Bloodnight (in Deutschland außerdem auch als Night of the Intruder veröffentlicht) ist so ein Film, der aus einem gewissen natürlichen Prozeß heraus entsteht, der quasi aus den Umständen erwächst, aber doch ein Stiefkind. Scott Spiegel, hier als Autor, Regisseur und Darsteller am Werk, war mit Sam Raimi und Bruce Campbell zur Schule gegangen. Zufälligerweise stand Spiegel dann auch für Raimi vor der Kamera, schrieb gar am Drehbuch für Tanz der Teufel II mit. Bloodnight sollte nun sein erster, eigener Langfilm werden und das Ergebnis spricht dafür, daß die Produzenten, darunter Charles Band und der Co-Autor Lawrence Bender, ihm dabei recht viele Freiheiten ließen. Aber woran liegt es dann, daß Scott Spiegel trotz prominenten Namedroppings (zu den Darstellern zählen, wenn auch teils in Kleinstrollen immerhin Sam und Ted Raimi sowie Bruce Campbell), heute vielleicht sogar eine breitere Bekanntheit als der Typ genießt, der Quentin Tarantino auf seiner Couch schlafen ließ, als dieser kein Geld hatte und der den Kontakt zu Lawrence Bender schloß, der als erster Produzent für Reservoir Dogs mit im Boot war und seit dem alle Tarantino Filme mitproduziert hat?
Bloodnight ist kein vollkommen gelungener Film. Mag ein Supermarkt als Schauplatz für einen Slasherfilm noch relativ unverbraucht sein, so dient er doch auch Spiegel nur als üblicher Kniff, eine begrenzte Zahl Personen von der Außenwelt abzuschneiden. Durch eine nächtliche Sonderschicht erklärt sich dieser Ausschluß zwar forciert, aber doch simpel genug. Den Einstieg beschreitet Scott Spiegel dann durchaus spannend, als ein Ex-Häftling seine Ex-Freundin, die im Markt arbeitende Kassiererin, bedroht. Diesen Moment verliert er aber zu schnell aus den Augen, verstrickt sich in Beobachtungen, die zu beliebig erscheinen und den anfänglichen Fluß schnell zerstreuen.
Als nach längerem Anlauf der Reihe nach Mitarbeiter des Marktes, trotz eigentlich wenig komischen Ansatzes alle mit überspielten Eigenschaften ausgestattet, einem Mörder zum Opfer fallen, so werden die von KNB-Personal gestalteten Spezialeffekte wie ein Pflichtprogramm abgespult. An den Effekten selber gibt es wenig auszusetzen. Man wetteifert um möglichst spektakuläre Todesarten in einer festgelegten Umgebung. Horrorfan Spiegel inszeniert sie aber nicht als spannungsentladenden Höhepunkt, sondern verpaßt weitestgehend die Gelegenheit, eine Spannung in diese Richtung überhaupt aufzubauen. Die Kamera wirkt bei den Mordszenen selbst zu unbeholfen und es fehlt an musikalischem Fundament, so daß trotz Unrated-Fassung die Wirkung der eigentlich brutalen Ideen eher verpufft.
Spannend an Bloodnight hingegen ist die filmtheoretische Metaebene, auf der sich Scott Spiegel dann tatsächlich mit dem Medium auseinandersetzt, sich ausprobiert und eine weitere Ebene schafft, auf der sich sein Zuschauer schließlich mit seinen Ideen beschäftigen kann. Auch hier kopiert er, wenngleich gelungen, in Szenen wie einer Egoperspektive des Killers durch die Steadycam, die hinter einem Regal hervorlugt und um nicht entdeckt zu werden einen Schritt zurück hinter die Ware macht. Wie so viele Nachahmer schießt er in seinen "Was würde Hitchcock tun?"-Perspektiven in dieser Absicht etwas übers Ziel hinaus, kann jedoch mit Blickwinkeln aus dem Einkaufswagen, aus dem Boden heraus die Arbeit mit dem Besen beobachtend oder durch eine einfach getrickste Wählscheibe auf den Anrufer blickend durchaus interessante Einstellungen bieten. Gerade das Telefon legt schließlich den Verdacht nahe, daß hier tatsächlich Alfred Vohrer zum Vorbild gewählt wurde - immerhin heute Tarantinos dokumentiert erklärter deutscher Lieblingsregisseur.
Spiegel sammelt so Erfahrungen, instrumentalisiert den billig produzierten Horrorfilm, wissend, daß sich dieser schon dank ausreichend verlässlicher Fanbasis gut genug verkaufen wird. Er vergisst jedoch darüber hinaus, seine durchaus respektablen Ambitionen zu einem schlüssigen und rhythmisch durchdachten Ganzen zu machen. Ob er nun Momente nachlässig behandelt oder sich nicht ausreichend für eine Spannungskurve interessiert, Bloodnight wirkt immer wie ein Film, der nicht das ist, was aus ihm hätte werden können. Besonders tragisch ist dies ob des aufregenden Endes, das so bewußt geschrieben zu sein scheint (und dementsprechend mit dem Abgang auch im Gedächnis bleibt), daß man ein saubereres Hinarbeiten darauf unbedingt vermissen muß. Bloodnight ist zwar bei Weitem nicht der schlechteste Slasher auf diesem Planeten, doch dies liegt eher an den Schwächen der Konkurrenz.