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DAS SPIEL DES TODES

Nachdem der legendäre Bruce Lee seine erste Regiearbeit THE WAY OF THE DRAGON (1972; dt.: Die Todeskralle schlägt wieder zu) beendet hatte, machte er sich daran, seinen zweiten Film mit dem Titel GAME OF DEATH zu inszenieren. Um die Hauptrolle in ENTER THE DRAGON (1973; dt.: Der Mann mit der Todeskralle) übernehmen zu können, unterbrach Bruce die Dreharbeiten zu GAME OF DEATH und sollte den Film nach seinem tragischen Tod am Set von ENTER THE DRAGON niemals zu Ende bringen können…

GAME OF DEATH (1978; dt.: Bruce Lee - Mein letzter Kampf) wurde trotzdem fertig gestellt: Um die bereits von Bruce abgedrehten „Pagoden-Sequenzen“ strickte Regisseur Robert Clouse eine Story, die von einem Schauspieler erzählt, welcher von einer Organisation zu Schutzgeldzahlungen erpresst wird. Die „Pagoden-Sequenzen“ wurden dafür völlig aus ihrem Zusammenhang gerissen und durch die Kombination mit Stock Footage (z.B. Bruces tatsächliche Beerdigung) und nachgedrehtem Material (z.B. Schauspieler mit falschen Bärten und Sonnenbrillen, die Bruce imitierten) konnte man das unvollendete Material auf Filmlänge strecken. Allerdings geriet GAME OF DEATH mehr als holprig und taugte auch kaum zur Unterhaltung! Mit GAME OF DEATH II (1981; dt.: Der letzte Kampf der Todeskralle) setzte Regisseur Ng See Yuen das Flickwerk ohne direkten Zusammenhang fort. Das Ergebnis fiel ebenfalls negativ durch die Verwendung von Stock Footage (z.B. Material aus ENTER THE DRAGON) auf, wirkte aber weitaus weniger unbeholfen als der Erstling und bot unterm Strich zumindest spektakulär-trashige Eastern-Unterhaltung!

Warum diese kleine Geschichtsstunde sein musste? Ganz einfach: Der hier vorliegende Film wird besonders gerne mit den beiden GAME OF DEATH-Teilen in Verbindung gebracht und im schlimmsten Falle sogar mit ihnen verwechselt! Dabei hat ENTER THE GAME OF DEATH (1978; dt.: Das Spiel des Todes) weder mit dem echten Bruce Lee, noch mit seinen Filmen irgendetwas zu schaffen! Aus welchen beiden Filmen der Titel ENTER THE GAME OF DEATH zusammengewürfelt wurde, ist offensichtlich und zusätzlich ist der deutsche Titel DAS SPIEL DES TODES mehr als verwirrend. Tatsächlich sehen wir den Bruce Lee-Klon Bruce Le am Werk und man könnte behaupten, dass DAS SPIEL DES TODES ein Film geworden ist, der zeigt, wie Bruce Lees wahrhaftiges GAME OF DEATH möglicherweise hätte aussehen können…

Nach dem Vorspann, welcher Bruce Le dabei zeigt, wie er zur Musik von ENTER THE DRAGON und dem JAMES BOND 007-Thema Sandsäcke und Tonkrüge zerstört, folgt ein kurzer Dialog zwischen den Bösewichten, welche die politische Situation kurz erläutern…
China, 1936: Ein Krieg zwischen China und Japan droht. Plötzlich wird ein streng geheimes Militärdokument vom chinesischen Verbrecher Wang gestohlen und zum Verkauf angeboten. Da man darin japanische Invasionspläne vermutet, bieten sowohl der Japaner Kawasaki, wie auch der Brite Keagan Höchstsummen für das Schriftstück. Außerdem schaltet sich eine Organisation der chinesischen Regierung ein, welche das brisante Material sicherstellen soll.

Unmittelbar nach diesem „Briefing“ wird der Zuschauer in die erste Konfrontation gestürzt: Bruce joggt gemütlich durch den Wald, als ein Trupp chinesischer Schläger auftaucht und ihn mit den Worten „Show us, how good your Kung Fu really is!“ herausfordert. Eine Demonstration später liegen die Gegner ohnmächtig im Gras und ruckartig befinden wir uns in der nächsten Konfrontation: Ein großes Kung Fu-Turnier, in dem Bolo Yeung einen Gegner nach dem anderen auf die Bretter schickt, bis Bruce höchstpersönlich in den Ring steigt und den Giganten in die Knie zwingt. Sinn dieses Turniers ist lediglich, sämtliche Parteien auf Bruces Können aufmerksam zu machen, damit sich diese nun darum reißen dürfen, Bruce für ihre miesen Machenschaften zu engagieren. Damit vergeht auch die erste halbe Stunde des Films: Wang und sein Leibwächter Bolo, Kawasaki und seine japanischen Schwertschwinger, Keagan und seine europäischen Karatekas… jeder kreuzt Bruces Weg nach reiner Willkür, doch anstatt einen neuen Verbündeten zu gewinnen, bekommen sie lediglich ihre fiesen Visagen gerade gerückt…

