So richtig in die Westernecke lässt sich der Streifen nicht stecken, denn er versteht sich wohl eher als Beleuchtung historischer Ereignisse. Dabei handelt es sich um ein dunkles Kapitel in der Geschichte des amerikanischen Kontinents, nämlich der Unterdrückung der Indianer.
Der Film beginnt mit einem letzten Angriff auf einen Indianerstamm und es folgt eine genauere Erläuterung der darauf folgenden Ereignisse um die Verbringung der Indianer in Reservate. Eine Stimme aus dem Off erklärt dies und die dazu gehörige Figur bekommt man schon bald darauf präsentiert. Sie wird verkörpert von dem noch sehr jungen Matt Damon. Im Verlauf des Filmes wird man seine Beschreibungen noch sehr oft hören, er begleitet den gesamten Film und ist manches Mal mehr zu hören, als zu sehen. Eine wirkliche Schlüsselposition nimmt Damons Charakter nicht ein. Er ist eher der Beobachter. Nichts desto weniger ist er sehr wichtig. Vornehmlich dreht es sich ja um Geronimo, der sich als einer der letzten Indianer ergibt und in die Reservation kommt. Durch einige Spannungen kommt es zum Eklat und aus einer ungerechten Behandlung der Amerikaner erwächst ein Aufstand, dessen Anführer Geronimo ist. Auf viele verschiedene Arten versucht man dem mordenden Indianer habhaft zu werden, doch scheitert nicht selten. Erst einem sehr verständnisvoller Soldat und einigen erfahrenen Gefolgsleuten gelingt es, den Apachenkrieger zur Aufgabe zu bewegen und damit ist der letzte Funken Hoffnung der Indianer, auf Freiheit gestorben. Viele Todesopfer forderte dieser Geronimo Feldzug und diejenigen, die am schlimmsten dabei waren, sind sicher nicht die Indianer gewesen.
Wer den Namen Walter Hill in Zusammenhang mit dem Westerngenre hört, der denkt sicher an „Long Riders“ oder „Wild Bill“. Hill hat einige historische Figuren näher beleuchtet. „Long Riders“ befasst sich mit Jesse James und seiner Bande, wobei der Regisseur hier ein wahres Novum in der Filmgeschichte einbrachte. Sämtliche Brüder der James Bande, werden hier auch von echten Brüdern in der Schauspielerriege verkörpert. So erlebt man David Carradine und seine Brüder, Stacy Keach und seinen Bruder und Randy Quaid und dessen Bruder Dennis Quaid, sowie die Brüder Christopher und Nicholas Guest. Der Film ist von der Inszenierung her wahrlich gelungen und sehr unterhaltsam und besticht besonders in den Szenen zu Pferde und den Schusswechseln, respektive, Überfällen. In „Wild Bill“ beleuchtete Hill dann die Geschichte um Wild Bill Hickock, der ein Mann des Gesetzes war und mit sehr harten Methoden für Recht und Ordnung kämpfte. Sein Alkoholkonsum führte zu einem Folgenschweren Ereignis, er erschoss aus Versehen einen seiner Hilfsscherriffs. Eines natürlichen Todes starb Wild Bill Hickock einige Jahre danach auch nicht. Der Film beleuchtet eine wahre historische Begebenheit ebenfalls auf sehr unterhaltsame Art und Weise und besticht hier abermals durch gelungene Action und optische Inszenierung.
Ich kenne mich mit den Western von Sam Peckinpah nicht aus, doch habe darüber schon einiges gehört. Anhand dessen würde ich Walter Hill als dessen visuell gestalterischen Nachfolger sehen, denn seine Actionszenen sind nicht selten gewalttätig und verfallen auch gern in ansprechende Zeitlupen.
Genau dieses kann der geneigte Freund von Hills Western auch in dem 1993 entstandenen „Geronimo“ erleben und somit fesselt der Streifen zumindest aus visueller Sicht. Visuell beeindruckend ist der Film aber nicht nur in Richtung Action, sondern auch so, denn man schwelgt in herrlichen Naturaufnahmen, die zuweilen aber auch mit einem gewöhnungsbedürftigen Filter versehen wurden. Ich weiß ja nicht, was es soll, hier über den oberen Teil des Bildes einen orangenen Filter zu legen, der weder nach Morgendämmerung, noch nach der des Abends aussieht. An diesem Punkt könnten sich Puristen deutlich stören, die auf Realismus Wert legen. Anlass zu Kritik gibt aber ebenso die Inszenierung der Geschichte, beziehungsweise das zu Grunde liegende Drehbuch. „Geronimo“ hätte eine wesentlich längere Filmdauer benötigt, als 120 Minuten. Mindestens wären 240 Minuten erforderlich gewesen, wie bei Kevin Costners „Der mit dem Wolf tanzt“. Warum das so ist wird auch ohne Kenntnis der geschichtlichen Hintergründe deutlich. Alle Figuren bleiben blass und man baut keine rechte Beziehung auf, weder zu den Indianern noch zu den Amerikanern. Es fehlt an den nötigen Beleuchtungen der Figuren, den Handlungen außerhalb der Kämpfe. Das wenige, was geboten wird reicht bei weitem nicht aus. Zudem quetscht man zu viele