Review

1991 hat man sich noch aus unerfindlichen Gründen auf Original-Drehbücher von Stephen King gestürzt, als handele es sich um geschnitten Lachs. Heute wäre man vermutlich schlauer und würde es erst mal lesen. Zwischen diesen Verhaltensweisen liegt "Sleepwalkers".

King versucht hier für den Horrorfilm eine neue Spezies zu kreieren, die irgendwo zwischen Monster und Vampir liegt und (welch uralte Idee) die Lebensenergie von Jungfrauen braucht. Sonst praktisch unverwundbar haben sie nur eine gar mächtige Achillesferse, nämlich ihre Angst vor stinknormalen Hauskatzen, deren Krallen für sie tödlich sind. Man mag sich somit nicht.

Trotzdem schickt King hier Mütterlein und Sohnemann Schlafwandler in irgendein amerikanisch-ländliches Kaff nahe der nächsten High School, in dem kompletten Trugschluß, hier liefen noch mehr Jungfrauen rum als in Großstädten. Erhöhtes Katzenaufkommen ist jedoch auch hier Gang und Gebe, weswegen im Garten ein Komplettarsenal an Katzen- und Bärenfallen rumliegt, woran sich natürlich kein Einheimischer stört, auch nicht als 200 von den Viechern im Grase rund ums Haus auf Open-Air-Konzert machen.

Sohnemann Monster tarnt sich als Charles, den next best Teenieschwarm, der mittels seines verwandelbaren Straßenkreuzers es nun auf "Twin Peaks"-Schönheit Mädchen Amick alias Tanya abgesehen hat.

Daß die Chose nicht nur flach und blaß, sondern erzählerisch gerade transparent ist, muß auch King aufgefallen sein oder er brauchte nur mal nen Vorwand, um die Kettensäge rauszuholen. Nach gut einer halben Stunde verwandelt sich der Teenie-Grusler in einen konfusen Hackepeter, in dem es ausschließlich darum geht, möglichst viele Leute mit möglichst unterschiedlichen Gegenständen ins Jenseits zu befördern. Das mag zu Beginn noch halbwegs witzig sein, wenn ein katzenfreundlicher Polizist (der sein Tierchen Clovis natürlich immer bei sich hat, what a cat!) einen Maiskolben durchs Ohr zu sich nimmt, später aber nervt die Unbesiegbarkeit der beiden Schlafwandler (warum die so heißen, kommt auch nicht rüber, aber cooler Titel, ey...) gehörig.

Da muß dann die Polizeibesatzung von zwei kompletten Städten dran glauben und alle, alle halten mittels eigener Opferung (wenn auch unfreiwillig) die Monstrem immer so lange auf, daß sich Amick immer wieder kurzfristig entsorgen kann. Familie Pussy auf dem Rasen, die einen Belagerungszustand aufzieht, der klassischen Westernmotiven zur Ehre gereicht, greift natürlich nur ein, wenn es gar nicht mehr anders geht, weil dann ja total tödlich. Es vergehen also die kompletten 90 Minuten und dann macht Clovis die Mutti alle und als wir uns umschauen, lebt auch in 1000 Meter Umgebung keiner mehr.

Wer mächtig beim Meucheln zuschauen will ist hier genau richtig, darf aber nicht an der TV-Fassung rühren, weil der so stücker 10 Minuten Gemetzel fehlen. Da man sich aber hier eh für keinen der Pappdeckelcharaktere interessiert, will das Adrenalin nicht so recht steigen, da stört es um so mehr, wie doof der Film ist.

Ganz lustig, aber nicht wirklich bedeutsam ist das Starregisseuraufkommen in Cameo-Parts.
Während King selbst auf dem Friedhof rumläuft, schnippeln Clive Barker und Tobe Hooper in der Pathologie an Leichen rum, während im Labor Joe Dante und John Landis zusammenarbeiten. Das rechtfertigt aber noch lange nicht dieses sterbenslangweilige Gemeuchel rund um ein Monstrum, in das King wohl nicht genug Hintergrund investiert hatte, um es irgendwie interessant zu machen. Da hilft auch keine inzestuöse Beziehung, sind ja eh keine Menschen!
Aber wer inhaltlich anspruchslos ist (was ja überraschend viele sind), hat vielleicht trotzdem seinen Spaß. (4/10)

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