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Die Fortsetzung von Jörg Buttgereits Kultklassiker beginnt mit dem Finale des Originals, in dem Robert, blut- und spermaspritzend seinen Tod inszeniert. Doch nach kurzer Zeit unter der Erde, wird sein vermoderter Leichnam von einer ebenfalls nekrophil veranlagten Frau ausgebuddelt und als Liebhaber in ihrer Wohnung integriert. Roberts ehemalige Freundin Betty sorgt derweil für amüsante Komik, wenn sie ebenfalls die Leiche ausgraben will, diese aber bereits weg ist. Das morbide Staffelholz wurde somit an Monika (Monika M.) weitergegeben, die zunächst von dem schleimigen Leichnam sexuell angezogen wird, jedoch auch angewidert ist. In einem Kino lernt sie Mark kennen, einen unscheinbaren jungen Mann (köstliche Muttisöhnchenaufmachung), der mit Pornosynchros sein Geld verdient. Natürlich zeigt Buttgereit in diesem Kino eine Eigenprodukton als Einschub quasi, mit den Musikern Wolfgang Müller und Käthe Kruse von der Kultband „Die tödliche Doris“, sitzt selbst im Publikum und das ganze spielt natürlich im Kino Sputnik in Kreuzberg, wo „Nekromantik“ Premiere hatte. Monika gibt sich als Krankenschwester aus und ist nach anfänglichem romantischen Kennenlernen in der Bredouille, sich ihrem neuen Freund mit ihren nekrophilen Neigungen zu outen. Die Versuche, die sie unternimmt, um ihn behutsam heran zu führen, fruchten denkbar wenig, wer findet auch schon Videoabende mit Robbenschlachtungen erotisch oder mag es, wie eine Leiche beim Sex zu verharren. Um so härter wirkt das Zersägen des Leichnams, den sie damit zu größten Teilen verschwinden lässt, Kopf und Penis behält sie im Kühlschrank. Das Turteln des frisch verliebten Paares ist äußerst ausgewalzt und zeigt nur umso mehr, dass Jörg Buttgereit mit seinen Filmen wohl kaum die übliche Horrorklientel bedienen will, die vor allem nach durchgehend blutigen Szenen schreit. Gezeigt wird die Ungleichheit der beiden Partner und zu guter Letzt schließt sich auch hier der Kreis vom neuen Leben durch verwelktes. Das Ende klärt noch etwas auf, über Logikfehler braucht man sich in solch einem metaphorischen Film eigentlich nicht zu ärgern. Auch in diesem Sequel steht die Beziehung zwischen Menschen im Vordergrund, was nicht heißt, dass nicht auch „Nekromantik 2“ einige harsche Effekte zu bieten hat. Die SFX sind wunderschön und man sieht dieser Fortsetzung auf 16 mm durchaus das etwas höhere Budget an. Dagegen ist die Morbidität hier nicht mehr allgegenwärtig, wenngleich der gute Score einiges zur Atmosphäre beiträgt. Teil 1 war originärer, während Teil 2 etwas dicker aufträgt, in jeder Hinsicht. Überzeugend sind die Darsteller und die gute Kamera, die auch in dieser Fortsetzung mit vielen Close-Ups glänzt.

Fazit: Nicht gerade ein Horrorfilm sondern eher ein Liebesdrama mit sehr expliziten Darstellungen. 8/10 Punkten

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