Review

Unsichtbar 

Das Produzententeam von "The Sixth Sense" wird immer mal wieder gerne auf einem Kinoplakat oder DVD-Cover hervorgehoben, um dem Film eine "ganz besondere Güte" zu bescheinigen. Der Regisseur Shyamalan schuf mit "The Sixth Sense" im Jahre 1999 einen Mystery-Thriller, der Extraklasse. Damals konnte der kleine Junge Tote sehen und schloss seinem Psychiater (Bruce Willis) einen Bund. Der Film war seinerzeit schön gruselig und spannend. Ein Meisterwerk. Markenzeichen von "The Sixth Sense" war aber der Schluss: die Überraschung. Shyamalan versuchte mit "Unbreakable" einen ähnlichen Film mit einem überraschenden Ende, der Film taugte aber leider nicht viel. Über seine weiteren Werke "Signs" oder "The Village" braucht man sich erst gar nicht zu unterhalten. Aber ich schweife ab. Shymalan führte bei "Unsichtbar" ja keine Regie, sondern David S. Goyer, der uns schon mit "Blade: Trinity" einen unglaublichen Schrott präsentierte. So schlecht wie der dritte Teil von "Blade" konnte "Unsichtbar" ja gar nicht werden oder doch? 

Zum Inhalt:  

Der junge Schüler Nicklas ist in der Schule völlig unterfordert, schreibt Gedichte und fühlt sich zum Schriftsteller berufen. Er schreibt die Hausaufsätze anderer Schüler, um sich eine Reise zu einem Schriftstellerseminar in London zu finanzieren. Sein Vater ist verstorben. Sein einziger Freund ist der größte Loser in der Schule.  

Er bekommt Streit mit der Anführerin einer kleinen Gang: Anni. Diese begeht einen kleinen Raub und verdächtigt Nicklas, dass er sie verraten hat. Sie sucht ihn auf verdrischt ihn und denk dann, dass sie ihn umgebracht hat und schmeisst ihn in einen Kanalschacht und macht sich aus dem Staub. Doch Nicklas befindet sich nun zwischen den Welten und taucht wieder auf, aber keiner kann ihn sehen. Vielleicht kann er sich ja noch retten und in die reale Welt zurück.  

Eigentlich eine gute Idee und der Reiz des Filmes besteht natürlich darin, dass Nicklas seine Mitschüler, seinen einen Freund, Anni oder auch seine Mutter beobachten kann, ohne dass sie ihn wahrnehmen, da er für sie unsichtbar ist. Da hätte man viel daraus machen können. Wurde aber nicht. Nicklas steht meist mit einem Gesichtsausdruck eines britischen Gardeoffiziers neben der Szene. Ich halte Justin Chatwin – der den Nicklas hier spielt – für einen ganz lausigen Schauspieler, dessen Filme ich mir ganz gewiss nicht mehr antun werde. Eine Fehlbesetzung. Für einen Mystery-Streifen, indem es um ein so emotionales Thema geht, braucht man einfach einen Schauspieler der auch glaubwürdig Emotionen zeigen kann.  

Einzig die junge Schauspielerin Margarita Levieva, die die kriminelle jugendliche Mitschülerin Anni spielt, kann überzeugen, obwohl sie für die Grundausrichtung der tougen Gangleaderin schon wieder zu brav aussieht.  

Ganz missraten ist die Polizeiarbeit, die sich mit der Suche nach dem verschwundenen Nicklas beschäftigt. Sie ist konzeptlos wie der ganze Film. Da agieren ein Polizist und eine Polizistin wie bei einer Schnitzeljagd. Hinterfragen nichts. 

Die Musikuntermalung erinnert an "Eiskalte Engel", da immer wieder (Rock)-Songs angespielt werden.

Das Hauptproblem des Filmes ist, dass er eigentlich nie richtig in Fahrt kommt. An Spannung gar nicht zu denken. Da Nicklas (als unsichtbares Zweitwesen) zwar überall hin kann, aber nichts anfassen kann oder so sprechen kann, dass ihn jemand hört, ist er eigentlich wirklich zum Rumstehen verdammt.  

Der Film verliert sich gegen Ende hin in Gefühlsduseleien und man weiß auch nicht, mit wem man es jetzt halten soll. Ist die hübsche Annie jetzt geheilt von ihrem kriminellen Tun? Und wenn ja, warum? Was ist mit Nicklas Mutter, seinem Freund der ihn verraten hat. Was ist mit dem Freund von Annie, der sie verpfiffen hat? Ist Nicklas auch in Zukunft der arrogante Streber, für den andererseits die hübschesten Mädchen schwärmen? Läuft die Polizei noch durch den Wald? Oh, ich guck lieber mal wieder "Sixth Sense" und definitiv nie mehr einen Film bei dem David S. Goyer auf dem Regiestuhl Platz nimmt.  

3/10

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