In den 50er Jahren gab es eine wahre Flut von Abenteuerfilmen, da war es nur logisch, dass ein so prächtiger Vorlagenstoff wie das gleichnamige Buch von Jules Verne für eine Verfilmung herhalten musste. Da schrecken auch über zweieinhalb Stunden Laufzeit erst mal nicht ab, wenn man weiß, wie viel Handlung aus dem Buch umgesetzt werden muss.
Unter dem Strich ist den Machern ein recht ansehnlicher Film gelungen, wenngleich anfänglich doch ein paar Meter Film weniger auch okay gewesen wären. Dass Fogg mit seinem Diener mit einem Ballon die Reise beginnt, steht zwar so nicht im Buch und erinnert auch eher an „Fünf Wochen im Ballon", doch ist diese Adaption verzeihlich und zudem liebevoll inszeniert. Danach wird's schon kritisch, als man - aus Versehen - in Spanien landet und einen Zwischenstopp einlegen muss. Hier langweilen unendliche Ausschweifungen bei einem Folkloreabend mit anschließendem Stierkampf mit Passepartout - dass alles auch noch ziemlich albern inszeniert. Doch dann geht's reichlich flott zur Sache und eine Station nach der nächsten wird in Angriff genommen.
Was hier bei den Verneschen Figuren auffällt ist, dass sie trotz großer Schauspielbesetzung (David Niven als Fogg), recht wenig Eigenleben entwickeln, weil sie - ganz einfach gesagt - zu kurz kommen. Phileas Fogg ist zwar very british gelungen, aber in seinen gelegentlichen Regungen ist er so gar nicht der große Phlegmatiker, wie von Verne - natürlich wie immer sehr überspitzt - dargestellt wurde. Passepartout in seiner liebenswürdigen Art spielt solide, leider wird seine Beziehung zu Fix - dem Detektiv - ziemlich vernachlässigt, gerade dieser Part hätte im Film herrlich ausgebaut werden können.
Die stärksten Momente hat der Film zweifellos in seinen Naturaufnahmen. Egal, ob man mit historischen Schiffen über die See schippert, in Bombay und Kalkutta wunderschöne Stadtpanoramen bestaunt und mit dem Elefant durch den indischen Dschungel reitet, alles ist vom Feinsten in Szene gesetzt. Bei der Fahrt durch den Wilden Westen kommen dann auch noch die Eisenbahnliebhaber ins Schwärmen. Ach so, eine sich anbahnende Liebesbeziehung gibt's natürlich auch, na also...
Fazit: Eine recht gelungene Umsetzung und trotz mancher Längen für einen unterhaltsamen Nachmittag geeignet, nicht nur für Verne-Fans...