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Welch filmische Abgründe taten sich nicht schon in den Untiefen des Genres „Erotikfilm" auf. Es wurde häufig versucht, mit notdürftig kolportierten Krimiplots dem zarten filmischen Gewand, welches sich Narration oder Tiefgang nennt, mit der cineastisch tödlichen Kombination von Sex & Crime ein schwereres Gewicht zu geben, ja, sich um einen Sinn zu bemühen. Umso mehr lobt sich der immer wieder aufs Gleiche von solch unfreiwillig komischen Filmen gestrafte Zuschauer Genrevertreter des Erotikfilms, die abseits des Vorhabens, nackte Haut in einem Nichts von Handlung zu präsentieren keine weiteren Ansprüche erheben. Dies ist ein Grund, weswegen „Töchter der Venus", welcher hierzulande unter dem irreführenden Titel „Pussycat Syndrome" vertrieben wird, durchaus als unterhaltend anders, wenn auch nicht als Perle an Klasse und Einfallsreichtum eingestuft werden kann.

Hier, in diesem Hauch von Plot, werden zwei weibliche Models in den Urlaub nach Griechenland geschickt, wo sie sich mit allerlei fleischlichen Freuden mit dem anderen Geschlecht vergnügen, bis sie ein reicher Mann auf seine Yacht und schließlich in sein Haus einlädt.
Kleiner Exkurs: Frage: Wo sind die Freunde der beiden Models, welche noch an Bord der Yacht waren, plötzlich abgeblieben? Keiner weiß es, interessiert aber auch keinen.
Weiter: Dort machen sie Bekanntschaft von der Frau des Yachtbesitzers, die in ihrer Kindheit missbraucht wurde und seitdem Gemälde mit Menschen ohne Gesichter malt. Dann lassen die beiden Frauen, die Gäste, bei ihr ihr „Einfühlungsvermögen" bzgl. weiblicher Anatomie spielen und alles ist wieder in Butter. Die Frau kann wieder „normale" Bilder malen.
Frage: Ist das glaubwürdig im Rahmen psychologischer Überlegungen? Nein, ist es nicht. Interessiert aber auch wieder keinen ernsthaft.

Nun ja, was hat also „Töchter der Venus" denn zu bieten? Zuerst einmal eine beschwingte Musikuntermalung, die reichlich 80er-Jahre-Flair aufkommen lässt, auf Dauer aber eher durch ihre Eintönigkeit am neuronalen Apparat zerrt. Dazu noch viel nackte Haut, welche in den sinnlichen Erotikszenen ins rechte Licht gerückt wird. Dabei wird nie die qualitative Grenze zur Pornografie überschritten, sondern der Film erfreut mit seiner narratologischen wie inszenatorischen Naivität und Harmlosigkeit. Keine Hintergedanken, keine überkonstruierten Wendungen, kein von der Erotik-, Sex- und Liebesthematik ablenkendes Beiwerk wie der Einsatz von Waffen oder gar Actionsequenzen, keine kontinuierlich-sinnstiftende Handlung. Der Status des Urlaubsvideos mit Erotikszenen offenbart sich schon bei einer unfreiwillig komischen Zeremonie, als der Yachtbesitzer und seine Frau zum Götterpaar "gekrönt" werden oder die beiden befreundeten Frauen in "Tutti Frutti"-Manier am Strand betont hüllenlos durch den Sand stapfen. Ja, das sieht gut und stimulierend aus, nur sind die darstellerischen Leistungen abseits interhumaner Kopulation zu vernachlässigen und man(n) kann den Film prima bei der Sportschau nebenher laufen lassen, ohne etwas zu verpassen - das hat ja aber auch was. Diese Beliebigkeit ist sowohl schon wieder als originell zu werten, ist aber auch auf Dauer für einen „echten" Film zu wenig.

Fazit: Ein Film wie eine Postkarte mit bewegten Bildern: Extrem flach, aber nett anzusehen, mit einem erzählerischem Vakuum und ohne Substanz, aber gerade deswegen erfrischend anders und auch nebenbei zur Rezeption geeignet. Leider werden keinerlei cineastische Ansprüche erfüllt, aber wer erwartet das von diesem Film schon. Als Film ist „Töchter der Venus" gescheitert, als erotisches, gehaltloses und gerade deswegen durchaus ansehbares Relikt der Erotik jedoch keineswegs.

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