Nach zweifachem Dienst unter Lo Weis Knute konnte Bruce Lee bei „Way of the Dragon“ selbst Regie führen und seinen vielleicht persönlichsten Film in Szene setzen.
Hierzulande wurde der Film als angebliches Sequel zu „Enter the Dragon“ alias „Der Mann mit der Todeskralle“ verkauft, selbiges Utensil kommt aber gar nicht vor. Lees Film spielt mit der Sprachbarriere, wenn Tang Lung (Bruce Lee) in Rom landet und sich mangels Fremdsprachenkenntnis mit Händen und Füßen verständigen muss, was zu Missverständnissen führt – eine kleine Anspielung auf stereotype Asiatendarstellungen im Film.
Der Grund der Reise ist dann weniger amüsant, denn Tang wurde aus Hongkong herbeordert, da die Mafia das China-Restaurant einer Freundin der Familie übernehmen will. Zum Glück beherrscht Tang die Kunst des Kung Fu meisterlich…
Auch der vorletzte große Lee-Film erzählt keine großartige Geschichte, die Territoriumsstreitigkeiten zwischen hart arbeitenden Chinesen und fiesen Gangstern sind eher Vorwand für ein buntes Potpourri aus Gags und Schlägereien, an deren Ende natürlich das Gue triumphiert. Außenszenen wechseln sich mit klar erkennbaren Studiosets (Restaurant, Innenhof, Kolosseum) ab, doch durch die Außendrehs und die Aufnahmen von Rom wirkt „Way of the Dragon“ weniger steril als der direkte Vorgänger „Fist of Fury“.
An dessen Actiongehalt kommt „Way of the Dragon“ dann allerdings nicht ganz heran, doch gut verteilt sind die Fightszenen trotzdem und zudem auch schon meist recht langer Dauer. Die Choreographie kann sich sehen lassen, Patzer leistet sich Lee nur wenige und nutzt seine Funktion als Regisseur und Hauptdarsteller um seine Fähigkeiten eindrucksvoll in Szene zu setzen. Neben waffenlosem Kampf gibt es auch den Einsatz von Nunchakus und Stöcken zu bewundern, das größte Highlight ist dann aber unbewaffnete Fight zwischen Tang Lung und dem von der Mafia angeheuerten Colt (Chuck Norris), der recht lang andauert.
Trotz einiger Nickligkeiten wie Knochenbrüchen und ähnlichen Scherzen ist „Way of the Dragon“ dabei weniger heftig als andere Lee-Filme, meist werden die Gegner nur verdroschen und nicht umgebracht. Ansonsten gibt es kleine Slapstickeinlagen, z.B. wenn Tang bei dem Versuch freundlich zu sein von einer Prostutierten mitgenommen wird. Dabei ist „Way of the Dragon“ stellenweise ziemlich reflexiv, z.B. wenn er die erste Demonstration von Tangs Fähigkeiten immer wieder hinauszögert – gerade als er eine Kostprobe seines Könnens abgeben will, ruft man seine potentiellen Zuschauer ins Restaurant zurück.
Der Humor passt auch gut zur Fieslingsriege voller Klischeecharaktere: Der Obermafiosi ist ein graumeliertes Italowürstchen, der von weißen Schlägern mit Prollomatten und hässlichen Poppelbremsen, zwei Funk-Soul-Brüdern und einem schwulen Chinesen unterstützt wird, später ruft man noch Kung Fu Asse aus Japan und den USA zu Hilfe. Dank des humoristischen Tons bleibt man vom Rassismus eines „Fist of Fury“ weg, zumal eine letzte Wendung die gut-böse-Schemata zumindest leicht erschüttert. Zudem nutzt Lee „Way of the Dragon“ zur Verbreitung persönlicher Grundsätze: Zwar wird Kung Fu als überlegen dargestellt, Tang Lung verweist aber darauf, dass es auf die Intensität des Trainings und weniger auf die Kampfsportart ankommt; der Finalgegner wird vorgewarnt und nach dem Exitus respektvoll bedeckt, auch wenn es nicht ganz klar ist, warum Tang dem erschlafften Kontrahenten nach einem kraftlosen Angriff das Genick bricht, danach aber Trauer schiebt.
Bruce Lee lebt dabei wieder von seinem Charisma, mit dessen Hilfe er sowohl als gestrandeter Touri als auch als knallharter Fighter überzeugt, wenngleich seine Gekreische plus Gesichtsverrenkungen zeigt, dass er nicht unbedingt ein Schauspiel-As ist. Chuck Norris muss nur kämpfen, nicht groß spielen und bekommt in einem ironischen Moment das Brusthaar gerupft, der Rest vom Fest spielt ordentlich.
„Way of the Dragon“ ist kein narrativ komplexer Film, aber angenehm selbstironisch und mit starken Kampfszenen. Dank der Selbstironie und des Tempos Bruce Lees wohl bester Film neben dem actionreicheren, aber etwas simpleren „Fist of Fury“. 7,5 Punkte von mir.