Review

Stephen King zählt zu den erfolgreichsten Schriftstellern der modernen Horror-Literatur. Unzählige Werke wie "Carrie", "Cujo", "Shining" oder "Friedhof der Kuscheltiere" gehen auf sein Konto.
Der von Mick Garris inszenierte "Schlafwandler" ist dabei die Verfilmung eines unveröffentlichten Romans von King, bei dem der Meister persönlich die Vorlage für die Leinwand adaptierte.
Das Ergebnis ist erstaunlich - erstaunlich schlecht und vor allem im letzten Drittel mit einem übertriebenen Hang zum puren Trash.
Nicht annähernd erreicht "Schlafwandler" das inszenatorische Niveau der oben genannten Beispiele, die mittlerweile als Klassiker des Genres gelten.
Und vor allem fehlt dieser blutleeren Vampir-Variante mit Hang zum geschmacklosen Inzest-Drama die erzählerische Leichtigkeit, mit denen unter anderem "Silver Bullet - Der Werwolf von Tarker Mills" zu überzeugen wusste. "Silver Bullet" war auch keine filmische Offenbarung, aber immerhin wunderbar erzählt und mit viel Sinn für Atmosphäre.

Dass "Schlaftablette" - Verzeihung - "Schlafwandler", dieses banale Nichts an Handlung, nicht an ein Meisterwerk wie "Shining" heranreichen würde, dürfte keinen Cineasten verwundern - aber das das Niveau doch so niedrig sein würde darf als größter Überraschungsmoment des gesamten Films angesehen werden.

Die Intention der Produzenten lag dabei klar auf der Hand: mit wenig Budget, aber nett anzuschauenden Darstellern (Mädchen Amick und Brian Krause), etwas nackte Haut und dem Tabubruch *Sex zwischen Mutter und Sohn*, dem anspruchslosen Teenie-Publikum das hart verdiente Taschengeld abluchsen, wobei vollmundig mit dem Qualitätssiegel *Stephen King* geworben wird. Diese Klientel - zu der ich mich vor fast 20 Jahren auch zählen durfte - wird sicherlich von den billigen Effekten und den absurden Ideen wie Autos, die unsichtbar werden oder ihre Form und Farbe verändern, kreischend und Nägel kauend aus dem Häuschen sein, aber das reifere Publikum wird sich kopfschüttelnd abwenden und sich leidlich über einen Maiskolben als tödliche Stichwaffe amüsieren.

Der Humor ist nicht schlecht, aber absolut deplatziert und raubt dem langweiligen Unsinn jeglichen Ansatz von Spannung und halbwegs gruseliger Atmosphäre.
Das Finale strotzt nur so vor Trashappeal und übertriebener Action, dass es kaum vorstellbar ist, dass hier Stephen King seine Finger im Spiel hatte. Aber als Autor und Regisseur von "Rhea M. - Es geschah ohne Warnung" stellte er bereits eindrucksvoll das Motto unter Beweis:
*Wenn schon Scheiße, dann aber so richtig scheiße!*

Die unzähligen Cameo-Auftritte von John Landis, Clive Barker und vielen anderen sind dabei genauso uninspiriert und belanglos wie der Rest des Films. Stephen King gibt sich in einem Kurzauftritt als spleeniger Friedhofsverwalter die Ehre, wird aber - wie der Rest des Cast - gnadenlos von Kater *Clovis" an die Wand gespielt.

Fazit: Katzenjammer, dass man vor Wut nur noch die Krallen ausfahren kann.

Details
Ähnliche Filme