Ereignisse in die Laufzeit und verkommt damit zur Momentaufnahme. Das Geschehen ist nicht wirklich passend miteinander Verbunden und so wirkt „Geronimo“ holprig. Es ist etwas enttäuschend, zu sehen, wie ein unheimlich interessanter Stoff nicht so umgesetzt wird, wie er es verdient. An den aufgebotenen Darstellern liegt es meiner Meinung nach nicht. Gene Hackman ist in allen Filmen gut und versteht es hier ebenso Akzente zu setzen. Leider sind seine Szenen viel zu kurz und besitzen nicht, den schon bemängelten, nötigen Tiefgang. Nicht ganz so schlecht kommt Robert Duvall weg, der in seiner filmischen Karriere ja schon gegen John Wayne antreten durfte. Verständlich, warum Kevin Costner ihn für „Open Range“ als Frontmann geholt hatte, Duvall besitzt Ausstrahlung und zeigt dies auch hier. Er passt ganz gut in seine Rolle und hat einige schöne Dialogszenen. Besonders gefallen hat mir da der Schlagabtausch mit Jason Patric, der den Indianerfreund Lt. Greenwood verkörpert. Patric dürfte den Actionfans wohl eher als Keanu Reeves Nachfolger in „Speed 2“ ein Begriff sein. Zu seiner Leistung in „Geronimo“ kann ich sagen, sie ist nicht schlechter als in „Speed 2“. Das ist gut, aber auch weniger gut, denn somit weiß man, er ist nicht sonderlich gefordert und das, trotz dass er eine der wichtigsten Parts im Film einnimmt und sehr oft zu sehen ist. Der Mann um den sich aber alles dreht ist Geronimo und der wird gespielt von Wes Studi. Studis markantes Gesicht kennt der Filmkundige aus so manchem Western und Abenteuerfilm der neueren Zeit. Er wirkte in „Der mit dem Wolf tanzt“ als gefährlicher Indianer mit und war auch in „Der letzte Mohikaner“, mit Daniel Day Lewis, zu sehen. Den Indianer Geronimo kann er das nötige Format verleihen, jedoch bleibt die Figur dennoch blass. Ich hätte mir wesentlich mehr Szenen gewünscht, die die Figur näher beleuchten und mehr Leistungen von Wes Studi zeigen. Studi schafft es auch schwächeren Figuren, wie Sagat in „Street Fighter“ und Hanover in „Octalus – Deep Rising“ etwas Besonderes einzuhauchen.
Ich bin von Walter Hills „Geronimo“ nicht wirklich enttäuscht, denn der Film bietet doch einiges an unterhaltsamen Szenen und versteht es besonders vom Visuellen und Actionmäßigen zu überzeugen. Die Schusswechsel sind beeindruckend und die Kämpfe mit den Indianern durchaus sehr gut in Szene gesetzt. Schade ist, dass es am nötigen Tiefgang fehlt, denn die behandelte Geschichte ist doch sehr wichtig in Hinblick auf die Geschichte der Amerikaner. Vielleicht rührt der mangelnde Tiefgang ja daher. Es ist ein unrühmliches Kapitel und ein Punkt den ich den Amerikanern auch heute noch zum Vorwurf mache. Wie menschenverachtend wurde dieser Part doch geführt und wie sehr hat man den Ureinwohnern, den Indianern mit diesem Vorgehen geschadet. Die Amerikaner sind Mörder an einem Volk, das sie vertrieben, verfolgt und verdrängt haben um ihre Zivilisation zu etablieren. Geronimo findet im Film verständliche Worte, die auch heute noch für Unverständnis für die Taten des amerikanischen Volkes bei mir sorgen. Ein unrühmliches Kapitel gegen das die Gräuel der Indianer scheinbar verblassen. Scheinbar wollte Hill hier nicht zu deutlich Partei ergreifen, denn das hätte gegen einen Erfolg im eigenen Land gestanden. So vermeidet es der Regisseur bei den jeweiligen Szenen in die Extreme zu gehen und vermeidet dadurch, dass der Zuschauer seine Sympathien in Richtung Indianer lenkt, oder umgekehrt. Oberflächlich betrachtet könnte man dem Regisseur unterstellen er hätte nicht das nötige Können um eine Geschichte ansprechen und vor allem spannend zu inszenieren. Dies Argument wird spätestens bei der Saloon Szene im letzten Drittel des Filmes negiert. Hier sind einige der Hauptfiguren, brutalen Kopfgeldjägern auf der Spur, die aus Geldgier wehrlose Indianer abschlachten und Skalpieren. Dass es seinerzeit für die Skalps, Geld gegeben hat ist echt der Hammer. Nun, jedenfalls stellt man die Mörder in dem mexikanischen Saloon zur Rede und es folgt eine Nerven zehrend spannende Szene, an dessen Ende es zum tödlichen Gefecht kommt. Diese Szene ist für mich die beste des gesamten Streifens gewesen und in Sachen Spannungsaufbau und Ablauf ungemein gelungen. Wäre der gesamte Film so, wäre „Geronimo“ ein erstklassiger Streifen. Er ist trotz allem sehr unterhaltsam.
Etwas besser scheint den geschichtlichen Hintergrund wohl der 1962 entstandene „Das letzte Kommando“ zu beleuchten. Ich hoffe ich kann bald einmal einen näheren Blick auf diesen Film, mit Chuck Connors und Adam West, werfen.