Review

Man scheint sich bei diesem Film auf das Stichwort "Entspannung" geeinigt zu haben, doch die liegt schon weitgehend im Auge des Betrachters. Und was dem einen Entspannung ist dem anderen Ärgernis.
Es ist natürlich vermessen, jedem Film krampfhaft irgendwelche Botschaften, Tiefgründigkeit und soziales Bewußtsein abringen zu wollen, gute Unterhaltung hat einen eigenen Wert und die Welt des bewegten Bildes ist groß, doch "Out of Sight" ist schlicht gar nichts.
Beginnend beim Drehbuch (bzw. vermutlich schon bei der Buchvorlage), dessen Bedeutung für einen Film oft unterschätzt wird: eine Liebesgeschichte zwischen einem Gentleman-Ganoven und der ihn verfolgenden Polizistin ist so dermaßen ausgelutscht, daß es schon äußerst spritziger Dialoge und entsprechend begabten SchauspielerInnen bedurft hätte um die gewollte Samstagabendunterhalten zustande zu bringen. Dem ist hier aber nicht so, die Texte sind auf Sitcomniveau und bisweilen pubertär, ebenso wie die zum leichten Thema nicht wirklich passenden Gewaltausbrüche. Ohne Action geht natürlich nichts, denn Soderbergh will den Spagat zwischen Kommerz und Kunst machen, woran er kläglich scheitert.
Auf dem Cover der DVD der Süddeutschen Zeitung wird er zitiert: "Ich will Filme drehen, die von mehr als einer Handvoll Leute angeschaut werden und trotzdem nicht dumm sind". Tja, verloren auf der ganzen Linie, denn mehr als eine Handvoll waren es zumindest zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung nicht und, ganz ehrlich, "gescheit" ist dieser Film auch nicht.
Gefällig ist zwar irgendwie alles: Kamera, Schauspielerei (obwohl ich wahrscheinlich der einzige bin, der Jennifer Lopez musikalisch wie schauspielerisch für untalentiert hält; hier immerhin fällt sie nicht unangenehm auf) und Diegese, aber so aufregend wie eine Bang und Olufsen Anlage. Tiefe gehört nunmal dazu, denn sonst bleibt es ein Designerstück, daß man mal kauft, weil einem langweilig ist und man eben so reich ist, daß mand as tun kann. Folgliich eignet sich "Out of Sight" ideal als Kaminersatz für eine Yuppieparty im 300 m2 Penthouse in Manhattan. Es besteht keinerlei Ansehzwang.
Viel kenne ich ehrlicherweise nicht vom Werk Steven Soderberghs (gerade mal "Solaris" kommt zum vorliegenden) und nach "Out of Sight" sehe ich auch keinerlei Veranlassung mich weiter damit zu beschäftigen. Wenigstens der Titel paßt. Ich füge hinzu: "out of mind".

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