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Angesichts von Scott Spiegels „Bloodnight“ mag die Riege der Slasherfans ja jubeln, ich persönlich kann dem Film gar nichts abgewinnen.
Es geht um eine Horde von mehr oder minder jungen Supermarktmitarbeitern, deren Arbeitsplatz kurz vor der Schließung steht. Doch selbst eine Geschäftsschließung will wohl vorbereitet sein und so muss die Belegschaft in den letzten Arbeitstagen noch verstärkt ackern – bis in die später Nacht hinein. Ist natürlich die Lieblingszeit für Psychopathen, denn wir befinden uns ja immerhin im Reich des Slasherfilms.
Es taucht auch noch kurz der Ex-Freund einer Kassiererin auf und macht Stunk, doch man setzt ihn vor die Tür. Alsbald geschieht der erste Mord, aber wer in seinem Leben mehr als drei Slasherfilme gesehen hat, der weiß, dass der erste Verdacht falsch sein muss und wundert sich nicht, wenn auch der zanksüchtige Freund dann im Verlauf der Handlung ins Gras beißt. Doch wer ist dann der Killer?

Diese Frage scheint keine Sau zu interessieren, denn spannend ist das Whodunit nicht gemacht worden. Lahm schleppt sich der Film von Kill zu Kill, die Täterfrage wird so gut wie gar nicht thematisiert. Erst am Schluss offenbart sich der Mörder, den man nach einer Weile eh schon verdächtigt hat und das Motiv ist banal bis zum geht nicht mehr (aber auch dieses Motiv hatte man angesichts der Einfallslosigkeit von „Bloodnight“ schon vermutet). Hinzu kommen noch die üblichen Klischees (der Killer ist zwar ein Mensch, aber hat trotzdem mehr Kraft als Arnold Schwarzenegger; außerdem steht er auf, nachdem er scheinbar tot war usw.), um auch ja jedes Klischee zu killen. Außerdem hat man den bösen Buben schlauerweise auf dem deutschen DVD-Cover abgebildet, aber wo kaum Spannung ist, da kann man auch kaum welche nehmen.
Doch die Horrorfangemeinde jubelt trotzdem angesichts der Mordszenen. Doch sind die wirklich toll? Ne, nicht wirklich. Sie sind kaum spannend gemacht, denn potentielle Opfer werden meist nur wenig belauert und eh direkt gekillt (entkommen darf hier keiner). Wenn dann jemand den Löffel abgibt, dann ist das allerdings blutig wie Hulle: Da werden Köpfe zersägt, Leute mit dem Auge in Papierspieße geschubst oder Köpfe via Presse abgetrennt. Sieht trotz des niedrigen Budgets auch wirklich gut aus, schönen Dank an die Effektleute, aber sonstige Qualitäten hat „Bloodnight“ kaum zu bieten.

So ist der Schauplatz Supermarkt zwar eine Abwechslung zu den üblichen Feriencamps und Vorstadthäusern, doch nur teilweise nutzt man die Location (wenn dann meist für ungewöhnliche Tötungsmethoden Marke Hühnersäge). Dabei bringen Elemente wie Förderbände oder die leeren Supermarktgänge immerhin kurze Spannungsmomente in das sonst recht öde und lahme Gemetzel. Zudem ist die Inszenierung auch nicht allzu ansprechend, sodass „Bloodnight“ nicht von der Story her nichts anderes bietet als jeder andere 08/15-Slasher, sondern auch noch biederer aussieht als viele Konkurrenzprodukte. Immerhin kann Scott Spiegel sein Faible für schräge Kameraperspektiven ausleben, aber das bleibt das einzig Positive an der Optik. Zwar labern die Charaktere hier nicht andauernd übers Pimpern wie die Kollegen aus den „Freitag, der 13te“-Sequels, aber ein echter Pluspunkt ist das auch nicht.
Darstellerisch findet man hier zudem das übliche mäßige Niveau der Slasherfilme dieser Ära vor: Untalentierte Schauspieler und Schauspielerinnen schreien laut und labern unmotiviert mäßige Dialoge bis sie dann endlich durch den Reißwolf gedreht werden. Immerhin spielt Sam Raimi mit, aber im Schauspiel ist man deutlich schwächer als bei der Regie. Die einzig talentierten Schauspieler, Bruce Campbell und Ted Raimi, haben nur kleine Rollen ergattert.

Sorry liebe Metzelfans: Die Effekte von „Bloodnight“ sind zwar blutig wie nicht was, aber sonstige Qualitäten sehe ich kaum. Nur derbe FX und ein paar spannende Momente sind mir einfach zu wenig, angesichts der langweiligen Story und der biederen Optik.

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