Wirken tut dieser Kung Fu-Marathon zuweilen etwas plan- und ziellos, doch nachdem sich Bruce letztendlich entschieden hat, auf der Seite der chinesischen Geheimorganisation zu kämpfen, nimmt das Fratzengeballer Strukturen an: In Anlehnung an GAME OF DEATH muss Bruce eine Pagode erklimmen, in deren Inneren auf jedem Stockwerk der Meister eines Kampfstiles lauert. Im ersten Stock wartet ein mit tödlichen Kugeln werfender Mönch (Lee Hoi San) und nachdem dieser aus dem Weg geräumt wurde, misst Bruce sein Können mit dem Meister des Schlangenstils, welcher - bleich wie ein Kung Fu-Zombie - seine Schlangen als tödliche Waffen missbraucht. Danach sehen wir ein Duell mit einem Nunchaku-Meister (Philip Ko), welcher von Bruce quer durch einen von hunderten von Kerzen beleuchteten Raum geprügelt wird. Ein Meister des Affenstiles (Chu Chi Ling) darf auch nicht fehlen und nachdem diesem sämtliche Knochen neu sortiert wurden, sieht der Meister der Adlerklaue (James Nam) im wahrsten Sinne des Wortes rot und zerlegt zusammen mit Bruce die gesamte Etage in ihre Einzelteile. All diese Duelle wurden wirklich fantastisch choreographiert und geizen niemals mit witzigen Einfällen und harten Stunts oder Treffern in Zeitlupe! Auch die diversen Dialoge zwischen Bruce und seinen Kontrahenten (meistens gegenseitiges Provozieren oder Demonstrationen des eigenen Könnens) sind stets gelungen und machen die gesamte „Pagoden-Sequenz“ zum ersten (und größten) Highlight des Films!

Im obersten Stock muss Bruce dann leider feststellen, dass Wang und das Militärdokument bereits verschwunden sind. Also heißt es: Treppen wieder runter und an der frischen Luft weiteren Gegnern den Schädel einschlagen. Zuerst sind Chinese Wang und Japaner Kawasaki dran: Von Schlägen an die Kehle bis hin zu auf den Brustkorb springen müssen die armen Kerle so allerhand über sich ergehen lassen. Danach wird auch umgehend das nächste Highlight serviert: „Bruce Le vs Bolo Yeung“… eine ziemlich lange Kampfsequenz, welche fast gänzlich ohne Schnitte auskommt und beinahe komplett in Zeitlupe gehalten ist.
Glaubt man nun, dass noch mehr Kämpfe kaum möglich seien, so hat man die Rechnung ohne den Briten Keagan gemacht: Zusammen mit seiner Schlägerhorde (z.B. ein überragender Kareem Abdul-Jabbar-Verschnitt) bietet er genug Futter für Bruces Fäuste, um bis zum Ende des Films hin keinen Leerlauf zuzulassen. Hier wird auch das letzte Highlight des Films serviert: „Bruce Le vs Steve James“! Steve James? Genau! Unser geliebter „Jackson“ aus den AMERICAN FIGHTER-Filmen, welcher sich hier noch vergleichsweise drahtig und schlank präsentiert, eine verdammt gute Beweglichkeit und Technik an den Tag legt und Bruce ein Duell liefert, welches - wie schon der Kampf gegen Bolo - fast komplett in Zeitlupe und an einem Stück ausgefochten wird.

Ich kann nur sagen: Wow! Wann bekommt man schon mal so viele fantasievolle, packende und unterhaltsame Kämpfe in einem einzigen Film geboten? Natürlich umweht die pseudo-politische Story ein Hauch von Nichts und ebenso sind die schauspielerischen Leistungen kaum erwähnenswert! Auch hat Bruce Le logischerweise nicht die Dynamik und Präsenz des legendären Bruce Lee und darüber können auch die vielen Anlehnungen und Zitate (Gestiken, Trainingsanzug) nicht hinwegtäuschen! Doch über all das Negative kann man beim Unterhaltungswert von DAS SPIEL DES TODES locker-flockig hinwegsehen und sich stattdessen von einem fast 90minütigen Kung Fu-Marathon begeistern lassen! Ein Lob auch dafür, dass die Macher komplett ohne jegliches Stock Footage ausgekommen sind und dass der internationale Verleih ganz ehrlich mit dem Namen Bruce Le umging, wogegen der deutsche Verleih natürlich wieder eine Bruce Lee-Mogelpackung präsentieren musste…

Abschließend noch ein paar Worte zu den mir vorliegenden Fassungen: Sowohl die deutsche FSK 16-DVD, wie auch die britische BBFC 15-DVD sind leider nicht makellos. Die deutsche DVD wurde an mehreren Stellen gekürzt, zum Glück aber nicht gleich komplett verstümmelt. Die britische DVD hingegen basiert wohl auf dem deutschen Uncut-VHS. Wir bekommen alle Brustkorbsprünge und Kehlenschläge zu sehen, doch dafür hat die DVD teilweise mit argen Tonproblemen zu kämpfen. Die Kampfszenen klingen erfreulich laut und deutlich, aber die englischen Dialoge, welche wohl über die deutsche Synchro gelegt wurden, klingen ziemlich dumpf und nuschelig. Der Ton wechselt immer wieder zwischen gut und schlecht hin und her. Zu Beginn des Films sind sogar noch deutsche Wortfetzen zu hören und als Abspann musste das deutsche Wort „Ende“ herhalten. Glücklich schätze sich derjenige, welcher noch das alte, deutsche Glasbox-Uncut-VHS sein Eigen nennen darf! Bei meiner Glasbox hat sich das poröse VHS-Band leider in seine sämtlichen Bestandteile zerlegt! :(

8/10 Punkten, diBu!

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