Klare Empfehlung und eine der intensivsten Auseinandersetzungen mit den Schrecken des Krieges sowohl an der Front als auch in der durch verdrehte Berichterstattung manipulierten Heimat.
Der Film erzählt die Erlebnisse der amerikanischen Soldaten, die in der Schlacht um die Pazifikinsel Iwojima die amerikanische Flagge hissten und durch die Fotografie davon zum Symbol des Durchhaltens und auch des Kriegssieges für die Amerikaner wurden.
Erschreckend, dass so gut wie jeder die berühmte Fotografie kennt (bei mir war sie sogar im Geschichtslehrbuch abgebildet), jedoch niemand die wirklich interessanten und erschreckenden Details kennt, die eigentlich mit zu der Geschichte gehören (sollten) und ein wesentlich kritischeres Bild der Geschehnisse zeichen. Dieses Versäumnis wird hier nachgeholt und vom meisterlichen Clint Eastwood auf ergreifendste Weise zurück ins Bewusstsein geholt.
Durch die Tatsache, dass der Film auf wahren Begebenheiten und den Berichten der beteiligten Soldaten basiert, kann man hier gar nicht von Dramaturgie im Sinne von vielleicht dazugedichteten Tragödien sprechen, sonder muss den Film ganz klar als Drama des Lebens beschreiben, als eine Hölle durch die die Protagonisten sowohl im Kampf um die Insel als auch im anschließenden (Show-)Kampf um Geld für den Krieg gehen mussten.
Die Verzahnung Eastwoods von verschiedensten Zeitebenen wurde vielfach als zu kompliziert und ungelungen beschrieben, da man der Ansicht war, es würde die Zuschauer immer wieder aus dem jeweiligen Geschehen reißen und so den Fluß und die Emotionalität stören.
Ich habe etwas vollkommen anderes erlebt. Nämlich einen Film dem es in unglaublich intensiver Weise gelingt, aufzuzeigen warum der Krieg Menschen verändert, warum sie nie wieder werden können wie sie waren, nämlich unschuldig. Und vor allem warum zurückgekehrte Soldaten mit ihren Gefühlen, Erlebnissen und Alpträumen im Frieden ihrer Heimat vollkommen allein gelassen werden - weil das Volk ein anderes Bild vom Krieg vermittelt bekommt und vielleicht auch kein anderes hören/glauben will.
Es ist unglaublich, welche Belastung auf den drei Männern lasten musste, während sie durch Showauftritte umjubelt von der Masse und gefeiert als Helden die sie nie sein wollten, um Kriegsanleihen werben mussten. Dabei jeder für sich unterschiedlich gut mit der Belastung umgehen konnten. Immer wieder wird dieser Handlungsstrang durch geschickt eingeflochtene Rückblicke oder nennen wir sie besser Flashbacks unterbrochen, die aufzeigen, was sie erlebt haben, durch welche Hölle sie gehen mussten, die sie später dann als etwas glorreiches, ehrenhaftes, ja vielleicht sogar romantisches verkaufen sollten, dass es niemals war.
Das Wechseln der Zeitebenen ermöglicht dabei dem Zuschauer das Innenleben, die Gefühle der drei "Helden" auf intensivste Art nachzuempfinden. Anders als wenn man die Geschichte einfach strukturiert, chronologisch hintereinanderweg erzählt hätte. Eine komplizierte Darstellungsweise, jedoch hervorragend von Eastwood umgesetzt, die somit ein wirkliches Mitfühlen auf bisher ungeahnte Weise möglich macht. Absoluter Höhepunkt ist die Besteigung des Pappmachee-Bergs im Stadion durch die drei Überlebenden um symbolisch und medienwirksam die Fahne erneut aufzustellen, während dessen sie von horrorartigen Erninnerungen an die grausamen Tode ihrer drei anderen Kameraden die mit ihnen auf dem Foto zu sehen sind heimgesucht werden. Erschreckend, bedrückend und brilliant gemacht!
