Abschied auf Raten und Ausklang einer die Achtziger Jahre füllenden und auch die Zeit bestimmenden und dafür prädestinierten Serie, die anschließend noch in Synchronisation und Syndikation die ganze Welt eroberte und seitdem auch beständig in den Köpfen der (älteren) Zuschauer ist. Bestandteil einer Krimioffensive in dem Jahrzehnt, und damit auch ernsthafter Konkurrent für die anderen Genres allen voran der Soap und der zeitweilig auch als Connection benutzten und dort zusätzlich Material gefundenen Aktion- und Abenteuerserien, und wozu noch die nahezu gleich so namhaften Vertreter wie Trio mit Vier Fäusten oder Simon & Simon (und auch der Klon Matt Houston) gehört. Magnum als jüngstes Kind der Dekade, noch von den späten Siebzigern zehrend und dort das Bewusstsein erhaltend, die Traumata mit herübernehmend und die Bedeutungsschwere erlernt, hat den Hauptdarsteller zum Star für das Fernsehen gemacht und ihm gleichzeitig die Kinokarriere verwehrt, den Schauplatz zum beliebtesten Traum- und Reiseziel aus dem drögen Alltag heraus erklärt und sich über einer jahrelang geplanten, letztlich doch vertanen Ableger für das Kino erst vor kurzem in einer (zweimal zuvor abgesagten) Neuauflage für nicht bloß ein jüngeres, sondern tatsächlich ein anderes Publikum, eine neue Generation konserviert.
Etwas 'Altes', nicht gleich Schlechtes, nicht automatisch abgegriffenes, was Bestand durch seine Qualität hat und das Spiel mit Ernsthaftigkeit und Scherz, mit großen Erzählungen auf kleinem Umfeld, mit Sympathie nicht bloß für die Titelfigur, sondern auch dessen Begleiter und mit der Suche nach der Wahrheit, der Suche nach Freiheit und Unbeschwertheit aber auch und dem Frieden im ursprünglich Hier und jetzt und nunmehr der nostalgischen Vergangenheit, von der bloß noch die Erinnerung und die Aufnahmen von früher existieren.
Magnum ist im Jahre '80 auf Platz 14 der Beliebtheit gestartet, mit einem Share von 21, hat sich zwischen 1982 - 1983 in die Top 3 hervor gearbeitet, nur um anschließend erst auf Platz 6 zu rutschen, dann wieder auf den vorherigen Platz zurückzukehren und letztlich wie so viele frühere Erfolge wie bspw. Das A-Team den neuen Jahren Tribut zu zollen und die vorderen Ränge zumeist an die Sitcomschiene abzutreten. Die achte und die letzte Staffel auch als verkürzte Einheit, mit 13 Episoden nur, allerdings bereits nach einem möglichen und auch so ursprünglich für alle Beteiligten gedrehten und später veränderten Abschluss der siebenten Staffel und so wie als Nachzügler seiner eigenen Prämisse; als ausgedehntes Schlusslicht, was sich selbst überlebt hat und nun für 13 Episoden weniger der Funken Hoffnung, als vielmehr nochmal der Kehraus für die übergebliebenen Zuschauer bis zum endgültigen goodbye an diese und geschrieben von zumeist Chris Abbott, Jeri Taylor und Stephen A. Miller ist.
Für Neu- und damit Späteinsteiger ist Folge 1 "Stimmen aus dem Jenseits" im Grunde ungeeignet, baut man doch direkt auf den Geschehnissen aus "Eine andere Welt" auf und setzt man sich hier selber als Wiedergutmachung der Ereignisse dort, als lang dauernde Rehabilitation wortwörtlich ein. Statt einem Ende mit Schrecken ein Schrecken ohne Ende. Zwar werden durch Ausschnitte der dortigen Bilder der Ablauf der Ereignisse noch einmal rekapituliert, startet man aber tatsächlich vom Sterbebett aus und schon nach dem Festhalten des Todeszeitpunktes, um dann – wie oh Wunder – aus dem bis dahin vorherrschenden Koma noch einmal zurückzukehren.
