Von 20th Century Fox nach den überragenden Einspielergebnissen der „The Lord of the Rings“ - Trilogie flugs in Auftrag gegeben, sollte „Eragon“ eigentlich den vielversprechenden Auftakt einer weiteren epischen Fantasy-Saga werden, wird nach den enttäuschenden Einspielergebnissen wohl nicht über das erste Kapitel hinauskommen. Da das Genre längst nicht mehr so boomt wie noch vor einigen Jahren, hilft in so einer kniffeligen Situation natürlich wenig.
Die Schuld daran trifft nicht etwa den eigentlichen F/X-Spezialisten Stefen Fangmeier, der sich ganz im Gegenteil mit seinem rein formell überzeugenden Regiedebüt für weitere Arbeiten anbietet, sondern die Produzenten und Drehbuchautor Peter Buchman („Jurassic Park III“), die den Bestseller von Christopher Paolini auf einen 95minütigen Kurztrip zusammenkürzten, der alle epischen Züge vermissen lässt, die insbesondere die „The Lord of the Rings“ so überaus einzigartig und unantastbar machen. Vielleicht wollten die Macher so auch nur dem großen Vorbild näher kommen, denn die Parallelen sind offensichtlich und Kenner der Buchvorlage haben längst festgestellt, dass einiges verändert wurde – nicht zum Positiven wohlgemerkt.
Wieder einmal wird ein fernes Königreich vom einem fiesen Herrscher in seiner düsteren Moderfestung unterjocht und ein junger Naturbursche von einfacher Herkunft soll die Prophezeiung erfüllen, indem er alles, was in seiner Heimat so im Argen liegt, ins Lot bringt. Rebellen tauchen auf, ein böser Zauberer sendet seine dämonischen Ungetüme aus, ein Mentor unterweist den unreifen Helden und eine kämpferische Unbekannte weist Eragon (Edward Speelers) den richtigen Weg. Business as usual kann man also sagen.Den Unterschied zu ähnlich gelagerten Stoffen macht höchstens der anfangs niedliche, aber später schnell erwachsene Drache, auf dem Eragon seinem Schicksal entgegenreitet. Dies ist selbstverständlich eine verlustreiche Schlacht zwischen Gut und Böse als finaler Höhepunkt, bei der es um alles geht. Davon bekommt der Zuschauer allerdings nicht wirklich etwas mit, weil man bis auf Eragon ohnehin niemanden kennt. Die Charaktere werden ihm nur so um die Ohren gehauen und verschwinden dann auch schon wieder im Niemandsland.
Stefen Fangmeier hat, das muss man ihm schon lassen, zumindest die Inszenierung immerhin voll im Griff, was für einen Effektspezialisten, der kurzerhand ein Fantasy-Epos inszenieren soll, keine Selbstverständlichkeit ist. Von Peter Jackson, Ridley Scott und Co. hat er sich vorweg genug abgeschaut und praktischerweise besitzt Ungarn fast genauso atemberaubende Gebirgszüge wie Neuseeland. Was er da mitunter für Bilder einfängt, ist schlicht grandios, nur schade, dass der Plot da nie mitkommt.
„Eragon“ wirkt gehetzt, getrimmt und völlig überhastet. Logikfehler und fehlende Erklärungen bestimmen das Geschehen. Von A über B nach C wird gereist, ohne nur einmal zu rasten. Das Tempo ist hoch und so richtig langweilig wird das Geschehen auch nie, aber dem Film fehlt die Seele und die Eigenschaft ein Szenario zu kreieren, in das man als Zuschauer eintauchen kann, um seiner Phantasie freien Lauf zu lassen und und sich in diesem fernen Land so richtig wohl zu fühlen.
Stattdessen alle paar Minuten Kämpfe, Befreiungen, die ewige Flucht nach vorn, nebenher die Ausbildung Eragons zum wackeren Kämpfer für das Gute und bedeutungsschwangere Dialoge, die man fast alle schon aus „The Lord of The Rings“ kennt. Wenigstens stimmen die guten Effekte rund um den weiblichen Drachen.
Peinlicher wird es schon, wenn Mimen wie John Malkovich („In the Line of Fire“, „Being John Malkovich“) oder Robert Carlyle („To End All Wars“, „28 Weeks Later...“) in ihren klischeehaften Bösewichterrollen dermaßen chargieren müssen, dass man ihnen am liebsten eine Narrenkappe aufsetzen würde, sie aus Mitleid an die Hand nehmen und weg vom Set führen möchte. Djimon Hounsou („The Island“, „Blood Diamond“) und Sienna Guillory („ Resident Evil: Apocalypse“) werden vergleichsweise komplett verheizt, nur der ironische Jeremy Irons („Die Hard: With a Vengeance“, Kingdom of Heaven“) darf seiner Figur Brom etwas Profil verleihen und schneidet prompt mit Abstand von allen am besten ab. Der namhafte Cast, mit dem so gern geworben wurde, macht im fertigen Film also nur wenig her. Die Figuren versickern nämlich alle in ihren standesgemäßen Attributen und das war es dann auch. Charakterisierungen? Fehlanzeige. Neuling Ed Speelers absolviert seine erste Rolle übrigens solide.
Fazit:
Letzten Endes also ein Fantasy-Abenteuer, das seinen eigenen Ansprüche nie gerecht wird. Die Inszenierung und die Effekte sind wirklich gut, das miese Drehbuch und die unglaublich kurze Laufzeit verhageln Stefen Fangmeier allerdings die Ernte. „Eragon“ outet sich als seelenloser Kommerz-Gag, der seinen Stück vom Kuchen des Fantasy-Booms abhaben wollte, aber scheiterte. Dem namhaften Cast schien so etwas während der Dreharbeiten wohl auch irgendwann zu schwanen...
Nicht der Super-GAU zu dem ihn viele abstempeln, denn auf diesem Gebiet hat es in den letzten Jahren viel Schlimmeres gegeben, von seinen Ambitionen ist „Eragon“ trotzdem meilenweit entfernt.