Dieser Film rechnet innerhalb der Geschichte mit wirklich allem ab: Nicht nur Krieg an sich wird durch die ungewohnte Optik, ähnlich eines verblichenen Dokumentarfilms und massiven Einsatz von CGI und auch schonungslos dargestellten Verwundungen auf erschreckend realistische Weise nachempfunden. Auch wird in zweiter Instanz Kritik an jeglicher Kriegspropaganda geübt, die Krieg als etwas darzustellen versucht, was er nicht ist, nur um weitere junge Menschen anzulocken, die sich ehrenhaft als Held beweisen wollen oder beim Volk Geld zur Unterstützung des Krieges locker zu machen. Tragisch wie dabei unsere drei "Helden" als Galeonsfiguren von der Kriegsmaschinerie bzw. dem amerikanischen Staat ansich verheizt werden. Nur um sie dann später wieder fallen zu lassen und als Penner und Hausmeister enden zu lassen. Hinzu kommt die Kritik an der damaligen Rassistischen Haltung der weißen Amerikaner - was heißt hier damaligen? Trotz seiner Verdienste für sein (wirklich sein Land), trifft der "Häuptling" zurück in den Staaten auf unverhohlenen Rassismus. Kein Respekt, keine Würdigung - außer vielleicht die Inszenierte.
Erschreckend wie dieser Film den Zuschauern teilweise mit gehörigem Sarkasmus das Bild der Vergangenheit zurechtrückt. Ich persönlich kannte zwar das Foto, wusste wann und wo es entstand und wusste auch vom darauf basierenden Kriegerdenkmal. Aber davon, dass es schon am 5ten Tag der Schlacht entstand, während die Kämpfe um Iwojima noch einen weiteren Monat andauern sollten (ich dachte es wäre tatsächlich das "Finale") und auch über die unglaublichen Umstände, dass es das Foto der zweiten dort aufgestellten Fahne ist, sowie um den unglaublichen Hype um das Bild und seine Protagonisten, die anschließend gnadenlos von ihrer Regierung missbraucht wurden, wusste ich absolut gar nichts. Eine rigorose Abrechnung mit dem amerikanischen Staat, die auch heute immer noch Gültigkeit besitzt - man brauch sich nur mal Werbefilme der Marines anschauen.
Alle Umstände die durch das Vertauschen eines Namens einer der Fahnenaufsteller herbeigeführt wurden, finden dann bei der Feierlichen Enthüllung des Kriegerdenkmals ihren skurrilen, zynischen Höhepunkt - aber seht selbst, es ist wirklich unglaublich was sich diese verlogene amerikanische Regierung da geleistet hat. Absolut unpatriotisch!
Sehr schön ist das Ende in diesem Zusammenhang. Sozusagen eine nachträgliche Würdigung all der anderen die in diesem Krieg, speziell beim Kampf um diese Insel ihr Leben ließen und denen nicht diese, wenn auch etwas konstruierte und auch von den Betroffenen nicht gewollte, Ehre zuteil wurde. So wird am Anfang davon gesprochen, dass an diesem Tag viele Bilder gemacht worden sind, doch nur eines gelangte zu Ruhm (durch die Möglichkeit in ihm eine symbolische Tiefgründigkeit zu sehen - wenn man denn wollte und es auch nicht besser wusste). Nun werden während des Abspanns dutzende dieser anderen Bilder um die Schlacht von Iwojima gezeigt. Ein toller Ausklang für einen großartigen Film.
Nun bin ich gespannt auf Letters from Iwo Jima in dem Eastwood aus Sicht der Japaner, die alle getötet wurden, die Schlacht mittels deren Heimatkorrespondenzen rekonstruiert. Eine wahrscheinlich ganz andere Sichtweise auf den Krieg und auf den Staat könnten uns hier erwarten. Beide Filme zusammen zeigen wahrscheinlich einen Zusammenprall unterschiedlichster Kulturen.
Nach diesem wie ich doch meine Meisterwerk, darf man gespannt sein - den Golden Globe hat er für den "zweiten Teil" ja schon bekommen.
Volle 10 Punkte!