Das junge Foto-Model Chris McCormick wird von Gordon Stuart, dem unscheinbaren Musiklehrer ihrer kleinen Schwester Kathy, in ihrem Appartement vergewaltigt. Zwar kann die Polizei Stuart schnell Dingfest machen, doch während der anschließenden Gerichtsverhandlung gelingt es dessen Anwalt Chris so sehr zu diskreditieren, dass sein Mandant von den Geschworenen freigesprochen wird. Als Stuart sich kurz darauf während eines von Chris‘ Foto-Shootings tatsächlich auch noch an Kathy vergreift, nimmt das Model das Gesetz in die eigenen Hände... Wer von der hierzulande äußerst einfallsreich betitelten Dino De Laurentiis-Produktion "Eine Frau sieht rot" (da darf sich der hiesige Verleih wirklich mal selbst auf die Schulter klopfen!) ein ähnliches Selbstjustiz-Spektakel erwartet, wie es einige Jahre zuvor Michael Winners höchst erfolgreiches Charles Bronson-Vehikel "Ein Mann sieht rot" gewesen ist, oder sich zumindest Hoffnungen auf einen zünftigen Rape-and-Revenge-Knaller à la "Ich spuck auf dein Grab" oder "Last House on the Left" macht, der dürfte sich von Lamont Johnsons Filmchen doch unglaublich enttäuscht sehen. Was sich mit der recht ausführlich geschilderten und einigermaßen unangenehm anzusehenden Vergewaltigungs-Sequenz nämlich noch recht gut anlässt, versandet kurz darauf in den Niederungen eines langweiligen (und zudem auch noch unfreiwillig komischen) Gerichts-Dramas, nur um kurz vor Schluss dann ganz unvermittelt nochmal Gas zu geben und die Handlung in den lange herbeigesehnten Revenge-Part münden zu lassen. So gibt sich das Ganze ob seines Verzichts auf obligatorische Spektakel-Szenen oder einen graphisch ausgemalten Body Count tatsächlich über weite Strecken den Anstrich einer "seriösen" Abhandlung über die psychischen wie gesellschaftlichen Folgen eines sexuellen Missbrauchs… und verhehlt dadurch, dass es sich im Grunde genommen doch nur um ein hochglänzendes Exploitation-Picture handelt, das mehr oder weniger auf lukrative Skandalträchtigkeit hin gebürstet wurde und doch bitteschön mächtig die Kinokassen klingeln lassen sollte. Die Besetzung der weiblichen Hauptrolle mit dem tatsächlichen Top-Model Margaux Hemingway soll dem Streifen da vermeintlich noch so etwas wie Authentizität einhauchen, doch der gewiefte Zuschauer blickt da schnell hinter die eigentliche Absicht der Macher, die hübsche Frau ausgiebig leichtbekleidet und natürlich immerzu möglichst vorteilhaft abzulichten, um den Spannern im Publikum was zum Gucken zu geben. Nun ja, den entsprechenden Eye-Candy-Wert bringt sie zwar noch mit, da sie allerdings in so gut wie jeder Szene gefeatured wird und zudem auch handlungsmäßig ständig im Mittelpunkt des Interesses steht, machen sich ein paar schauspielerische Limitierungen ihrerseits (mit denen allerdings auch zu rechnen gewesen ist) nur umso störender bemerkbar. Besser fährt da ausgerechnet ihre damals 15jährige Schwester Mariel, die sich mit ihrer ungekünstelten Performance tatsächlich für eine Schauspiel-Karriere empfehlen konnte und der man folglich auch einen weniger verkorksten Debütfilm gegönnt hätte. Der kurz zuvor noch für seinen memorablen Auftritt in "Hundstage" für einen Nebendarsteller-Oscar nominierte Chris Sarandon müht sich derweil mächtig ab, seinem Vergewaltiger genau die Konturen zu verpassen, die Drehbuchautor David Rayfiel diesem im Bestreben, den Part doch um Gottes Willen nicht ins Comichafte abdriften zu lassen, glatt unterschlagen hatte. Im direkten Vergleich zu David Hess‘ Vorstellung als Krug in "Last House on the Left" kommt Sarandons Gordon Stuart leider trotzdem rüber wie ein armseliges Würstchen und gerät darum auch nicht wirklich zum hassenswerten (geschweige denn erinnerungswürdigen) Bösewicht der Chose. Wenn die Hemingway zum Schluss also zur Flinte greift, um ihrem Peiniger doch noch (im Übrigen: blutig) die Lichter auszupusten, wirkt das so, als sollte auf diese Art doch noch nach der Manier des Genres dem Publikum ordentlich Zucker gegeben und einige schwelende Zuschauer-Bedürfnisse befriedigt werden... nur, dass diese zu dem Punkt eben gar nicht so wirklich vorhanden gewesen sind, was dem Streifen folglich mit Schmackes das Genick bricht. Dass Chris Sarandon sich kurz zuvor (ganz unwahrscheinlich und nur vom Drehbuch-Gott Zufall motiviert) sogar extra nochmal an ihrer jungen Schwester vergehen muss, damit man ihm den finalen Abgang auch von Herzen gönnt, spricht da wahrlich Bände. Diese ebenso geschmacklose wie durchschaubare Zuschauer-Manipulation kann allerdings auch nicht mehr verhindern, dass dieser unausgegorene Versuch einer Mischung aus Drama und Revenge-Actioner letztendlich als durch die Bank gescheitert angesehen werden muss. Seinen Spaß kann man mit "Eine Frau sieht rot" allerdings auf einer anderen Ebene doch noch haben, nämlich wenn man das Ganze als voller tonaler Missgriffe steckenden, strunz dämlichen Hollywood-Trash betrachtet, der sich prima in die Reihe ähnlich neben der Spur liegender De Laurentiis-Produktionen wie dem gefloppten ‘76er-Remake von "King Kong" oder dem konfus-aufgeblasenen Sci-Fi-Desaster "Der Wüstenplanet" einfügt. Für eingefleischte Schundfilm-Fans lohnt sich also zweifellos eine (Wieder)Entdeckung, wer hingegen einen guten Rape-and-Revenge-Streifen aus den 70ern sehen will, greift auch lieber weiterhin zu einer der zahllosen Alternativen...
4/10