Eines vorweg: Ich würdige den Ansatz des Filmes. Es gibt wenige moderne Filme über die "Helden" der indigenen Bevölkerung Amerikas (von Kolumbus Indianer genannt). Und noch weniger Filme, die die Kultur der sog. Indianer anerkennen und auch noch den Landraub und Völkermord an ihnen kritisieren.
Zusätzlich macht der Film sich aber auch verdient nicht schwarz-weiß zu zeichnen. So einfach sind die Dinge nämlich nicht.
Realistisch wird ein Bild gezeichnet, dass es auf beiden Seiten auch Bemühungen um Verständnis und Frieden gibt. Dieses scheitert aber am politischen Willen auf Seiten der Amerikaner und auf Seiten der Indianer lange an unrealistischen Ideen und einer Konzeptlosigkeit im Ganzen. Realistisch wird gezeigt, dass es eben nicht "die Indianer" gab. Die einzelnen indigenen Völker und Stämme waren tief zerstritten und paktierten nach Belieben mit den amerikanischen Neusiedlern und schadeten sich somit auch selbst immer wieder.
Dazu ist der Streifen auch wirklich gut besetzt. Für mich war es ungewohnt Gene Hackman mal als "Guten" und Sympathieträger zu sehen, statt wie meist als sadistischen Erzbösewicht. Die Tatsache, dass er auch hier brilliert, beweist sein Talent.
Dann haben wir auf der Haben-Seite auch noch indigene Darsteller und indigene Sprache und einen charismatischen Geronimo, die unabdingbar sind, damit der Film sich ernst nehmen kann.
Wie zur Hölle ist dann meine eher bescheidene Bepunktung zu verstehen?
Wie so oft liegt es am Drehbuch, welches sich verzettelt. Dazu kommen Probleme bei der Fokussetzung und beim Finden der Zielgruppe (Kritiker vs. Cineasten vs. Popkornkino).
Wir erfahren fast nichts über Geronimos Geschichte. In wenigen Sätzen handelt er selbst seine Vorgeschichte ab.
Die Motivation für seinen Kampf stellt er zweimal, dann aber höchst unterschiedlich dar: Erst geht es ihm um Rache (an den Mexikanern wohl gemerkt, da diese seine Familie getötet haben), dann will er sich selbst nicht verlieren (womit er scheinbar den Kampf gegen die Amerikaner rechtfertigt) - letztendlich will er die aufgezwungene Lebensweise nicht akzeptieren. Final stellt der Film es so dar, als würde er aus religiösen Gründen (und aus Mitleid gegenüber einigen Kampfgefährten) aufgeben. Das mag alles so sein, wird dem Zuschauer aber nur bedingt durch Bilder einsichtig gemacht.
Aber auch auf inhaltlicher Ebene wird kaum etwas geboten. Um die Gräuel der Amerikaner gegen die Indianer wirklich anzuprangern wird zu wenig gezeigt. Auch Geronimos Kampf wird kaum gezeigt - eine Heroisierung wird damit gekonnt umgangen, aber auch um den Preis von Spannung, Mitfiebern, zusätzlicher Sympathie (über den gezeigten Charakter hinaus). Geronimo zeigt sich einsichtig als ein Mann, der viele getötet hat. Er selbst sieht sich aber nicht als Mörder. Er trennt zwischen Soldatentum/Krieg und feigem Mord, wobei auch bei ihm die Grenzen verschwimmen, wenn er wehrlose Siedler tötet.
Optisch bietet der Film, abgesehen von wenigen schönen Großaufnahmen und den schamanischen Indianertänzen, fast nichts. Für einen Western ist das schon eine bemerkenswerte Negativleistung. Ist dies doch eigentlich eine Paradedisziplin des Western. Der Film bemüht sich auf allen Ebenen "anti" zu sein und das fällt ihm oftmals auf die Füße. Auch die Farbfilter sind gewöhnungsbedürftig. Sie sollen vermutlich allem einen tristen, ernsten und realistischen Look verleihen. Das gelingt teilweise, nimmt dem Film aber auch die Brillianz, die er für ein großes Publikum gebraucht hätte. Geronimo war kein großer Erfolg an der Kinokasse und mir ist nach der Sichtung auch klar warum. Mit den gezeigten Zutaten lockt man nicht Leute in Scharen an, so ehrenwert die Motivation auch ist.
Unterm Strich erfahren wir von Geronimo sehr wenig. Wir sehen einen zerrissenen Mann, mit manchmal unklarer Motivation, der das tut, was er für richtig hält. Sein Verdienst ist, dass er dabei anscheinend nie zum Fanatiker wird, trotz aller Gräuel, die er erlebt und teils auch selber begeht.
Der Film hat wie eingangs lange erwähnt seine Verdienste. Aus diesem Grund habe ich ihm auch diese Rezension gewidmet. Ich gebe auch durchaus - trotz der überschaubaren Punktzahl - eine Empfehlung zum Ansehen. Aber ein großer Wiederschauwert ist hier nicht gegeben, Hier ist kein Klassiker entstanden, weil man sich verzettelt hat: zu geringe Spielzeit, zu viele Hauptcharaktere (teils ungenügende Charakterschärfung), ungenügende Fokusierung (Krieg ohne diesen in seinem Schrecken für beide Seiten grafisch zu zeigen), ein Film ohne Schauwerte und letztendlich ohne richtigen Anker (dazu im letzten Abschnitt mehr), ein Blatt im Wind, schnell vergangen und vergessen - leider.
Daher sind 5 von 10 Punkten auch angebracht (und das von einem Western- und Historienfilmfan). Es steht zu hoffen, dass den großen "Helden" der indigenen Völker mehr Filme gewidmet werden. Für deren Popularität und weitere Anerkennung bräuchte es eher einen Film im Stile eines Bravehearts denn dieses Streifens hier. Anti und schmutzig sind gute Zutaten, um sich von der Masse abzuheben, aber die Menge macht es. Größe ohne das Zeigen großer Taten zu visualisieren ist eine Leistung, die schwierig ist. Wenn wir dann auch noch eher wortkarge Helden haben, die wenig Emotionen zeigen, dann ist ein allseitiges Dilemma (der Zuschauer findet keinen Anker, weder auf emotionaler Ebene erhält er genug, noch auf visueller, noch auf inhaltlicher) erreicht und genau in selbigem verfängt sich dieser Streifen unter anderem.