Review

1836.
Der Krieg mit Mexiko ist aus, als Folge ist die neue Republik Texas entstanden. Präsident Houston bemüht sich um Anschluss an die Vereinigten Staaten von Amerika, aber rebellische Kräfte konspirieren gegen ihn. Da schickt er seinen Kundschafter Erastus 'Deaf' Smith [ Anthony Quinn ] samt Kumpel Johnny [ Franco Nero ] in die Gegend...

Die Synopsis wird gleich zweimal an den Anfang des Filmes gestellt, als voice over von Johnny und zeitversetzt anhand von Schrifttafeln, trotzdem interessiert das Was und Wie hierbei eindeutig weniger. Der Film lebt allein von der Spielfreude und dem Charisma seiner zwei Hauptdarsteller und hat abseits davon zumindest in der ersten Hälfte das ganz arge Problem, dass das Skript nur aus Fragmenten besteht.
So sehen die anfänglichen 40min auch eher wie willkürlich aneinander gereihte no good Takes aus; man könnte fast meinen, der Cutter hat im Schneideraum den Überblick verloren. Selbst auf die versprechende Ausgangsidee wird eine Weile lang gar nicht zurückgegriffen, sondern sich einfach nur um das Abklappern verschiedener Schauplätze gekümmert, die nur wenig mit der Rahmenhandlung zu tun haben. Die Anschlüsse dazwischen sind nicht nur holprig, sondern existieren teilweise schlichtweg nicht; der Struktur mangelt es öfters an Aufbau und Abschluss, so dass ein sehr zusammengestückelter Prolog entsteht. Dieser wird dann auch nur von Quinn und Nero mühsam zusammengehalten und bringt ansonsten ausser unnötigem Füllwerk keinerlei Nutzen für den Film. Es wird kein Konzept aus dem präfixierten Material entwickelt. Die Wegweiser fehlen, das Bewegungsprinzip verharrt, der Inhalt wird aus dem Blickwinkel gedrängt.

Zum Glück ändert sich das in der zweiten Hälfte stark zum Besseren, wobei die diesmal in sich geschlossene Episode eigentlich mehr oder minder einen reinen Showdown darstellt und damit als Antwort auf die Prämisse nicht mehr viel falsch machen kann. Nachdem beide nach ausgiebigem Puffbesuch, halbherziger Barschlägerei und anderen dünnen "Erkundungen" die Stadt Austin wieder verlassen haben und wohl blindlings der Nase nach in die Wüste geritten sind, entdecken sie dort per Drüberstolpern das Hauptquartier des feindlich gesonnenen Generals Lucius Morton [ Franco Graziosi ]. Dieser kandidiert zwar offiziell als Präsident von Texas, will sich aber lieber als Diktator von New Mexico aufspielen und hat zu dem Zweck auch aus dem Ausland wirkungsvolle Waffen importiert: Goldene Gatlings.
Unsere beiden Haudegen zerstreiten sich dann erstmal über ihre Ziele - Johnny hat mittlerweile die Hure Susie [ Pamela Tiffin ] kennen- und liebengelernt - , kommen aber dann wieder zusammen und nehmen im finalen Alleingang das gegnerische Fort mit Kugeln und Dynamit auseinander.

Das wars schon an Plot, mehr ein Treatment als ein komplettes Skript, was man dem Ergebnis auch deutlich ansieht. Die gesamte Zeit weht der Eindruck von Unfertigkeit von der Leinwand; motivische Bestandteile des anfänglichen Gemenges werden nur verschwommen und mit Vermutungen erkennbar, was noch durch den kruden Mix aus amerikanischen und italienischen Genrevorgaben verstärkt wird. Die eigentlich mehr als straighte Storyline wird durch die wirre und dadurch lasche Exposition unnötig hinausgezögert und hat durch die Verschleppung später einige Mühe, überhaupt zum Zuge zu kommen. So halbwegs gelingen tut es dann vor allem durch die bravourösen Akteure, die mit deutlicher Freude an der Sache dabei sind und gleichzeitig auch überzeugendes Schauspiel für derlei Setting abliefern. Beide Charaktere haben ihre Macken und sind diesmal auch unüblich vom Heldenschema gezeichnet: Johnny hat so gar keine Lust, sein Leben für andere zu riskieren, sondern will lieber eine ordentliche Nummer schieben und reich werden. Erastus auf der anderen Seite ist gar taubstumm und dazu auch noch etwas betagt; beiden will man anfangs wohl kaum die Sicherheit der Nation anvertrauen.
Aus dem Zusammenspiel der verschiedenen Charaktere und die Chemie seiner Darsteller ergibt sich der meiste Zugewinn des Filmes; sie ergänzen nicht nur perfekt den anderen, sondern kompensieren viele Löcher der Narration.

Ausreichend ist das nicht für einen guten Film, da sich auch Cavaras handwerkliches Bemühen in Grenzen hält. Seine Inszenierung unterscheidet das Sinnlose nicht von dem Sinnhaltigen und löst Realität und Spiel filmisch gleichsam, fast distanziert auf. So bleiben als Grundton wirklich nur viel nicht beachteter Subtext, einige logische Probleme und die humanistische Botschaft über, die sich irgendwie mit den Schauspielern durchmogelt.

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