Was ist passiert und was zuvor geschah? Magnum hat sich eine wilde Schießerei in einem Lagerhaus geliefert, bei der er schwer und lebensbedrohlich verwundet wurde, sein Freundes- und Bekanntenkreis hat in diesem Koma zwar auch mit ihm gesprochen und ihn somit quasi über den weiteren Verlauf 'informiert', konnte den Wanderer zwischen den Welten aber nicht von seinem Zustand überzeugen oder gar 'aufhalten' und hat ihn letztlich verloren; bis, ja bis bei diesem kurz vor dem endgültigen Gang in das Himmelreich noch ein neuer Fetzen Erinnerung hinzugekommen sind und nunmehr nicht nur Gefahr für eine weitere Person besteht, sondern auch noch ein Verbrecher auf freien Fuße und damit Priorität für den Privatdetektiv ist. Ergo wird jetzt versucht, das Puzzle aus Wahr und falsch, aus Real und Spiritualität, aus Leben und Tod und dem Gesehenen, dem Empfundenen und dem Gehörten neu zusammengesetzt, wobei die körperliche Regeneration mit Absicht in einem Veteranenhospital stattfindet, aber dort nicht bloß der junge neugierige Sporttherapeut auffällig verdächtig ist. Da auch der Großteil der Handlung dort in den vier Wänden neben all den anderen Kranken und mehr oder minder gut genesenden und das leicht aktionsreiche Finale dann erneut in der Lagerhalle spielt, wirkt die Episode nicht nur von der narrativen Seite aus recht düster, wie todernstes Rachekino noch in den besseren Momenten, aber auch vielerlei Vorhaltungen, Verlustmeldungen und anderen deprimierenden Geschehnissen. Erst am Ende wird wieder etwas frische Luft geatmet und die Natur als Schauplatz gewonnen; alles andere davor ist ein Runterzieher vor dem Herrn und ein seriell negativer Apologet.
In Folge 2 "Irrungen und Wirrungen der Psyche" hat man natürlich noch ein wenig mit den Nachwirkungen zu kämpfen, Magnum weiß zuweilen nicht so recht, was wahr ist und was Einbildung, mancherlei Dinge will er auch einfach nicht wahrhaben und manche vergessen und ungeschehen. Ein Wirbelsturm des Lebens, der durch seine bisherige Zeit durchbrochen ist und sie für einen Moment auf den Kopf gestellt hat, auch eine unliebsame Diagnose beim Besuch eines Psychoanalytikers wird lieber negiert und lieber ignoriert. Da trifft es sich nicht so gut, dass die feste Basis Higgins sich gerade auch merkwürdig benimmt und im dritten Frühling wähnt; umgekehrte Verhältnisse hier, läuft Magnum im Anzug herum, mit langen Hosen wohlgemerkt und fährt ein 'erwachsenes' Auto, während sich Higgins das Hawaiihemd überwirft und sowohl die Memoiren als auch die Pflanzen als auch überhaupt alles an Pflichten vergisst. Dass man die Welt hier einmal humoristisch auf links dreht, tut der bisherigen Stimmung ganz gut, die immer noch von Wahnvorstellungen unterbrochen wird und Todesahnungen, aber sich zumindest auf dem richtigen Weg befindet, auch wenn der Fall selber (scheinbar) nichts wert ist: doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt; und wenn der Higgins nur im Sprungkick einen vermeintlichen Angreifer mehrere Meter zurück in den Raum schiebt.
Folge 3 "Das Müllparadies" ist dann wieder alles beim alten, und entsprechend auch beim guten, zum Glück auch. Magnum keift sich mit Higgins, hier aus dem Grunde, dass eine Schadensersatzklage wegen Stolpern über einen Teppich während einer Party in Robin's Nest ansteht; wobei beide wohl zu Recht auch vermuten, dass hinter dem Unfall nichts und wenn dann nur Abzocke steckt und entsprechend 'privat' ermittelt wird. Dabei – und das macht bspw. die Neuverfilmung andauernd – stößt man zufällig auf ein zweites Storykonstrukt, welches dann die Einleitung ablöst und den eigentlichen Kriminalfall oder doch die Räuberpistole darstellt. Alle Darsteller sind zum Spielen aufgelegt, die Handlung ist flott und in Bewegung, auch wenn das Wetter wenig einladend und sowohl die raue See als auch der Wind mehr fröstelnd und gar nicht für kurze Sachen zum Tragen geeignet sind. Gen Ende folgt auch noch eine flotte Autoverfolgung durch die Straßen und einmal ein Parkhaus hinauf; wobei allein eine Titeleinblendung zum Abschluss der Folge ernüchternd ist: "Dedicated to the memory of composer Pete Carpenter."
"Habt ihr gestern Rockford gesehen?"
