Eine weitere „Saw“ – Kopie gefällig?
Dann könnte dieser Film Gelüste auf fiese Spielchen vorübergehend befriedigen, auch wenn der kompletten Idee jegliche Originalität fehlt.
Denn schließlich ist es ein reichlich gelutschter Drops, erneut eine Situation wie in „Cube“ oder „House of 9“ herbeizuführen, nur um junge Amerikaner, die gerade erst Anfang 20 sind, auf sadistische Art und Weise um ihr Leben spielen zu lassen.
Sechs sind es an der Zahl, wenn man einmal von Tara absieht, die bereits vor den Credits ihr Gesicht in Säure taucht. Alle „Kandidaten“ erwachen in einer leerstehenden, von der Außenwelt isolierten Fabrik und wähnen sich zunächst in der Reality-Show „Are you scared“, wo sie sich, ähnlich dem Prinzip von „Fear Factor“ ihren persönlichen Ängsten stellen wollen.
Doch die Gruppe erfährt schnell, dass der Showmaster im Monitorraum Spiele auf Leben und Tod konzipiert hat und es aus der Fabrikhalle kein Entkommen zu geben scheint.
Den Ablauf darf man sich, am Beispiel des ersten Kandidaten, wie folgt vorstellen: Der Typ sieht seinen Einspieler von der Vorstellung für die Show, bei der er äußert, dass seine größte Angst sei, während einer Operation aufzuwachen. Nun wird ihm eine Minute Zeit gegeben, einen Schlüssel zu finden, bevor er explodiert. Da der Kerl einen frischen Verband um den Bauch trägt, lässt sich vermuten, wo der Schlüssel untergebracht wurde.
Ähnlich wurden die übrigen Spiele konzipiert, es geht um Verlustangst, Angst vor Dunkelheit und vor Keimen. In diesem Zusammenhang kann man sich bereits Heldin Kelly vormerken, deren größte Angst es ist, dass jemand von ihrem Geheimnis erfährt.
Sie ist auch die erste, die es nach einer ganzen Weile endlich schafft, die zahlreichen Kameras in der Halle zu zerstören, damit der Typ im Monitorraum ein wenig angepisst ist und seine Pläne umstellen muss.
Außerhalb der Folterspielchen agieren noch ein Detective und ein weiblicher Special-Agent, weil der Killer im Vorfeld Spuren hinterlassen hat, um die beiden bewusst auf seine Fährte zu führen, - das übliche Spiel eines Durchgeknallten, der an maßloser Selbstüberschätzung leidet.
Der Bösewicht selbst agiert konzentriert und gelassen und genießt es, seine Kandidaten leiden zu sehen. Er hat ein entstelltes Gesicht, trägt aber einen maßgeschneiderten Anzug und spricht per Distortion zu den Kandidaten. Über sein Motiv erfährt man etwas gegen Finale etwas. Das entspricht zwar seinem Größenwahn, bringt aber leider auch eine Menge Unwahrscheinlichkeiten mit sich und wenn man meint, die Sache habe sich bereits erledigt, setzt man noch eine hanebüchene Szene obendrauf, was dem vorangegangenen, durchaus fesselnden Ablauf, ein paar Einbußen beschert.
Dennoch jigsawt es gewaltig, die Spielchen erreichen zwar nicht die Boshaftigkeit des Vorbildes, bringen aber spannende, sowie temporeiche und sauber getimte Szenen mit sich. Und ein paar mehr oder minder gelungene Splatter Effekte, wie Bohrer im Schädel, eine Enthauptung, eine offene Bauchwunde mit heraushängendem Gedärm und die Zerspaltung eines Kopfes.
Mich persönlich hat das Spiel mit den Ängsten über die Runden recht ordentlich unterhalten. Die vielen kleinen Logiklücken mal einfach übersehen und einen Dreck um Zwischenmenschliches geschert, was außerhalb sadistischer Spiele ohnehin nicht von Bedeutung ist.
Wem es also gleich ist, dass keiner der Figuren außer einem Vornamen keine Eigenart zugewiesen bekommt und sich nicht weiter daran stört, dass die Spielchen seit „Saw“ eben keineswegs neu sind und auch sonst wenig Innovatives aufweisen können, sollte einen Blick riskieren.
Nur nicht enttäuscht sein, weil der Streifen eben zu keiner Zeit an sein Vorbild heranreicht.
6 von 10