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"Ach, und jetzt wirst du wieder futtern wie ein Schwein!" ... "Ja! Und dann suhl ich mich im Dreck."

Vor ewigen Zeiten spricht eine Hexe einen Fluch auf die Familie der Wilhern's aus. Dieser Fluch trifft Penelope (Christina Ricci) die sich seit ihrer Geburt mit einer Schweinsnase und kleinen Schweinsöhrchen abfinden muss. Da ihre Eltern Jessica (Catherine O`Hara) und Franklin (Richard E. Grant) sie für tot erklärt haben, wächst sie einsam im adligen Haus der Wilhern's auf. Da der Fluch angeblich nur von einer Person ihres Standes gebrochen werden kann, die sie so liebt wie ist, engagieren ihre Eltern eine Hochzeitsvermittlerin die seit ihrem 18. Geburtstag beständig blaublütige Junggesellen vorstellt. Diese ergreifen aber bei ihrem Anblick sofort die Flucht. Ein paar Jahre später resigniert Penelope selbst und gibt die Hoffnung auf von ihrem Fluch erlöst zu werden. Als der adelige Edward Vanderman Jr. (Simon Woods) nach seiner Flucht vor Penelope den kleinwüchsigen Reporter Lemon (Peter Dinklage) engagiert, um das "Monster" publik zu machen, sucht dieser den Spieler Max (James McAvoy) auf der sich unter die adeligen Anwärter schmuggeln und ein Foto schießen soll. Aber es kommt anders als geplant.

Die britisch-amerikanische Co-Produktion "Penelope" entstand bereits 2006 und erzählt eine liebenswerte Geschichte über das "Anders sein" und das finden der Personen die über diese Makel hinweg sehen.
Von Beginn an versprüht das moderne Märchen einen besonders spritzigen Humor durch viel Spiel- und Dialogwitz und eine gute Portion Selbstironie was immer wieder für Lacher sorgt und durchgehend bei Laune hält. Der Humor ähnelt etwas von Tim Burton's "Edward mit den Scherenhänden" und man könnte meinen, Burton selbst hätte seine Finger im Spiel. Die Kulisse könnte von dem Regisseur selbst entstanden sein, protzt sie doch durch eine fundamentale Unterscheidung zwischen einem extrem bunt geratenen, feudalen Wohnsitz und der grauen, modernen Großstadt was völlig überzeichnet wirkt.

Die Handlung erstreckt sich über das Leben von Penelope im heimeligen Wohnsitz und der späteren Flucht in die Großstadt, wo sie in vermummter Gestalt ein unabhängiges Leben beginnt und mit der Zeit findet, was ihr im abgeschiedenen Heim verwehrt blieb. Nach anfänglichem trotteligem Verhalten findet sie sich in den Abläufen der weiten Welt ein, begegnet Menschen die sie so aktzeptieren wie sie und beginnt eigene Entscheidungen zu treffen die für ihr Leben selbst wichtig sind. Somit beschreibt der Film einen Teil des Erwachsenwerdens und löst die Misere des Fluchs nebenbei... und auf eine überaschend unkonventionelle Art für ein Märchen.

Durchaus Gelungen sind die zurückhaltend benutzten Special Effects, beispielsweise durch das gut zu beobachtende Wachstum eines Baumes im Zeitraffer.
Der atmosphärische Soundtrack belebt die anfangs bonbonbunten, später grauen Bilder sehr vorteilhaft und erweitert die tolle Aufmachung, die sehr auf sensible und einfühlsame Momente setzt, statt übertönt romantisch zu sein.

Auf den Charakteren beruht ein Großteil der Atmosphäre. Diese sind gut entworfen und entwickeln sich mit der Geschichte weiter. Die Sympathie bleibt insbesondere bei der Hauptperson Penelope hängen, die weiteren dienen vor allem dem Plot und der Möglichkeit, diesen um ein paar Ereignisse aufzumotzen und ein wenig Spannung zu erzeugen. Wie es häufig bei Liebeskomödien üblich ist unterliegen die Figuren zahlreichen Klischees über die man aber mit der Zeit hinweg sieht.
Leider kommen ein paar Charaktere, die man etwas mehr in die Handlung hätte einbauen können, recht kurz. Dies ist besonders bei Annie, der von Reese Witherspoon gespielten Freundin der Fall, vermutlich da diese sich parallel als Produzentin zur Verfügung stellte.

Trotz der überaschenden Auflösung fehlt es "Penelope" etwas an Innovation. Vieles hat man schon auf ähnliche Art und Weise gesehen, die Geschichte ist konventionell und recht vorhersehbar erzählt. Zudem mangelt es dem Märchen an spektakulären Szenen die auch später noch im Kopf hängen bleiben. Hier wäre mehr Mut nötig gewesen um möglicherweise die Bilder noch ein wenig aufzupeppen. Beispielsweise verhält sich die Auflösung von Penelopes Fluch so heimlich stumm und leise, als wäre es selbstverständlich und nicht nötig in diesem Moment ein wenig in die Trickkiste zu greifen.

Schauspielerisch bezaubert insbesonders Christina Ricci ("Speed Racer", "Sleepy Hollow", "Black Snake Moan") in der Hauptrolle, vor der man trotz Schweinsnase sicher nicht davon laufen würde. Nebenher gibt es Edelsupport durch Catherine O'Hara (" Kevin - Allein zu Haus", "Kevin - Allein in New York") sowie Peter Dinklage ("Sterben für Anfänger", "Die Chroniken von Narnia - Prinz Kaspian von Narnia") die beide sehr komödienerfahren sind und ihren Teil zum besten geben. Insbesondere erstere offenbart eine wunderbar überzogene Leistung als besorgte, nervige Mutter. James McAvoy ("Wanted", "Abbitte") und Simon Woods überzeugen in den männlichen Schönlingsrollen, können sich mit dem bereits aufgezählten Ensemble aber nicht anlegen, Reese Witherspoon ist, wie erwähnt, nur am Rande zu sehen.

"Penelope" ist ein sehr unterhaltsames Märchen, sorgt für viele Lacher, erzeugt eine sensible aber ebenso heitere Geschichte und löst seine Parabel nebenbei. Der zu erwartende romantische Aspekt fällt überaschend kurz aus, die Darsteller sind gut und passend gewählt. Zu bemängeln sind der konventionelle Plot und die nicht enthaltenen einprägsamen Szenen. Normalerweise 6 Punkte gibts von mir als Christina Ricci Fan einen Punkt drauf, denn diese steht hier im Mittelpunkt.

7 / 10

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