tolkien, C.S.Lewis und T.H.White wohl ob des Ergebnisses in ihren Gräbern rotieren.

Denn hier hat man an alles gedacht: ein junger unbedarfter Held, dem die Rettung des natürlich von einem bösen Despoten geknechteten Heimatlandes praktisch in den Schoß fällt, weil er sich als wieder mal als einer der „Letzten der…“ von irgendwas (Rebellen, Königsnachfolger, Jedi-Ritter, hier: Drachenreiter) entpuppt.
Während man von dieser Storyline vor Begeisterung abwechselnd knülle und begeistert pausenlos sein Wasser abschlägt, macht unser sperriger Junghero natürlich eine schwierige Entwicklung durch, bei der ihm ein alter weiser Weggefährte die erste Kniffe beibringt, eine hübsche Prinzessin gerettet sein will und eine Rebellenarmee gesammelt, während sein Flug- und Kampftier, ein geflügelter Drache die Kinderaugen im Publikum zum Leuchten bringt.

Dabei ist es unterstützend hirnrissig, so ein Projekt auch noch einem ehemaligen FX-Experten als Debutfilm anzudienen, der natürlich gar nicht die kreative Potenz besitzt, daraus mehr zu machen als einen formelhaften Bausatz aus dem „Fantasy for Dummies“-Buch.

Und so besteht der Film dann auch Elementen, die sich gegenseitig in Sachen Grauenhaftigkeit totschlagen. Abgesehen vom formelhaften Plot, der sich auf die Schnelle von einer Szene zur anderen schleppt, wird z.B. auf Charakterisierungen gänzlich verzichtet und aufs banale Gut-Böse-Schema gesetzt.
Der junge Held ist natürlich gar unerfahren, bratzig bis sperrig und trifft reihenweise emotional unreife Entscheidungen, gegen die sein müder Mentor und sein geflügelt Reittier nur die plattesten Fantasyphilosophien von Heldenmut und Weisheit gegenhalten können, die komplett im Nichts verpuffen, bis die Hütte so richtig brennt.
Mit Edward Speleers fand man auch den richtigen Darsteller für die pubertätsgeplagte Heldenfigur Eragon (Dragon mit E, für alle die es bis jetzt nicht begriffen haben…), einen Jungmimen, der seine erste Hauptrolle mit geistesarm geöffnetem Mund dermaßen hölzern runterkurbelt, als hätte die Welt von Pinocchio noch nie was gehört.
Als Prinzessin castete man einen ähnlich blassen Quälgeist, der wohl nach Möglichkeit ein wenig ätherisch wirken und deswegen Cate Blanchett ähneln sollte.
Um diese schauspielerischen Untiefen auszugleichen, engagierte man für ordentlich Schotter mit Jeremy Irons und John Malkovich gleich zwei gefeierte Mimen, die hier relativ zwanglos an ihren Gagenscheck rankommen.

Irons, der den Altdrachenreiter wenigstens mit einer Ahnung von Ironie garniert, entzieht sich weiteren Folgen dadurch, dass er sich gleich im ersten Teil der Trilogie meucheln lässt, während sich Malkovich wohl aus Qualitätsgründen so rar machen muß, dass er nur vier kurze Cameo-Auftritte hat, die er (in nur einer Kulisse) irgendwann zwischen Mittagessen und Teepause abgedreht haben dürfte.
Nicht, dass hier Charaktere entstehen würden, dazu ist die Strahlkraft der Namen zu groß.
Ansonsten arbeitet sich der Held hauptsächlich an einem helfenden Schwarzmagier ab, bei dessen Auftritten Robert Carlyle Zuschläge fürs Grimassenschneiden bekommen hat, obwohl sein Gesicht ständig so aussieht, als käme er vom Fingerfarbenmalwettbewerb der örtlichen Grundschule. Und am Ende huscht noch Djimon Hounsou als Rebellenführer durchs Bild (Quotenneger…), der dermaßen als schmalzgewichster Sarottimohr zurecht gemacht ist, dass er nebenan gleich noch den Sultan von Niehammawassa im nächsten Asterix geben kann.

Notgedrungen hangelt sich der Film von Actionszene zu Actionszene, von Blickfang zu Blickfang und wenigstens die Tricks sind ordentlich, aber Drachenflugszenen sind heutzutage kaum noch innovativ und die Schlacht am Ende ist wegen mangelnder Identifikation mit irgendjemandem auch ziemlich wumpe.

Bleibt noch passabel animierte Drachentier, das erst einen Niedlichkeitsanfall provoziert, ehe es beim ersten Freiflug dreimal das erleidet, was man als Fehlzündung mit Blitzeinschlag bezeichnen könnte und so mal eben das Fünfzigfache an Größe zulegt. Dolle Show.
Wie überhaupt der ganze Plot ein ziemlich planloses Rumgerenne ist: kaum ist die Story soweit in die Gänge gekommen, dass man auf neue Gesichter bei den Rebellen hoffen kann, als es sich Holzbratze auch wegen Prinzesschen schon anders überlegt und ans entgegengesetzte Ende des Ländle flattert, um eine vollkommen beknackte Rettungsaktion durchzuziehen.
Dabei entsteht gleich noch das (schwarze) Logikloch des Films, denn obwohl Eragon allein die tageweite Reise pronto durchflügeln lässt, schafft es Irons während der Rettungsaktion doch tatsächlich irgendwie (per UPS, die sind immer pünktlich), im entscheidenden Moment zur Stelle zu sein, um einen Speer abzufangen.

So wirkt das ganze Werk statisch und mechanisch, leblos und bemüht – ungefähr so gelungen wie der krönende deutsche Synchrocoup, ausgerechnet Nena als Stimme des Drachen Saphira zu casten.
Wie wir alle wissen, spricht die mäßig begabte Sängerin seit einem Vierteljahrhundert ungefähr so abwechslungsreich und moduliert wie eine angekiffte Friseursgehilfin im dritten Lehrjahr – und dementsprechend hauen die Platitüden der Echse dann auch rein.

Am Ende ist dann die versteckte Rebellenfestung in den Bergen gerettet (Gondolin, anyone?) und weil Johnny-Boy seinen Rußlandfeldzug gefährdet sieht, man er seinen Wandteppich knülle und dahinter hockt sein eigenes Reittierchen Marke „Nochvielgrößer“.
Er hätte auch gleich in die Kamera sprechen können: „Aber in der Fortsetzung, da hau ich euch die Kanne blank!“.

Ich gebe gern zu, dass dieser Film geeignet ist, einen Neunjährigen vollkommen aus den Socken zu hauen, aber sobald die ersten Pickel sprießen, dürfte man sich dann doch lieber mit Susi aus der Achten beschäftigen, weil die immer diese heißen G-Strings trägt.
Was ich auch einsehen kann, denn formelhafter, dümmer und aufgesetzter als diese Totgeburt an Familienunterhaltung ist mir schon lange nichts mehr untergekommen.
Und dabei hatte der sülzige Narnia-Film die Meßlatte schon ziemlich tief vergraben. (2/10)

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