Review

Eine seichte Komödie wie diese würde man Regie-Ikone Ron Howard kaum zutrauen, wenn man nicht wüsste: Es war Anfang der 80er, Michael Keaton wartete auf seine erste bedeutende Rolle als Durchgeknallter und die Idee, dass zwei Typen eine Leichenhalle als Zentrale für die Vermittlung von Prostituierten umfunktionieren, ist im Kern ja gar nicht mal übel.
Charmant ist das Ganze tatsächlich, doch das Script steuert recht unentschlossen ins Nichts und bleibt am Ende eine Pointe schuldig.

Vielleicht auch, weil es sich viel Zeit für die drei Hauptfiguren nimmt: Chuck (Henry Winkler) arbeitet seit Jahren als Wächter in der Leichenhalle, wird zum Nachtdienst verdonnert und bekommt als neuen Partner den hyperaktiven Bill (Michael Keaton) zugeteilt, der ihn mit seinen unzähligen Ideen ständig auf die Nerven geht. Als Belinda (Shelley Long), eine Prostituierte und Nachbarin Chucks ihren Pimp, ihren Zuhälter auf tragische Weise verliert, kommt Bill die zündende Idee, ein lukratives Geschäft mit den Prostituierten des Stadtteils aufzubauen…

Bei dieser Figurenkonstellation lässt sich bereits früh erahnen, welche erzählerischen Wege das Drehbuch einschlagen wird, denn der brave Chuck ist mit einer viel zu anstrengenden Frau verlobt und hat sogleich ein Auge auf die attraktive Belinda geworfen, die aber eben als Prostituierte arbeitet. Wirrungen und Missverständnisse inbegriffen…
Noch deutlicher zeichnet sich das Verhältnis zwischen Bill und Chuck ab. Chuck ist von Bills Dauergeplapper genervt, geht erst zögerlich auf dessen Geschäftsidee ein, doch wenn etwas aus den Fugen gerät, werden sich beide gegenseitig die größte Vorwürfe machen und erst ganz am Ende wieder zueinander finden.
Immerhin machen zwei der Figuren eine sichtliche Entwicklung durch und davon ist der von Keaton verkörperte Charakter von vornherein ausgeschlossen.

Was die leichte Sozialkritik betrifft, so wird der Job einer Prostituierten nahezu glorifiziert, nur selten werden ernsthafte Probleme wie Druck durch den Zuhälter oder Ärger durch einen Freier angesprochen, man traut sich kaum, auch mal ernste Töne anzuschlagen und wenn, wird dies durch eine kleine Schießerei zwischen zwei Cops und zwei Zuhältern bereinigt.
Für die Gags sind indes Winkler und Keaton zuständig. Keaton durch einige markige Sprüche, die im unaufhaltsamen Strom seiner schnell gesprochenen Sätze ab und an hängen bleiben („ich hoffe, der Boden hat sich nichts gebrochen…“) und Winkler eher für die stillen Gags, wie der Angriff einer jungen Pfadfinder-Gruppe oder der Running Gag mit dem wilden Hund im Hausflur, der im Off sogar um einiges witziger ausfällt.
Schenkelklopfer sollte man nicht erwarten, doch ein paar gelungene Schmunzler hält das Drehbuch durchaus parat.

Auf atmosphärischer Seite punkten teilweise die sumpfig wirkenden Stadtteile New Yorks, begleitet von treffend schwülstigen Tönen, die leider zu oft von einem furchtbar arrangierten „That´s what Friends are for“ unterbrochen werden, wann immer Chuck und Belinda aufeinander treffen.
Demgegenüber wirkt die Leichenhalle keineswegs düster, da suggeriert der deutsche Titel ohnehin eine etwas andere Richtung, als man tatsächlich einschlägt.

Merkmale der klassischen Screwball-Comedy bleiben also keineswegs aus, am Ende werden die richtigen, trotz zahlreicher Hindernisse, zueinander finden. Was jedoch die Grundidee, das sanfte Geschäft mit der Prostitution betrifft, rudert man ins Leere. Nach langer Anlaufzeit kommt die Idee erst ins Gespräch, doch sobald der Höhepunkt erreicht ist und erste Hindernisse auftauchen, wird keine zufrieden stellende Lösung angeboten, auch wenn ein Happy End deutlich zu verzeichnen ist und in einem elitären Etablissement ein wenig Unruhe gestiftet wird.
Vielleicht wollte Ron Howard auch gar keine bissige Parodie erschaffen, sondern lediglich auf ganz harmlose, beinahe altbacken wirkende Weise unterhalten, so ist ihm das zumindest größtenteils gelungen.
6 von 10

Details
Ähnliche Filme