Review

Wenn amerikanische Soldaten den Strand von Iwojima stürmen und vom Gegner niedergemetzelt werden, gefilmt in entsättigten Handkamerabildern, dann liegt ein Vergleich zwischen Clint Eastwoods „Flags of Our Fathers“ mit Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ relativ nahe. Schaut man sich beide Filme an, stechen zwei Unterschiede besonders in Auge: 1. Eastwoods Film ist weniger patriotisch und in seinem Grundtenor eher als Anti-Kriegsfilm zu bezeichnen. 2. Spielbergs Film ist deutlich besser inszeniert.

Die Sogwirkung und Erschütterung, die der Sturm auf die Normandie in Spielbergs Werk ausstrahlt, sucht man in „Flags of our Fathers“ vergeblich. Die Szenen wirken seltsam distanziert und steril und deutlich weniger unübersichtlich und durch die Montage mit Einstellungen aus anderen Perspektiven (feindliche Stellungen, Flugzeuge) ist die Wirkung deutlich weniger unmittelbar. Zwar wird mit Gewaltdarstellungen auch hier nicht gespart, aber insgesamt sind sie weniger drastisch, weniger realistisch und erschüttern auch nicht so stark, was wohl auch daran liegt, dass (im ganzen Film) nie Soldaten gezeigt werden, die in Todesangst nach ihrer Mutter schreien. Eine weitere Distanzierung wird (zumindest bei mir) durch den starken Einsatz von Computereffekten ausgelöst. Nun soll man einen Film natürlich nicht nach nur einer Szene beurteilen, aber die hier genannten Probleme ziehen sich im Prinzip durch den ganzen Film.

Dass durch die blassen Charaktere eine Identifikation relativ schwer fällt, wäre zu verschmerzen, wenn der ganze Film auf das Prinzip von der sterbenden anonymen Masse aufgebaut wäre, aber wenn es dann schon Protagonisten gibt, nämlich die drei Überlebenden des berühmten Fotos der gehissten Flagge auf Iwojima, hätte man sie auch mit charismatischen Eigenschaften ausstatten können. Stattdessen waren mir die drei durch eher durchschnittliche Schauspieler verkörperten Herren die meiste Zeit herzlich egal. Wenn dann noch stellenweise unpassend gewählte Filmmusik, ein langsames Erzähltempo und eine eher sinnlos asynchrone Erzählweise dazu kommen, hat es der Film schwer, mich noch mit irgendetwas zu überzeugen.

Es tut mir irgendwie im Herzen weh, denn eigentlich habe ich hier endlich den Kriegsfilm, den ich mir nach „Der Soldaten James Ryan“ gewünscht habe: Kein Patriotismus, kein Pathos und keine Heldenverehrung. Das alleine reicht aber leider nicht.

5.5/10

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