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Clint Eastwood ist als Regisseur gereift und mittlerweile in dieselbe Liga aufgestiegen wie seine Vorbilder Don Siegel und fast schon Sergio Leone. Schon seine frühen Regie-Arbeiten wie zum Beispiel „Ein Fremder ohne Namen“ waren großartig, doch Spätwerke wie „Erbarmungslos“ und „Mystic River“ sind absolute Meisterwerke, zählen zu den besten modernen Hollywood-Filmen.
Nach dem erfolgreichem Box-Drama „Million Dollar Baby“ verfilmt Eastwood nun das zweite mal ein Drehbuch von Hollywoods derzeit angesagtestem Autor Paul Haggis („L.A. Crash“, „Casino Royale“). Die gleichnamige Vorlage war ein großer Erfolg in den USA und wurde verfasst von den Neulingen James Bradley und Ron Powers.

Mit der Schlacht um Iwojima haben sich Haggis und Eastwood eins der berühmtesten Ereignisse des Zweiten Weltkriegs angenommen und kreieren einen melancholischen Abgesang auf Heldentum im Genre des Kriegsfilms und auch in der Realität. Mit der Vorlage kann ich leider keine Vergleiche ziehen, der Film nähert sich dem großen Thema ziemlich differenziert und sensibel, ohne in kitschige Gefilde abzurutschen. Der patriotisch klingende Titel ist treffend gewählt für einen tragischen Antikriegsfilm wie „Flags of our Fathers“.

Bis auf eine große Schlacht-Sequenz (eine der besten überhaupt im Genre) gibt es wenig Action zu sehen und Eastwood setzt seinen Focus auf die Konflikte unterschiedlicher Betrachtungsweisen und wird seinem hohen historischen Anspruch vollauf gerecht. Weit weg von pathetischem Einheitsbrei, stellt „Flags of our Fathers“ ein vielschichtiges Drama dar. Dies funktioniert bestens, das liegt vor allem an dem komplexen Drehbuch in dem klischeehafte Dialoge vermieden werden, und darüber hinaus überzeugen die Schauspieler. Selbst die Hauptdarsteller Paul Walker und Ryan Phillippe gehen in ihren Rollen auf und verleihen ihren Charakteren ungeahnte Tiefe. Unter Eastwoods Führung scheinen sämtliche Darsteller zu Höchstform aufzulaufen, was seine Qualitäten als Regisseur deutlich unterstreicht.

Auch anderweitig beweist Multitalent Eastwood seine Fähigkeiten: Wieder schreib er die Filmmusik selbst und webt einen ergreifenden, aber niemals pathetischen Klang-Teppich, der unter die Haut geht. Kameramann Tom Stern gelingen großartige Aufnahmen, nicht umsonst arbeitet Eastwood schon das dritte Mal mit ihm zusammen. Auffällig ist die fahle Farbgebung, die dennoch eine gewisse Wärme besitzt und sehr viel zur intensiven Atmosphäre beiträgt. Das weltberühmte Foto, welches bei der Schlacht entstand wird perfekt in die Optik eingebaut und markiert eine der besten Szenen im Film.

Mit „Letters from Iwo Jima“ wird in der nächsten Zeit ein zweites Kriegs-Drama von Eastwood erscheinen, welches sich ebenfalls mit dieser Thematik befasst und primär die japanische Perspektive behandeln wird. Ein schwieriges Projekt, dessen erster Teil geglückt ist. Der zweite Teil wird für einen amerikanischen Film aber eine weitaus größere Herausforderung darstellt. Die Geschichte in „Flags of our Fathers“ ist abgeschlossen und wird im nächsten Film nicht fortgesetzt sondern lediglich ergänzt. Vielleicht wird das Gesamtbild vorliegendes Werk noch höher qualifizieren, man darf gespannt sein.

Fazit: Kein perfektes Meisterwerk, dennoch optisch und inhaltlich eine der eindrucksvollsten Big Budget Produktionen des Jahres 2006. Eine klare Empfehlung, nicht nur für Fans des Genres.

8,5 / 10

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