Review

Zu den sicherlich unbekanntesten Hitchcockfilmen, abgesehen von seinem teilweise noch stumm gedrehten Frühwerk, zählt sicherlich "Mr. and Mrs.Smith" von 1941, also schon nach seiner Emigration in die vereinigten Staaten.
Der Film fiel in das Loch, in das Hitchcock nach dem Erfolg von "Rebecca" gefallen war, als sich herausstellte, daß er mit der Arbeitsweise seines Brötchengebers David O.Selznick nun so gar nicht konform ging. Er stellte "Foreign Correspondent" fertig, der jedoch ein ausgemachter B-Film war (trotz unbestreitbarer Qualitäten) und noch bevor mit "Verdacht" zu alter Stärke zurückfand, inszenierte er praktisch als Gefallen an seine gute Freundin Carol Lombard, seine einzige bewußte Komödie, die auch noch dem damals populären Screwball-Sektor zuzuordnen ist.

Das bedeutete also nichts anderes als "witzige Beziehungskisten zwischen Mann und Frau", jedoch fernab von jeglicher Spannung oder Suspense und das Interesse des Regisseurs dürfte mehr oder minder gering gewesen sein.
Die Story Norman Krasnas (der je nach Quelle als Lohnschreiber oder Genie bezeichnet wurde) dreht sich um einen uralten Gag: das Ehepaar, das feststellen muß, daß es plötzlich wegen eines Formfehlers nicht mehr verheiratet ist und sich deswegen entzweit. Doch allein zu sein, ist natürlich auch nicht der wahre Jakob und während er sich mit den Unbillen des Singleseins und Doch-nicht-Wollens herumschlägt, muß sie mit einem neuen Galan händeln, der zufällig ein Kollege ihres Mannes David ist.

Viele Screwballkomödien haben ordentlich Panzerung gegen den Zahn der Zeit angelegt, so daß man sie auch heute noch schmerzfrei fröhlich genießen kann, was natürlich nicht zuletzt an der jeweils funkensprühenden Besetzung liegen muß, die ihre Paarchemie auch gekonnt auf die Leinwand übertragen mußte.
In dieser Hinsicht wirken die "Smiths" leider heute ein wenig angestaubt, denn das hier dargestellte Verhältnis der beiden schon vor ihrer unfreiwilligen Trennung scheint ein wenig absonderlich: in der ersten Szene haben sie sich bereits für drei Tage in ihr Schlafzimmer eingeschlossen, weil ihr Streit noch nicht beigelegt ist. Im weiteren Verlauf nimmt die Komödie dann vorübergehend Tempo auf, was sicher auch daran liegt, daß beide Hauptdarsteller durchaus erfahren im Komödienbusiness waren, Robert Montgomery jedoch eher der handfeste Typ war, bei dem auch ruhig etwas Action im Spiel sein durfte.
Carol Lombard kann man in jeder Szene ansehen, daß hier jede gezogene Augenbraue und jeder Handgriff längst saß (es war ihr vorletzter Film vor ihrem tödlichen Flugzeugabsturz), aber die beiden entwickeln nie ganz die nötige Chemie, die den Genreklassikern so typisch ist.

Was natürlich auch in der recht veraltet wirkenden Auffassung von Ehe und Zusammenleben begraben liegt, die hier durchgängig postuliert wird: man ist zwar durchaus mondän und lebenslustig, darf es aber nur im Ehebund sein, ansonsten wachsen wieder Vorstellungeb von jenseits der Jahrhundertwende aus dem Boden.
Wie überhaupt manches etwas merkwürdig erscheint, wie etwa, daß Ann David einfach so aus der Wohnung werfen darf und ihre dauernde Unversöhnlichkeit noch dazu. Die Handlungsteile sind ziemlich gut unter den beiden aufgeteilt, so darf Montgomery eine Nachtclubsequenz bestreiten, während Lombard mit Davids Kollegen einen ziemlich unamüsanten Abend erleben darf.

Doch obwohl manchmal spritzig und flott, springt der Funke nie ganz über, gerät das Tempo nie aus den Fugen und es ist offensichtlich, daß Hitchcock unwillig und/oder unfähig war, die Drehbuchschwächen durch optische Einfälle ganz auszubügeln. In den besten Momenten hat der Film den nötigen Drive, sieht dann aber gar nicht nach Hitch aus (obwohl die Sequenz, in der ein Elterngespräch durch Toilettenrohre ständig gestört wird, eindeutig seine Handschrift trägt).
Wirklich gelungen und von Hitchs Handschrift getragen, ist nur die Sequenz, als die beiden noch einmal in einem italienischen Lokal aus Hochzeitszeiten essen gehen wollen, das sich inzwischen jedoch in eine Spelunke verwandelt hat und in dem Montgomery ständig versucht ist, die Hauskatze zum Probieren anzuhalten, während Straßenkinder ihr Dinner beglotzen.

Interessant ist, daß der Film ausgerechnet im letzten Drittel, in einem Skigebiet fast komplett an Dampf verliert und die Versöhnung der beiden aus dem Nichts gestelzt zu kommen scheint, nur damit der Film jetzt zuende ist, eine Veränderung oder Reifung war bis dato eigentlich in dieser Nummernrevue nicht wirklich feststellbar - wie überhaupt die eigentlich brisante menage-a-trois durch die "Weichheit" des Konkurrenten Jeff nie zu einer Gefahr für die Ehe wird.

Hitchcock hat mit "Mr. und Mrs.Smith" nicht vollkommen versagt, aber seine Tasse Tee ist dieses Genre offensichtlich nie gewesen und er hat es auch später nie wieder versucht, ohne nicht wenigstens Spannung in die Sache einzuweben ("To Catch a Thief" und "North by Northwest" haben solche Screwballansätze). Es ist ein netter, aber wenig aufrgender und eben dann doch recht gemütlicher Film geworden, der die Hysterie des Geschlechterhumors nie so auf die Spitze treibt, wie es nötig gewesen wäre.
Schmunzeln mit Sir Alfred - wenig mehr! (6/10)

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