Eine Schießerei jeweils am Anfang und am Ende von Episode 4 "Das Baseball-Talent" rahmt die Handlung um den Mord an Lieutnant Tanaka und die prompte Ermittlung seines Freundes Magnum gegen alle Hindernisse und auch das Herumschnüffeln der Dienstaufsichtsbeschwerde ein; ein Shootout in der Vergangenheit der frühen Siebziger, am Strand, welche die Folge einleitet und nahezu gänzlich aus der POV - Perspektive dargereicht wird, und das abschließende Ein-Mann-Kino der Achtziger Jahre, in dem auf einem Frachtschiff ein Drogendeal gestört wird und Rache geübt. Angenehm hier die Gangart der Inszenierung, das ruhige, aber dennoch stetige und unbeirrbare Vorgehen, in dem keine Kinkerlitzchen geboten werden und keine Ablenkungen bloß zum Füllen des Geschehens. Im Gegensatz zur Neuauflage des Jahrgangs 2018/19 fällt auch die Ruhe innerhalb des Anwesens von Magnum und Higgins, die Abgeschiedenheit und die Verschlossenheit gegenüber der Öffentlichkeit, sowie in den vielen Nachtszenen auch in der Stadt eine gewisse Isoliertheit und fast gefühlte Abgestorbenheit der Szenerie, mit wenig Licht, dunklen Fenstern ohne Anwesenheit dahinter und wenig Menschen auf den Straßen und auch nicht vor den Gebäuden oder in ihnen deutlich auf.
"Rockford war Spitzenklasse...."
Folge 5 "Die Rückkehr der Prinzessin" ist zwar (zum Glück) nicht annähernd so spinnert und schmaltzy, wie es die Vorschau und auch die ersten langen Minuten der Episode selber vermuten lässt, hat sich mit der Geschichte um eine möglicherweise Reinkarnation einer durch Feuer umgekommenen hawaiianischen Prinzessin und ihrem amerikanischen Marineoffizier als heimlichen Liebhaber keinerlei Gefallen getan; vor allem nicht so kurz nach den Szenen im Limbo und den noch anschließend folgenden Wahnvorstellungen. Letztlich ist die Handlung hier auch schnell erzählt und halb so wild, bis dato aber wird mit dem Karma und seinen Möglichkeiten und auch viel mit den unterschiedlichen Charaktereigenschaften von Magnum, je nach Sachlage mütterlicherseits oder väterlicherseits gespielt, was in beiden Fällen leider nicht sonderlich interessiert. Die Gaststars Gregg Henry, Elisha Cook und Brainscomb Richmond versöhnen ein wenig.
In Folge 6 "Mutter bleibt Mutter" wird die mit Magnum gut befreundete Staatsanwältin Carol Baldwin wegen einem wichtigen Prozess gegen eine hoch angesehene Persönlichkeit sowohl von der Presse verfolgt als auch von einem geheimnisvollen Mann, sodass Magnum sie vorübergehend bei ihrer Mutter einquartiert. Gleichzeitig bekommt er von einer Frau den Auftrag, ihr vor mehreren Jahren zur Adoption frei gegebenes Kind zu finden; und wie es die Geschichte von Produzent Jeri Taylor so will, haben beide Ereignisse ihre Überschneidungen und wird daraus mehr oder minder eine rein dramatisch-emotionale Episode, eher etwas für die (späte) Charakteristika der noch übergebliebenen Stammdarsteller gestrickt. Das ist vielleicht gar nicht schlecht geschrieben, aber so unnötig wie ein Kropf und gehört eher in eine Soap als in ein Krimigeflecht.
Folge 7 "Ein Mädchen namens Sue" vom anderen Produzenten Stephen Miller ist dafür wieder eine stattliche Krimiplotte, die Magnum auf Bitten einer kürzlich zur Waisen gewordenen Tochter nach dem Testament des Vaters forschen lässt; wobei die Auftraggeberin ihren eigenen Bruder des Erbbetruges verdächtigt und des Mordes an ihrem Vater gleich mit. Dabei stößt der Privatdetektiv auf die alte Bekannte Susan Johnson, gespielt nach "Blütenzauber" aus der Staffel 4 erneut mit Verve von Carol Burnett, die als frisch gebackene Amateurdetektivin genau den gleichen Fall verfolgt, nur eben im Auftrag des Bruders, der genau die gleiche Story mit seiner Schwester als mutmaßliche Täterin erzählt. Die Folge ist eine spritzige Groteske, zwischen Hommage und Parodie, die neben viel Witz und Spiellaune auch wieder ein angenehmes Rätsel mit vielerlei Wendungen und Überraschungen enthält.
Das Gegenteil dessen, qualitativ allerdings wieder überzeugend, wenn nicht sogar die stärkste Episode der Staffel ist Folge 8 "Ein Mann hält sein Wort", die scheinbar direkt an Folge 1 und der dortigen Festnahme von Quanh Ki und dem anschließenden Gerichtsverfahren anschließt, allerdings darüber auch noch den Vietnamkrieg selber und die Erlebnisse eines amerikanischen Soldaten seit fast 20 Jahren in Kriegsgefangenschaft betrachtet. Und Magnum gleich in mehreren Belangen an den Rand einer Tragödie und mitten hinein und auch vor eine moralische Entscheidung um den Wert des Lebens, die Genugtuung der Rache und den Umgang mit dem eigenen Schmerz und Verlust bringt.
