Als Angestellter im Einzelhandel, genauer: in einem Supermarkt hat man es nicht leicht. Man ist unwirtlichen Arbeitszeiten ausgesetzt, muss sich mit nervigen Kunden rumplagen und sich irgendwie mit seinen Kollegen und Vorgesetzten arrangieren, darunter Menschen wie Fleischereifachverkäufer und Kassiererinnen. Diesen Umstand griff US-Regisseur Scott Spiegel in seinem 1989er Spielfilm-Regiedebüt „Intruder“ alias „Bloodnight“ auf, in dem er uns einen selbst für jene Branche dann doch etwas extremen Splatter-Slasher auftischt – doch Übertreibung veranschaulicht ja bekanntlich. In grundsätzlich angenehmer 80er-Low-Budget-Direct-to-Video-Atmosphäre wütet ein irrer Killer in einem Supermarkt unter der Belegschaft, die nach Ladenschluss wegen des bevorstehenden Verkaufs des Ladens Überstunden schieben muss (typisches Phänomen der Branche, insofern ist eine gewisse Realitätsnähe nicht von der Hand zu weisen). Die Zahl der Verdächtigen wird durch das Ableben selbiger immer weiter dezimiert und nur simpelste Gemüter dürften sich anfänglich auf die falsche Fährte gelockt haben lassen und überrascht sein, wer sich gegen Ende als Metzelmeister und Alptraum jeder Berufsgenossenschaft entpuppt. Wirklich spannend ist das „Whodunit“ also nicht und generell wurde die Geschichte auf das Wesentliche beschränkt. So geht es zwischen den Morden häufig auch eher dröge zu, doch zieht Spiegel nach gemächlichem Beginn das Tempo unnachgiebig an und präsentiert einen expliziten, blutigen, höchst kreativen Gewaltausbruch nach dem anderen, was unterstreicht, welch ein gefährlicher Ort so ein Supermarkt ist. Dabei ist stets eine große Portion Spaß am Matschen mit menschlichem Material dabei, so dass der rabenschwarze Humor in Verbindung mit den äußerst gelungenen Spezialeffekten hauptverantwortlich für den hohen Unterhaltungsfaktor dieses Films ist. Ebenfalls einen Löwenanteil tragen die verspielte Kameraführung, die dem Zuschauer alle möglichen und unmöglichen Perspektiven bietet, und der punktgenaue Schnitt, der ebenfalls so manches Lächeln auf das verzückte Gesicht des Slasherfreunds zu zaubern vermag. Das Finale ist dann eines, das diesen Namen verdient und bestimmt von Gewalt, Wahnsinn und Hysterie sowie einer fiesen Pointe. Hier hat B-Movie-Ikone Bruce Campbell übrigens einen Kurzauftritt, Scott Spiegel selbst gönnte sich auch einen Cameo und Sam und Ted Raimi zählen ebenfalls zum Cast. Fazit: „Intruder“ ist ein augenzwinkerndes, partytaugliches Fanprodukt, das sich glücklicherweise größtenteils darauf beschränkt, was es kann – und was der Fan solcher Filme sehen will. Unfreiwilliger Trash bleibt außen vor, die Darsteller agieren im grünen Bereich. Und wer möchte, darf „Intruder“ sicherlich auch als satirische Metapher auf den Umgang mit Supermarktangestellten betrachten. Daumen hoch!