Sidney Poitier spielt den schwarzen Polizisten Virgil Tibbs, der in der Mordkommission von Philadelphia tätig ist und in einer Kleinstadt in Mississippi von einem rassistischen Officer wegen seiner Hautfarbe wegen Mordverdachtes an einem reichen Investor festgenommen wird. Der Polizeichef, gespielt von Rod Steiger, ruft schließlich Tibbs Vorgesetzten in Philadelphia an, der umgehend bestätigt, dass es sich bei diesem um einen Polizisten handelt, bietet dem Polizeichef aber darüber hinaus umgehend die Hilfe seines besten Mannes an. Mehr oder weniger gezwungenermaßen beginnen die beiden mit den Ermittlungen an dem Fall.
"In der Hitze der Nacht" war einer der ersten und bekanntesten Filme, die in den USA versuchten rassistischen Vorurteile auszuräumen. Diese gute Absicht, die gesellschaftliche Aktualität, diese Brisanz wurden mit mehreren Oscars belohnt, zumal der Film in Anbetracht der damaligen filmischen Mittel durchaus gelungen ist und sicherte dem Thriller den Status als einer der besten Filme aller Zeiten. "In der Hitze der Nacht" ist aber auch ein gutes Beispiel für einen Klassiker, der seinerzeit hervorragend war, teilweise neue Maßstäbe setzte, aber aus dem heutigen Blickwinkel nicht mehr als gehobenes Mittelmaß ist.
Die Charakterkonstruktion der beiden Hauptfiguren ist ordentlich aber nicht wirklich überwältigend. Der schwarze Ermittler Virgil Tibbs wird als professioneller Polizist dargestellt, der gewissenhaft ermittelt, auch wenn auch er nicht ganz frei von Vorurteilen ist, der Polizeichef wird vor allem anfangs als typischer Südstaaten-Rassist dargestellt. Die Annäherung der beiden vollkommen gegensätzlichen Charaktere, die unfreiwillig zusammenarbeiten müssen, mag damals noch ein richtungweisender Plot gewesen sein, aus der heutigen Sicht ist diese Annährung sehr klischeehaft, verläuft teilweise mitunter zu glatt, propagandiert mit dem Dampfhammer gegen Vorurteile, wie man es in dutzenden weiteren Rassismusdramen seitdem schon besser gesehen hat und bleibt dabei leider sehr vorhersehbar, auch wenn durchaus teilweise Dramatik erzeugt wird. Der Fall, in dem die beiden ermitteln entspricht solidem Krimi-Niveau und bietet unterhaltsame Ermittlungen und eine überraschende Auflösung.
Was ebenfalls ein großes Plus des Films ist, ist der hervorragende Soundtrack von Quincy Jones, der den Film zu jeder Zeit passend unterlegt. Darüber hinaus ist das Erzähltempo von Norman Jewison gut genug gewählt, um durchgehend unterhalten zu können, ohne, dass sich größere Längen einschleichen. Spannend wird der Film leider nur temporär, genauso, wie die Atmosphäre, die nicht durchgehend dicht genug ist, um den Zuschauer fesseln zu können. Die Action-Szenen, die eingebaut werden sind aus dem heutigen Blickwinkel nicht mehr sonderlich spektakulär, sind aber immer noch unterhaltsam und darüber hinaus ganz gut dosiert. Unterm Strich bietet der Film ordentliche Unterhaltung, mehr aber auch nicht.
Sidney Poitier, der 1964 bereits als erster Afroamerikaner in einer Hauptrolle für "Lilien auf dem Felde" mit dem Oscar prämiert wurde und im allgemeinen für Rollen in antirassistischen Filmen bekannt war, was ihn zu einer Art Inbegriff für die Annäherung von Schwarz und Weiß in den USA machte und ihm den Status als einer der größten Filmstars aller Zeiten einbrachte, spielt die Rolle des Virgil Tibbs, in der er später noch zweimal zu sehen sein sollte, souverän. Wie gewohnt spielt Poitier seine Figur sympathisch und überzeugend, wenn auch verhältnismäßig mimikarm. Noch besser schlägt sich der zweite Hauptdarsteller Rod Steiger, der für seine kantige, mitunter zynische Darstellung des rassistischen Polizeichefs vollkommen zu recht mit dem Oscar prämiert wurde. Der restliche Cast ist solide besetzt.
Fazit:
Damals mag "In der Hitze der Nacht", der sich als einer der ersten Filme ganz klar gegen rassistische Vorurteile aussprach, neue Maßstäbe gesetzt haben. Aus der heutigen Sicht sind die Botschaften, die seitdem dutzendfach von Hollywood aufbereitet wurden, abgedroschen, wobei der Film wegen seiner soliden Handlung, der ordentlichen Inszenierung und seinen beiden hervorragenden Hauptdarstellern immer noch unterhaltsame und sehenswerte Krimi-Kost ist.
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