Review

Clint Eastwood ist nicht erst seit Erbarmungslos ein großer Regisseur, frühe Werke wie Honkytonk Man oder Weißer Jäger, Schwarzes Herz ließen schon erahnen, dass er zu mehr fähig ist als Actionware vom Band (auch wenn sie weit über der Norm waren) zu produzieren.
Seine Vielseitigkeit hat er in den letzten Jahren dennoch erst nach Erbarmungslos zeigen dürfen. Und erstmals nach Heartbreak Ridge (oder so ähnlich) wagt er sich an ein militäristisches Thema. Und erstmals arbeitet er hierbei mit Steven Spielberg zusammen. Mehr zu letzterem später...

Flags of our Fathers ist ein herrlich altmodisch wirkender Film, obwohl er augenscheinlich auf dem aktuellsten Stand ist, sowohl tricktechnisch als auch vom erzählerischen Tempo, Spezialeffekte und Rückblenden zeigen eindeutig, das dieser Film von heute ist. Auch die farbliche Durchleuchtung des Films zeigt eindeutig, dass man vom Soldaten James Ryan inspiriert ist. So fallen auch die Schlachtszenen ähnlich rabiat und visuel ansprechend aus wie in jenem Film.
Was ihn von aktuellen Filmen unterscheidet ist die Tatsache, dass der Film trotz des hektischen Themas immer sehr sehr ruhig wirkt.Ruhig und unaufgeregt.

Und so seltsam das jetzt wirken mag, genau deshalb wird der Inhalt des Films dadurch umso beunruhigender. Wenn man sieht, wie die drei Protagonisten von der Kriegsmaschinerie nahezu zermalmt werden, mit welcher Selbstverständlichkeit das alles passiert, dann ist man fast geneigt, als neutraler Zuschauer selbst daran zu verzweifeln.
Auch die Rückblenden, die das Schlachtengetümmel zeigen, sind auf eine seltsame Art und Weise sehr ruhig gehalten, dennoch dadurch auch seltsam intensiv.
So ist eine der intensivsten Stellen des Films als relativ neutral gehalten die zweite Flagge gehißt wird. Durch diese ruhige Erzählweise wird der Eindruck des Zynismus eigentlich nur mehr verstärkt. Man hat das unweigerlich das Gefühl des Verratenwerdens, und das obwohl man nicht einmal Amerikaner ist.

Ja, wie gesagt, Eastwood ist ein großer Meister seines Fachs, und er müßte sich lange schon nichts mehr von irgendjemandem vorschreiben lassen. Dafür hat er zuviel geleistet für das amerikanische Kino und dafür ist er zu souverän und zu lässig.
Und wäre dem tatsächlich so, dann wäre dieser Film tatsächlich das Meisterwerk, als das er konzipiert zu sein scheint.

Leider aber hat ein gewisser Steven Spielberg seine Finger mit im Spiel gehabt, und das scheint der einzige Mensch auf der Welt zu sein, der jedem Filmemacher auf der Welt etwas vorzuschreiben vermag.
Denn das Ende des Films zieht sich dermaßen hin, ist dermaßen rührselig im Vergleich zum Rest des Films gestaltet worden, versucht dermaßen verzweifelt noch einen gewissen Patriotismus aus dem korrumpierten (im besten Sinne des Wortes gemeint) Stoff herauszuholen, dass mir als Zuschauer schon wieder so übel wurde wie bei den meisten Spielberg Filmen erst gegen Ende, wenn dieser Mann sogar aus dem hoffnungslosesten Werk nur wegen dem Publikumseffekt ein Kaninchen aus dem Hut zauberte und alles nochmal gut wurde.
Es ist schade zu sehen, dass sogar ein Eastwood sich diesem "Kinomagier" unterordnen muß.
Schlecht wird Flags of our Fathers dadurch nicht, nur halt belangloser, fast schon "nur zu einem Nebenprodukt" von James Ryan. Und das ist schon ein bißchen schade.

Im Vergleich zu Letters from Iwo Jima muß ich im Gegensatz zu vielen Meinungen festhalten, dass Flags of our Fathers nicht wirklich der schlechtere Film ist, weil beide Filme total unterschiedlich angegangen werden. Beide Filme ergänzen sich auf wundersame Weise und zusammen ergeben sie ein wirklich großes Paket.
Dennoch das zähe Ende macht Flags of our Fathers letztendlich doch etwas schlechter als Letters from Iwo Jima, wenn auch nur marginal.

7 Punkte

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