Folge 9 "Aufbruch zu neuen Ufern" als Auflockerung ist kein Krimi und auch keine Aktion, sondern eine Art Bestandsaufnahme des täglichen Lebens der Männergruppe, wobei jeder von ihnen einzeln und gleichzeitig als Verbund betrachtet wird. Eine humorvolle, kurzzeitig mal etwas dramatische, aber nie unangenehm ernst werdende, von Produzent Jeri Taylor geschriebene Kaleidoskop-Episode, die von einem geplanten Businesspitch von Magnum zusammengehalten und (teilweise als an alle Drei verteilte und gehörte Kassettenaufnahme) immer wieder angespielt wird, während alle Männer mit kleineren Schwierigkeiten im Leben kämpfen, und am Ende natürlich alles gut wird. Hoffnung, Leichtigkeit und Zusammenhalt; nicht unbedingt das schlechteste Füllmaterial, und bei aller 'Nichtigkeit' auch etwas, was für den Reifegrad der Serie spricht und zu ihr gehört.
Folge 10 "Eine Legende lebt" als vergnügliches Abenteuer geht auf die Kosten von Selleck, allerdings mit ihm als Mitwissenden und so Beteiligten des Spieles, dass den Darsteller in eine Rolle schlüpfen lässt oder ihn auch dazu zwingt, welche er ursprünglich angeboten bekommen hat. Diese aber wegen Vertragsschwierigkeiten nicht einlösen konnte und der Zuschlag damals und damit unwiederbringlich an Harrison Ford ging. Die Rede ist natürlich von Indiana Jones und dessen Auftritt in Raiders of the Lost Ark, was hier sowohl visuell im Bild, mitsamt einer ähnlichen Eröffnungsszene und auch im gleichen Kleidungsstil wiederholt wird als auch mehrfach im Dialog und dem Originaltitel "Legend Of The Lost Art" erwähnt. Sellecks Magnum, der auch eine Ikone der Achtziger, nur eben die des Fernsehens und nicht des Kinos ist, macht dabei gute Miene zum bösen Spiel, ein zauberhaftes Vergnügen, dass zusätzlich zu dem Kniff mit den verschiedenen Ebenen von Fiktion und Realität noch eine unterhaltsame Geschichte zum auch Mitraten und einige Aktionsszenen mehr als üblich aufweist, und mit Kabir Bedi den nächsten prominenten Vertreter des Abenteuergenres gleich mit.
Folge 11 "Der verschwundene Bestseller" dreht sich um ein aktuelles Manuskript von Robin Masters – wobei Magnum immer noch vermutet, dass dies bloß ein Pseudonym und Tarnung von Higgins ist – , welches bei der Lieferung zum Verlag verloren geht. Da es die einzige Kopie war und zusätzliche auch noch die Buchhaltung nicht stimmt und zusätzlich auch noch ein Anschlag auf Higgins selber verübt wird, schaltet sich natürlich Magnum ein, mit unfreiwilliger Hilfe eines besseren Möchtegern-Detektives. Dieser ist wie mancherlei andere Personen hier in der Szenerie und der ersten Szene, in der Magnum quasi einmal seine Sachen von links auf rechts packt und eigentlich Ausmisten will, aber letztlich doch alles behält schon Bestandteil des ersten Abschiednehmens der Serie. Der flotten Episode selber merkt man das nahende Ende zwar nicht an, kommen allerdings tatsächlich nur noch zwei Abenteuer, hier noch einmal in alter Stärke und charmant-gewitzt.
Als Abschluß dient eine Lang-Episode, "Die Lösung", geteilt in zwei Hälften, wobei der Start dessen mit einem Besuch von Magnum in Washington und speziell auch Annapolis, einer Geburtstagsfeier für ihn und einer ausgeschlagenen Reunion und überhaupt all over the places, mit Erinnerungssequenzen, mit plötzlich auftauchenden neuen (und dem Gelegenheitszuschauer unbekannten alten) Familienmitgliedern und nicht bloß einer zunehmenden Zusammenhangslosigkeit, sondern wieder einer eklatanten Depression seitens der Titelfigur beginnt. Geschlagene 20min davon und weitere Rückblenden später ist man dann doch wieder in Hawaii, wo die Geschichte so langsam losgeht und so langsam, im Grunde erst kurz vor Ende und wenige Augenblicke vor dem Setzen eines Cliffhanger Sinn zu machen beginnt.