Ein schöner, knallbunter viktorianischer Grusler aus der Zeit, in der Hammer noch Hammer war. Allerdings nimmt "Das schwarze Reptil" eine Art Ausnahmeposition im Schaffen der englischen Filmproduktion ein, denn ein so ungewöhnliches Sujet war dann doch relativ selten, während Vampir- und Frankensteinthemen am Fließband produziert wurden.
Trotzdem besticht der Film weniger durch Originialität oder außergewöhnliche Elemente, im Gegenteil, er kommt mit einer außerordentlich simplen Storyline aus, die ohne Schnörkel und dramatische Umwege abgewickelt wird, um zu ihrer vorhersagbaren Auflösung zu gelangen.
Dafür kann er mit reichlich Atmosphäre glänzen, die schon die Anfangssequenz zu einem kleinen Edelstein macht, wenn der Bruder des Hauptdarstellers, zu indischen Flötenklängen durch das Cornwallsche Moor wandert, um dann in einem erleuchteten, aber scheinbar menschenleeren Herrenhaus einem Unbekannten zum Opfer zu fallen, der ihn in den Hals beißt.
Die Wirkung dieses Bisses ist denn auch schon der grellste Effekt des ganzen Films, wenn sich Hals und Gesicht der Opfer schwarz verfärbt und sie mit Schaum vor dem Mund verenden. (Daher übrigens auch das "schwarz" im Titel, nehme ich an, das Reptil an sich ist nirgendwo von dieser Farbe.)
Im Anschluß an diesen kraftvollen Teaser wickelt sich eine konventionelle Auflösungshandlung ab, die tatsächlich mit nur sieben Personen auskommt, was die Produktion zu einer ökonomischen Angelegenheit gemacht haben müßte, da auch keine aus anderen Hammer-Produktionen bekannten Gesichter auttauchen. Einzig Michael Ripper als Kneipenbesitzer fügt wie immer einen sehr soliden Teil bei.
Neben der üblichen unwilligen Landbevölkerung werden dann die Betroffenen (ein Arzt, seine Tochter, ein indischer Diener) eingeführt, die auch schon der ganze Schlüssel zu der simplen Affäre sind, die auf einem indischen Fluch beruht.
Interessant dabei ist die Tatsache, daß auch der Frau des Helden hier ein größerer Anteil am Film zugestanden wird, als die Filmklischees dies üblicherweise zulassen.
Im weiteren Verlauf geizt der Film nicht mit atmosphärischen Szenen, eingefangen in knalligen Farben von einem hervorragenden Kameramann, der das Optimale an Spannung aus den Vorgaben herausholt. Erwähnenswert die sich aufputschende Sequenz, in der die Arzttochter auf einem indischen Saiteninstrument ein immer wilderes Lied spielt oder die Wiederholung der Teasersequenz mit dem Hauptdarsteller.
Im letzten Drittel bekommt man das titelgebende Tierchen dann auch noch reichlich zu Gesicht, was einerseits nach heutigen Maßstäben enttäuschend wirkt, in zeitgeschichtlichem Zusammenhang aber sehr überzeugend wirkt (und Zwölfjährigen immer noch einen Bombenschreck einjagen kann). Der Showdown weist letztlich den schon fast genreüblichen Hausbrand auf, der das Übel verschlingt und ein wenig unspektakulär geraten ist, was aber durchaus zum Film paßt.
Wer also einen herrlich altmodischen Gruselabend mit ein paar B-Filmklassikern aus der Hammer-Schmiede veranstalten will, ist mit dem Reptil sicher nicht schlecht bedient, kann aber außer supersolider Arbeit auch keine Wunder erwarten.
Schön, ihn mal wiedergesehen zu haben.
(6/10)