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Hollywoods Multitalent Clint Eastwood, bekannt geworden durch eine Reihe klassischer Western und die Figur des Dirty Harry, hat sich bereits vor vielen Jahren auf dem Regiestuhl als einer der künstlerisch anspruchsvollsten und intelligentesten Filmemacher Amerikas erwiesen. Mit seinem zweiteiligen Kriegsfilm-Projekt über die Schlacht um Iwo Jima im Zweiten Weltkrieg ist er seiner Tradition von kritischen Betrachtungen gesellschaftlicher Probleme treu geblieben.

Dabei ist der erste Part, "Flags of our Fathers", der die Schlacht und den historischen Kontext aus amerikanischer Perspektive beleuchtet, gleichermaßen ein wuchtig bebildertes Mahnmal gegen den Wahnsinn des Krieges und eine hintergründige Analyse der Propaganda-Mechanismen, mit denen das Volk geblendet und in eine bestimmte Richtung geführt (hier nämlich, Kriegsanleihen zu kaufen) und die Soldaten selbst als glorreiche Helden präsentiert werden - egal, ob sie das, wofür sie geehrt werden, tatsächlich getan haben oder nicht. Was zählt, ist einzig das Bild, das nach außen, an die große Masse, vermittelt wird. Was das angeht, hat sich also scheinbar seit dem Zweiten Weltkrieg nichts in der westlichen Gesellschaft verändert.

Was "Flags of our Fathers" von vielen anderen Kriegsfilmen abhebt, ist die außergewöhnliche formale Strenge, mit der Eastwood inszeniert. Von Anfang an springt der Film zwischen drei verschiedenen Zeitebenen hin und her. Das mag zunächst ein wenig verwirrend scheinen, erweist sich aber schließlich als stilistischer Geniestreich, der nicht nur einzelne Aspekte der Handlung so lange verschweigen kann, dass sie die anfangs gezeigten Ereignisse in ein neues Licht rücken, sondern der auch selbst den grausamsten Momenten des Films eine gewisse Ästhetik verleiht. Denn wenn die amerikanischen Truppen auf Iwo Jima landen und das große Sterben beginnt, fühlt man sich schnell an Filme wie "Full Metal Jacket" oder "Der Soldat James Ryan" erinnert. Die bestialische Gewalt, die hier in monotonen, grau-braunen Farben gezeigt wird, macht die Perversion des Kriegs hautnah spürbar. Schnelle Kameraschwenks und Schnitte zeigen zerfetzte Körper, abgerissene Köpfe, von Leichen übersäte Strände, brennende Menschen. Diese Grausamkeiten werden durch die wiederholten Sprünge in den Zeitebenen nicht nur erträglicher, sondern führen die "Verkaufsreise" der drei jungen Soldaten, die als Helden von Iwo Jima präsentiert werden, ad absurdum. Wieder einmal beweist Eastwood sein Gespür für ebenso kritische wie elegante und vielschichtige Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Problemstellungen.

Auch wenn am Ende ein wenig der altbekannte amerikanische Pathos durchschimmert, überzeugt "Flags of our Fathers" als differenzierte Betrachtung historisch verklärter Ereignisse und bietet dabei sogar implizite Parallelen zu den Mechanismen, mit denen noch heute der Großteil der Bevölkerung von einigen Wenigen manipuliert wird. Wie leicht es ist, mit Hilfe der Medien Millionen von Menschen eine verzerrte oder gar falsche Wirklichkeit vorzugaukeln, macht dieser Film erschreckend deutlich. Und so leistet Eastwood einen filmisch ästhetischen, inhaltlich intelligenten Beitrag dazu, aus der Geschichte zu lernen - dem wichtigsten Zweck, den die Geschichte für uns haben sollte.

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